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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Privilegierung von Religionen″
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Kein Anspruch auf eigenen Unterricht″ und dem Kommentar Weiterentwicklung nötig″ von Stefanie Witte (Ausgabe vom 10. November).

Es ist eine Legende, dass wir in einem säkularen Staat leben. Im kirchen- und staatsrechtlichen Sinne gibt es in Deutschland zwar eine Trennung von Staat und Kirche im Sinne einer Abgrenzung zu Staaten mit einer Staatskirche oder Staatsreligion. In Wirklichkeit aber sind die rechtlichen Verbindungen zwischen Staat und Kirche mächtiger als die trennenden Elemente und zwar im besonderen Maße im Schulwesen.

Im § 7 des Grundgesetzes ist der Religionsunterricht , in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften′ festgelegt. Tatsächlich sitzen die Autoren der Richtlinien für den Religionsunterricht im wesentlichen in kirchlichen Instituten. In NRW ist die Durchdringung von Kirche und Schule noch stärker ausgeprägt als in den meisten anderen Bundesländern, vielleicht mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg.

Im NRW-Schulgesetz wird , Ehrfurcht vor Gott′ als oberstes Erziehungsziel noch vor , Achtung vor den Menschen′ formuliert, und die (christliche) Bekenntnisschule hat Verfassungsrang. Diese rechtlichen Grundlagen führen zu einer Privilegierung (christlicher) Religion. Es geht immer um die Frage, was eigentlich eine , Religionsgemeinschaft′ ausmacht der Glaube alleine ist es offenbar nicht. Dass mit einer solchen Privilegierung erhebliche Probleme verbunden sein können, wurde zum Beispiel 2015 deutlich in einem Urteil des Berliner Arbeitsgerichtes zur Kopftuchfrage, das tatsächlich direkt auf Unterschiede zur Rechtslage in NRW verwiesen hat.

Die Quintessenz aus diesem Urteil lautet: Da, wo es keine Privilegierung einer Religion gibt, kann es auch keine Diskriminierung einer anderen geben. Der von vielen gesellschaftlichen Kräften geforderte und bei seiner Einführung begrüßte islamische Religionsunterricht stellt hier keinen Beitrag zur Lösung dar und schafft letztlich wie jetzt wieder deutlich wird neue Probleme. Es ist übrigens mitnichten so, dass eine solche , Verbandelung′ von Staat und Kirchen zu einem Konzept von demokratischer Gesellschaft gehört. Viele europäische Staaten sind weitaus säkularer als Deutschland konstituiert. Nicht außer Acht lassen darf man auch den gesellschaftlichen Wandel.

Inzwischen bilden die Menschen ohne eine religiöse Zugehörigkeit mit circa 35 Prozent die größte Gruppe in Deutschland, katholische und protestantische Christen folgen mit 29 beziehungsweise 27 Prozent, Muslime (undifferenziert) sind gut vier Prozent. Auflösen lässt sich die Problematik nur mit einem für alle Schüler verbindlichen, nicht an religiöse Bekenntnisse gebundenen Unterricht, der sich mit fundamentalen Fragen menschlichen Lebens beschäftigt und dabei die Religionen ebenso mit einbezieht wie philosophische, ethische und psychologische Ansätze.″

Joachim Glüder

Osnabrück

Bildtext:
Viele europäische Staaten sind weitaus säkularer als Deutschland, meint unser Leser.

Foto:
dpa
Autor:
Joachim Glüder


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