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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Ende der Ewigkeit
Zwischenüberschrift:
Schriftzug „Ewig Deutscher Osten″ wurde vor 25 Jahren vom Bürgergehorsam entfernt
Artikel:
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Originaltext:
Trutzig und standhaft wie der mittelalterliche Wehrturm selbst klingt die Botschaft Ewig Deutscher Osten″, die von 1954 bis 1992 am Bürgergehorsam in Metallbuchstaben angebracht war. Sie passte nicht mehr in die politische Landschaft, als sie vor 25 Jahren abgenommen wurde.

Osnabrück. 1954 sah die Welt noch anders aus. Das Leid der zwölf Millionen Deutschen, die man auf Beschluss der Siegermächte zwischen 1945 und 1950 entschädigungslos enteignet und aus den Ostgebieten vertrieben hatte, war allenthalben präsent und politisches Tagesgespräch. Die später vorherrschende Sichtweise, dass man die Vertreibung als Folge der Verbrechen des Naziregimes hinzunehmen habe, wurde in der politischen Diskussion mehrheitlich nicht geteilt. Im Fokus standen die individuell an den Vertriebenen begangenen Menschenrechtsverletzungen, die sich im Zuge des beginnenden Kalten Kriegs zu einer dauernden Anklage gegen die sowjetische Gewaltherrschaft entwickelten.

Die britische Besatzungszone, zu der Osnabrück gehörte, nahm 3, 3 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene auf. Jeder vierte Niedersachse kam gebürtig aus dem Osten. Der Bund der Heimatvertriebenen und die einzelnen Landsmannschaften waren auch im Osnabrücker Land stark vertreten. Zum Tag der Heimat″ am 12. September 1954 enthüllte der Verbandsvorsitzende Linus Kather das Mahnmal am Bürgergehorsam, einen Schriftzug aus 40 Zentimeter hohen gotischen Lettern und die 170 Zentimeter hohe Fackel. Das Osnabrücker Tageblatt″ schrieb: Tausende von Menschen drängten sich um den alten Bürgergehorsam und auf dem Platz an der Klosterkaserne, als um 11 Uhr unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle die Fahnenabordnungen und eine Gruppe der Deutschen Jugend des Ostens von der Vitischanze her ihren Einzug hielten.″

Keine Vergeltung

Schmiedemeister Paul Wrensch, Heimatvertriebener aus dem pommerschen Greifenberg, hatte in seiner Werkstatt in der Großen Rosenstraße die Metallelemente angefertigt, entworfen hatten sie die Osnabrücker Architekten Hudel und Richter. Sinngebung des Denkmals war, an den bleibenden Anspruch aller Deutschen auf widerrechtlich entrissenen, uralten deutschen Boden″ zu gemahnen. Auch sollte es ein Symbol der Schicksalsverbundenheit zwischen der einheimischen Bevölkerung und den vertriebenen Brüdern und Schwestern aus dem Osten unseres Vaterlandes″ sein. Immerhin: Der Redner betonte, das Mahnmal wolle nicht zu Rache, Vergeltung und gewaltsamer Rückeroberung″ aufrufen, sondern Ansprüche wahren.

Die Welt drehte sich weiter. Als Ergänzung zu der von Adenauer eingeleiteten Westintegration setzte Willy Brandts Ostpolitik auf Entspannung und die Versöhnung mit dem östlichen Nachbarn Polen. 1972 trat der Warschauer Vertrag in Kraft, mit dem Bonn die Oder-Neiße-Linie als westliche Staatsgrenze der Volksrepublik Polen faktisch anerkannte. In der 1975 unterzeichneten KSZE-Schlussakte wurde die Unverletzlichkeit der Grenzen noch einmal bestätigt. Dieser Wandel in der politischen Bewertung der Oder-Neiße-Linie blieb in der Osnabrücker Lokalpolitik zunächst folgenlos. Völlig unbeeindruckt verkündete der bald 500 Jahre alte Wehrturm weiterhin die Botschaft vom Ewig Deutschen Osten″. 1981 stellte die Stadt den Vertriebenen das Turminnere für eine Ostdeutsche Lehrschau″ zur Verfügung.

Erst 1986 unternahm die Ratsfraktion der Grünen einen Vorstoß, das Denkmal an der Außenwand abzunehmen. Die Aussage sei unhistorisch″ und gar politisch gefährlich″, weil sie sich als Annexionsanspruch interpretieren lasse. Das wollte Stadtkämmerer Bolko Schubert nicht gelten lassen. Er trat dafür ein, die Inschrift als geschichtliches Dokument seiner Entstehungszeit zu akzeptieren. Zunächst blieb alles beim Alten.

Debatte im Rat

Nach der deutschen Wiedervereinigung war mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 die Oder-Neiße-Grenze endgültig und völkerrechtlich verbindlich festlegt. Das Mahnmal rückte mit seiner politisch-historisch überholten Forderung nachhaltig auf die lokalpolitische Agenda. Unmittelbarer Auslöser waren Schmierereien („ Vertreibt die Vertriebenen!″) und einzelne gestohlene Buchstaben. Die Stadt stand vor der Frage: Reparieren oder Abnehmen? Die CDU plädierte für Erhalt, aber mit erklärendem Zusatz, der die Inschrift als Zeitzeugnis einordnet. Die anderen Fraktionen im Stadtrat setzten sich mit ihrer Mehrheit durch: Die Schrift kommt ins Museum. So geschah es, im November 1992 wurden Schrift und Opferflamme abmontiert. Im Februar 1997 ging auch die Heimatausstellung im Turm zu Ende.

Bildtext:
Eine Abordnung der Deutschen Jugend des Ostens begleitete die feierliche Enthüllung des Schriftzugs Ewig Deutscher Osten″ an der Nordseite des Bürgergehorsams am Tag der Heimat″ 1954.

Mörtelplomben, die 1992 nach der Abnahme der Schrift eingesetzt wurden, verraten heute die frühere Position des Mahnmals.

Foto:
NOZ-Archiv , Joachim Dierks

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Autor:
Joachim Dierks


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