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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Lösen „City Trees″ das Luftproblem?
Zwischenüberschrift:
Experten zweifeln an Wirksamkeit – FDP-Ratsantrag in den Ausschuss verwiesen
Artikel:
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Originaltext:
Was taugen die City Trees″, diese eckigen Luftreiniger aus Moos und Metall? Die FDP will sie für Osnabrück, die Grünen halten sie für eine großartige Geldverschwendung″.

Osnabrück. FDP-Ratmitglied Oliver Hasskamp machte sich in der jüngsten Ratssitzung zum Fürsprecher der City Trees″. Osnabrück solle prüfen, ob mit dieser Technologie die Stadtluft sauberer werden kann. Hasskamp jedenfalls zeigte sich überzeugt, dass es einen Versuch wert wäre, die moosbewachsenen Geräte etwa an der Martinistraße oder am Wall aufzustellen, um Schadstoffe aus der Luft zu filtern.

Der Hersteller, das Start-up-Unternehmen Green City Solutions in Berlin, verspricht eine Reinigungsleistung, die der von 275 Bäumen entspricht. Ein City-Tree besteht nach Angaben der Erfinder aus 1682 Töpfchen mit Moos und Deckpflanzen und ist angeblich in der Lage, den Feinstaub von etwa 400 Autos pro Tag aufzunehmen.

Stadtbaurat Frank Otte (Grüne) äußerte sich in der Ratssitzung skeptisch. Die Verwaltung habe sich die Technologie in ausführlichen Gesprächen″ erklären lassen und Rücksprache mit Experten der Umweltstiftung gehalten. Das Problem ist, dass die Wirkungsweise bisher nicht exakt nachgewiesen ist″, sagte Otte. Es sei nicht nachprüfbar, in welchem Umkreis und Umfang die City Trees Schadstoffe aufnähmen. Außerdem sei der Feinstaub gar nicht die schlimmste Sorge in Osnabrück. Otte: Wir haben es vor allem mit Stickoxiden zu tun.″

Volker Bajus von den Grünen hält gar nichts von den City Trees. Schon vor Verabschiedung des Luftreinhalte- und Aktionsplans 2008 habe der Rat intensiv über den Einsatz von Mossmatten beraten. Damals war der Rat der Einschätzung des Bundesumweltamtes gefolgt, das die Wirkung der Mooswände für überschaubar und den Aufwand für zu groß hielt. Außerdem werde das grundsätzliche Problem, nämlich das Entstehen des Feinstaubs, damit nicht angepackt. Bajus′ vernichtendes Urteil: Das ist eine Luftnummer und großartige Geldverschwendung.″ Den Antrag der FDP nannte Bajus peinlich″.

Studie in Auftrag gegeben

Die Erfinder sehen das natürlich ganz anders. Ein Sprecher von Green City Solutions sagte unserer Redaktion, zurzeit arbeiteten neutrale Experten″ an einer Studie, um die Wirkung der bemoosten Luftreiniger im Detail nachzuweisen. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, konnte der Sprecher nicht sagen. Untersucht würden dabei auch die Leistungswerte bei Stickoxiden.

Die Bio-Filter gibt es in unterschiedlicher Ausstattung. Die Edelvariante zum Preis von bis zu 35 000 Euro ist komplett autark mit eigenem, 10 000 Liter fassenden Wasserspeicher, Solaranlage und einer digitalen Fernüberwachung in Echtzeit. Die einfache Variante kostet ab 22 000 Euro und muss an das örtliche Strom- und Wassernetz angedockt werden. Für Wartung und Service müssten jährlich 1500 bis 2500 Euro veranschlagt werden, sagte der Sprecher.

Die Geräte können auch gemietet werden. Die Lebensdauer soll bei 10 bis 15 Jahren liegen. Die zweite Generation der City Trees wird nach Unternehmensangaben eine Ventilation haben, um den Luftdurchzug zu steuern und zu verstärken. Anders gesagt: ein stationärer Staubsauger mit Biofilter.

35 City Trees hat das junge Unternehmen seit 2015 in der Welt aufgestellt, darunter in London, Paris, Hongkong, Oslo, Kopenhagen, Berlin, Dresden. In Essen sind zwei Mooswände vergangene Woche wieder abgebaut worden. Dort hatte die Bahn im April dieses Jahres eine vor und eine im Hauptbahnhof errichten lassen. Sie funktionierten nicht wirklich. Wie der WDR berichtet, vertrocknete das Moos immer wieder, weil Licht und Bewässerung nicht passten. Außerdem habe sich ein Schädling eingenistet. Die Wände kosteten nach WDR-Angaben 40 000 Euro. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung″ berichtete unter Berufung auf einen Bahnsprecher, dass die Luft im direkten Umfeld der Mooswand zwar besser geworden sei, aber um einen spürbaren Effekt zu erzielen, wäre eine viel größere Fläche nötig gewesen. Die Stadt Oberhausen hat gerade von einer Anschaffung Abstand genommen.

In Ausschuss verwiesen

Anette Meyer zu Strohen (CDU) reagierte im Rat ernüchtert, als sie die Skepsis des Stadtbaurates und der Grünen vernahm. Ich habe zuerst gedacht, das ist ja eine gute Idee.″ Sie warb dafür, sich die City Trees trotz aller Kritik genauer anzusehen. Das werden demnächst die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses tun. Der Rat folgte dem Vorschlag der Grünen, das Thema in den Ausschuss zu verweisen, wo es in Zusammenhang mit dem neuen Luftreinhalteplan beraten werden soll.

Bildtext:
Ein City Tree. Dieses Exemplar, das zuletzt vor dem Essener Hauptbahnhof stand, wurde in der vergangenen Woche abgebaut.

Foto:
imago/ Ralph Lueger
Autor:
Wilfried Hinrichs


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