User Online: 1 | Timeout: 24:04Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gasumstellung erzwingt Schlussstrich
Zwischenüberschrift:
Nach 70 Jahren schließt die Schinkeler Traditionskonditorei Fähmel
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
1948 eröffnete Heinz Fähmel in einer kleinen Seitenstraße im Schinkel die nach ihm benannte Konditorei. Sein Sohn Karl-Heinz Fähmel wird sie nun im kommenden Jahr schließen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die geplante Umstellung von L- auf H-Gas.

Osnabrück. Das Café in der Jägerstraße 21 sieht nach dem aus, was man heute die gute alte Zeit″ nennen würde. Während sich heutzutage viele Geschäfte bemühen, Nostalgie und Retro-Schick zu verbreiten, ist hier alles noch original und von Hand gemacht. Die Pralinen und Torten in der Auslage, das Honigkuchenkonfekt und der Christstollen. 220 Stollen muss ich noch machen″, sagt Karl-Heinz Fähmel, selbst ein Original, der in seiner weißen Jacke mit den runden Knöpfen noch so aussieht, wie man sich einen Bäcker eben vorstellt. Würde man ein Kind bitten, einen Bäcker zu zeichnen es würde Karl-Heinz Fähmel malen.

Hinter Verkaufsraum und Café liegt ein kleiner Garten, und hinter diesem Garten die Backstube, und in dieser Backstube steht das Schätzchen″, wie Karl-Heinz Fähmel sagt: ein Backofen aus dem Jahr 1962. Tatsächlich sieht der Ofen ein wenig nach dem Museum Industriekultur am Osnabrücker Piesberg aus, und dort sollen, wenn es nach Karl-Heinz Fähmel geht, nach dem Räumungsverkauf im kommenden Jahr tatsächlich auch ein paar Geräte landen, echte Raritäten″, die es so gar nicht mehr gebe. Einen so alten Ofen wie er habe in Osnabrück vermutlich kaum noch jemand, aber Karl-Heinz Fähmel schwört auf ihn, weil er die Hitze halte und sich die Restwärme noch nutzen lasse, zum Beispiel, um Schokolade schmelzen zu lassen. Nur die Erdgas-Umstellung auf das effizientere H-Gas, die wohl im kommenden Jahr anstehe die werde das Schätzchen wohl nicht mehr mitmachen. Ein neuer Backofen kostet 25 000 Euro, diese Investition lohnt sich nicht″, sagt Fähmel. Nächstes Jahr wird er 64 Jahre alt. Dann habe ich 48 Berufsjahre voll″, sagt er. Die Gasumstellung wolle er nun nicht mehr abwarten. Dann lieber in aller Ruhe seine Kunden informieren und mit dem Geschäft abschließen.

1948 hatte sein Vater die Konditorei in der Jägerstraße 21 eröffnet, Karl-Heinz Fähmel führt sie in zweiter Generation. Er steht in der Backstube, seine Frau Erika im Verkaufsraum. Eine Weiterführung in der dritten Generation wird es nicht geben. Zwar habe auch seine Tochter das Handwerk gelernt, doch sei sie mit ihrer Familie weggezogen und arbeite derzeit wegen der beiden kleinen Kinder nicht. Ein Kaufinteressent sei schon gefunden, eine Familie mit zwei Kindern. Das Ehepaar Fähmel, das derzeit noch im zweiten Stock des Hauses wohnt, wird Osnabrück verlassen und nach Westerkappeln in die Nähe der ältesten Tochter ziehen.

Traurig über das Ende seiner Konditorei ist er nicht. Man muss positiv zurückblicken″, sagt der 63-Jährige. Die ganzen Jahre über sei er gesund geblieben, habe jahrelang in seinem Betrieb ausgebildet und 30 Jahre lang ehrenamtlich als Lehrlingswart für die Auszubildenden aus dem Raum Osnabrück und dem Emsland fungiert. Jetzt freue er sich auf Zeit mit seinen Enkeln und etwas Ruhe. Man merkt, dass sich die Batterien nicht mehr so schnell aufladen″, sagt er. Morgens um vier aufstehen, um fünf in die Backstube gehen und abends nach Ladenschluss noch ins Büro, das gehe langsam an die Gesundheit. Gerade die Bürokratie habe durch die vielen Verordnungen aus Brüssel in den vergangenen Jahren sehr zugenommen, sodass das Ehepaar die Öffnungszeiten in den vergangenen Jahren schon anpasste und abends den Laden schon eine Stunde eher schloss.

An der Wand des Cafés hängen gerahmte Fotos. Boris Pistorius, Hans-Jürgen Fip, auf der anderen Seite ein Bilderrahmen mit dem Titel Besuch im Kanzleramt″ und Fotos von Hannelore Kohl.

Seinen Kunden falle der Abschied schwer. Wir haben zu 95 Prozent Stammkunden″, sagt Fähmel. Und denen habe er oft einen besonderen Service geboten. Drei Kirchen beliefere er mit Kuchen, richte sich mit der Lieferzeit ganz nach den Wünschen der Kunden. Großbäckereien liefern morgens, da hat man dann als Kunde einfach da zu sein″, sagt er. Besonders gerne habe er ja immer kreative Torten gebacken für Hochzeiten oder Taufen. Seit ein paar Jahren habe er aber auch das Brotbacken für sich entdeckt. Und tatsächlich essen er und seine Frau noch immer jeden Nachmittag ein Stück Kuchen.

Das Ostergeschäft wolle er noch mitnehmen und dann die Produktion bis zum Sommer hin auslaufen lassen. Mensch, Ihr fallt doch in ein tiefes Loch″, hätten Bekannte ihn und seine Frau gewarnt. Aber Karl-Heinz Fähmel sagt: Auch die Zukunft hält noch Überraschungen parat.″ Und natürlich werde er auch weiterhin backen, dann eben in seiner neuen Wohnung in Westerkappeln. Da werde ich mir einen schönen Backofen reinbauen lassen″, sagt Karl-Heinz Fähmel und lacht.

Nachrichten aus der Osnabrücker Geschäftswelt lesen Sie auf noz.de/ dastutsich

Bildtext:
Karl-Heinz und Erika Fähmel werden im kommenden Jahr ihre Konditorei im Stadtteil Schinkel schließen.
Aufwendige Torten hat Karl-Heinz Fähmel besonders gerne kreiert.
Ein Blick ins Café.
Die meisten Kunden sind Stammkunden.
Fotos:
Egmont Seiler
Autor:
Cornelia Achenbach


Anfang der Liste Ende der Liste