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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Thema für die Uni Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Kein Recht auf Leben für die Kinder Erinnerungsort für Zwangsarbeiterinnen-Kinder in Osnabrück″ (Ausgabe vom 23. Oktober).

Nach der Lektüre des Berichts wird sich vielleicht der eine oder andere Leser fragen: Noch eine Gedenkstätte für Opfer des NS-Regimes ist das denn nötig? Ich meine, die Frage ist uneingeschränkt zu bejahen. Im Gegenteil, ein solches Gedenken war in unserer Stadt längst überfällig.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an das , Entbindungsheim für schwanger gewordene Ausländerinnen im Lager , Fernblick′, in dem zwischen 1943 und Kriegsende insgesamt 312 Geburten stattgefunden haben und nachweislich 42 dieser Kinder verstorben sind.

Weitere Todesfälle lassen sich für Lager in der Stadt und ihrer Umgebung nachweisen, in die die Mütter nach der Entbindung mit den Neugeborenen zurückkehrten. Wie viele der zunächst am Leben gebliebenen Kinder später in diesen Lagereinrichtungen verstorben sind, ist immer noch unbekannt.

Es hat in den vergangenen Jahren vor Ort durchaus lokale und regionale Forschungen zu dem Thema gegeben. Aber eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Gesamtkomplexes hat nie stattgefunden.

Welche Fragen noch immer offen sind, mag das folgende Zitat aus einem Beitrag des Verfassers in , Topografie des Terrors. Nationalsozialismus in Osnabrück′ (Osnabrück, 2015) verdeutlichen. Dort heißt es unter anderem: , Über die Umstände der Einlieferung der Frauen ins Lager > Fernblick< und der Geburt ist bisher […] nur bekannt, dass es eine Sonderbaracke für die schwangeren Frauen gab und dass dort eine deutsche Hebamme Dienst tat. Über die Art der Unterbringung, die Verpflegung, die Versorgung mit Medikamenten, die hygienischen Verhältnisse und die Umstände der Entlassung ist bisher nichts bekannt, auch nicht, ob es im Lager > Fernblick< oder andernorts in Osnabrück und/ oder Umgebung auch zu (Zwangs-) Abtreibungen oder Sterilisationen gekommen ist.′ (S. 354)

Wer waren die Väter dieser Kinder? Und gab es im früheren Regierungsbezirk Osnabrück weitere Entbindungseinrichtungen wie im Lager , Fernblick′, worauf die Tatsache schließen lässt, dass in dieses Lager nur aus einigen der früheren Landkreise eingewiesen wurde und andere in den Unterlagen gänzlich fehlen? Viele offene Fragen, die mich zu dem Vorschlag veranlassen, die Lehrenden und Lernenden des Fachbereichs Neuere Geschichte an der hiesigen Universität mögen sich des Themas annehmen, und zwar möglichst bald, bevor die letzten Spuren verwischt sind.″

Dr. Volker Issmer

Osnabrück

Bildtext:
79 Steine sind als Erinnerung an verstorbene Zwangsarbeiterinnen-Kinder auf dem Heger Friedhof ausgelegt worden.

Foto:
David Ebener


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