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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ehemaliger Wohnungsloser lädt zum Festessen ein
Zwischenüberschrift:
Andreas „Ente″ Ledwon hat den Absprung aus der Trinkerszene geschafft
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Er trank, war krank, hatte keine Wohnung. Sein Kumpel erfror in Osnabrück auf einer Bank. Doch Andreas Ledwon schaffte die Wende. Er lebt und sagt nun Danke, indem er frühere Leidensgenossen zum Entenbraten einlädt.

Jede Woche fährt Ledwon einmal nach Eversburg. Dort auf dem Friedhof ist das Grab seines Freundes Christian, um das sich der 59-Jährige kümmert. Christian und Andreas verbindet die gemeinsame Vergangenheit. Beide sind aus Polen gekommen und hatten sich in Deutschland ein besseres Leben erhofft. Doch als sie hier waren, sind beide in die Alkoholabhängigkeit geraten, haben Arbeit und Wohnung verloren. Aber anders als Christian lebt Andreas heute noch und kann erzählen. Christian wurde nur 44 Jahre alt″, sagt er. Eines morgens im Winter fand man ihn erfroren auf einer Bank nahe einer Tankstelle, die Flasche neben sich.″ Er selbst sei nur durch Glück und fremde Hilfe noch am Leben, als einziger seiner Trinkkumpanen von früher, erinnert sich Ledwon, den langjährige Mitarbeiter der Ambulanten Wohnungslosenhilfe des SKM in Osnabrück noch unter seinem früheren Spitznamen Ente″ kennen.

Ente″ ist nun seit 23 Jahren trocken″, wie er selbst sagt. Doch damals, in der Zeit nach der Trennung von Frau und Kind zwischen 1983 und 1994, war er nicht nur regelmäßiger Gast in der SKM-Tageswohnung und der Beratungsstelle, sondern auch im früheren Landeskrankenhaus (heute Ameos-Klinikum). Im Schnitt etwa dreimal im Jahr hätten ihn Polizisten in der Stadt hilflos und oft auch verletzt aufgefunden und zum Gertrudenberg gebracht, sagt Ledwon. Für ihn sei es damals fünf vor zwölf″ gewesen oder wie man in seiner polnischen Heimat sagt: Za piec dwunasta.

Doch mit seinen Kumpels vom Hasefriedhof trank Ledwon weiter. Eines Tages habe er in seinen Füßen kein Gefühl mehr gehabt. Ein Lkw hätte drüberfahren können und ich hätte nichts gemerkt″, blickt der frühere Alkoholiker zurück. Sein Spitzname sei zu dieser Zeit entstanden. Mit 33 Jahren habe er im Rollstuhl gesessen.

Das ist jetzt 26 Jahre her. Heute sieht Andreas Ledwon älter aus als 59, aber er wirkt gepflegt und ist groß, schlank und gut zu Fuß. Einer, der ihm sehr in sein neues Leben geholfen habe, sei Heinz Hermann Flint, sagt Ledwon. Als Fachdienstleiter beim SKM leitet Flint das Haus der Ambulanten SKM-Wohnungslosenhilfe in Osnabrück, in der Ledwon in den Jahren vor 1994 oft übernachtet hat. Die Nächte im Winter 1993/ 94 verbrachte er allerdings mit einem anderen Wohnungslosen in einem geheizten Raum unter dem Altar der Elisabethkirche. Auch dabei hätten die Leute vom SKM und der Kirchengemeinde ihm geholfen.

Ledwon sagt, er sei ein gläubiger Mensch und gehe regelmäßig in den Dom, wo er sich früher oft aufgewärmt habe. Heute aber hat er eine eigene Wohnung und aus gesundheitlichen Gründen derzeit einen Minijob, aufgestockt wird das Einkommen durch ALG-II-Leistungen. Etwas Geld habe er gespart, und nun sei es für ihn an der Zeit, anderen Menschen zu helfen, sagt der ehemalige Wohnungslose. Deshalb hat er gemeinsam mit Co-Sponsor Norbert Hawighorst am Mittwoch rund 40 Gästen der SKM-Einrichtung ein Festessen spendiert: Ente mit Rotkohl und Klößen. Als dienstältester Mitarbeiter des Hauses an der Bramscher Straße kann sich Heinz Hermann Flint nicht erinnern, dass eine solche Hilfsaktion durch einen ehemaligen Klienten″ schon einmal vorgekommen ist.

Bildtexte:
Der ehemals obdachlose Andreas Ente″ Ledwon hat den Absprung geschafft. Obwohl er deshalb längst nicht auf Rosen gebettet ist, lässt er andere nun an seinem Erfolg teilhaben.
Der Braten landete frisch auf den Tellern.
Entenbraten mit Klößen ein solcher Festschmaus ist für Wohnungslose eigentlich ein unerreichbarer Traum.
In der SKM-Tageswohnung an der Bramscher Straße konnte dank Ente″ festlich gespeist werden.
Fotos:
David Ebener

Warme Platte″ gesucht

Die Mitarbeiter der Sozialen Dienste SKM suchen für die kalte Jahreszeit noch Möglichkeiten zur unbürokratischen Unterkunft für wohnungslose Menschen, die ansonsten bei tiefen Temperaturen draußen übernachten und sonst keinerlei Hilfeangebote in Anspruch nehmen. Dabei kann es sich zum Beispiel um ein leer stehendes Haus oder eine freie Wohnung handeln. Kontaktaufnahme unter der Telefonnummer 05 41/ 3 30 35 10.
Autor:
mey


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