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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klimaschutz im „Geist von Bonn″
Zwischenüberschrift:
Fortschritte bei UN-Konferenz trotz Ausstiegs der USA – Fonds für arme Länder bleibt
Artikel:
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Originaltext:
Zuletzt tagte die Weltklimakonferenz noch die ganze Nacht durch und meldete am Ende einige zusätzliche Erfolge. Der Forscher Schellnhuber meint: Der Geist der Klimakonferenzen von Paris und Bonn ist jetzt aus der Flasche und lässt sich nicht mehr einfangen.

Bonn. Die UN-Klimakonferenz in Bonn hat nach Einschätzung von Politikern und Diplomaten bewiesen, dass der Geist von Paris″ auch nach dem angekündigten Ausstieg der USA lebendig ist. Bonn hat unterstrichen, dass die Unterstützung für das Pariser Abkommen stark ist und dass die Reise, die die Welt angetreten hat, eine unaufhaltsame Bewegung ist, die von allen Teilen der Gesellschaft rund um die Welt getragen wird″, sagte UN-Klimachefin Patricia Espinosa.

US-Präsident Donald Trump hatte im Sommer den Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen beschlossen. Dennoch gehe von Bonn das starke Signal aus, dass die Welt zusammenstehe, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Der Vorsitzende der Konferenz, Fidschi-Regierungschef Frank Bainimarama, versicherte: Ich bin sehr zufrieden, dass die Konferenz ein solcher Erfolg geworden ist.″

Nach einer langen Diskussionsnacht hatten sich die fast 200 Staaten am Samstag auch in wichtigen Finanzfragen geeinigt. Dabei ging es unter anderem um einen älteren Fonds zur Anpassung der Entwicklungsländer an die Folgen des Klimawandels. Er war bislang im Kyoto-Protokoll von 1997 verankert. Für sein Fortbestehen wurden in Bonn wichtige Punkte beschlossen.

Die Einigung wurde im Konferenzplenum mit Applaus bedacht. Lob kam auch von Umweltschutzorganisationen wie Oxfam. Wir sind erleichtert, dass die Industrieländer hier nachgegeben haben″, sagte Oxfam-Experte Jan Kowalzig. Der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid sagte: Es ist gut, dass wir nun eine Übereinkunft bei Finanzierungsfragen haben, aber enttäuschend, dass Klimadiplomatie auch zwei Jahre nach Paris ein derart zähes Geschäft bleibt.″

Zuvor hatten die Delegierten eine umfangreiche Textsammlung erstellt, aus der im kommenden Jahr das Regelwerk zum Pariser Abkommen entstehen soll. Dies ist unter anderem nötig, damit eine Tonne Kohlendioxid-Minderung in allen Ländern nach einem einheitlichen Maßstab gemessen wird. Das Regelwerk soll auf der nächsten Klimakonferenz Ende 2018 im polnischen Kattowitz beschlossen werden.

Bisher reichen die beschlossenen Klimaschutz-Maßnahmen allerdings noch nicht aus, um die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst sogar 1, 5 Grad zu begrenzen. Deshalb gibt es nun neben den direkten Verhandlungen den sogenannten Talanoa-Dialog. Das Wort Talanoa bezeichnet auf Fidschi eine Versammlung, in der Wissen ausgetauscht und Vertrauen aufgebaut wird, um weise Entscheidungen zu treffen. Der Dialog soll dazu führen, dass vor allem die Industrieländer ihre Anstrengungen deutlich verstärken.

Der Forscher Hans Joachim Schellnhuber sagte: In Bonn hat sich außerhalb und innerhalb der Konferenzsäle ein Geist entwickelt, der weiterwirkt.″ Manche Politiker müssten sich erst noch daran gewöhnen: Aber dieser Geist von Paris und Bonn ist aus der Flasche und wird sich nicht mehr einfangen lassen.″

Als besonderer Erfolg galt in Bonn auch, dass erstmals ein gemeinsames Arbeitsprogramm zu Landwirtschaft und Klimawandel in die Agenda aufgenommen wurde. Die Landwirtschaft ist einerseits extrem vom Klimawandel betroffen, sodass eine Anpassung an die Erderwärmung nötig ist. Andererseits ist sie auch für einen großen Teil der Treibhausgase verantwortlich.

Mehr zur Klimakonferenz lesen Sie im Internet auf noz.de / politik

Bildtext:
Geschafft, aber zufrieden: Teilnehmer der Bonner Klimakonferenz vor einem der vielen Länderpavillons.

Foto:
dpa

Kommentar
Grau ist alle Theorie

Auch beim Klimaschutz gilt: Grau ist alle Theorie. Der UN-Gipfel in Bonn hat zwar weitere Schritte in die richtige Richtung beschlossen. Doch hinkt die Umsetzung aller Vorhaben der Realität gefährlich hinterher. Folglich steigt der weltweite CO2-Ausstoß immer weiter im laufenden Jahr wohl um zwei Prozent. So wird das nichts mit dem Ziel, die Erderwärmung zu begrenzen.

Auch Deutschland hat seine Hausaufgaben noch lange nicht gemacht. Problematisch ist vor allem die massenhafte Verstromung von Kohle. Ein baldiges Ende dieses Umweltfrevels ist aber nicht zu erkennen. Bei der Anti-Kohle-Allianz, die sich in Bonn gebildet hat, ist Deutschland nicht dabei. Vorreiter beim Klimaschutz das war gestern.

Der Fortschritt lässt sich aber nicht aufhalten. Das Zeitalter der fossilen Energieträger neigt sich absehbar dem Ende zu. Jetzt geht es darum, wer die Energiewende besonders schnell vorantreibt und am Ende am meisten davon profitiert. Das hat seinen Preis, wie die Erneuerbare-Energien-Umlage zeigt. Doch sind auch fossile und nukleare Energie mit hohen Kosten wie Subventionen und Steuervergünstigungen verbunden nur werden sie nicht auf der Stromrechnung ausgewiesen.
Autor:
dpa, Uwe Westdörp


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