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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Jugendsozialarbeit steht auf der Kippe
Zwischenüberschrift:
Rat entscheidet über Anschlussfinanzierung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vielen Jugendliche, die weder einen Schulabschluss noch den Sprung ins Berufsleben schaffen, droht ein Leben mit Hartz IV. Das Team der Osnabrücker Jugendsozialarbeit versucht, es nicht so weit kommen zu lassen, kämpft aber seit Jahren mit der Befristung von Stellen.

Osnabrück. Mira ist 15 Jahre alt, geht kaum noch zur Schule und wird immer stiller. Ihre Sozialarbeiterin begleitet sie seit Februar. Sie hat schon alles Mögliche versucht, um dem Mädchen zu helfen, und weiß nicht mehr weiter. Deshalb erzählt sie Miras Geschichte ihrem Team. Kollegiale Fallberatung nennen sie das bei der städtischen Jugendsozialarbeit. Vor etwa zwei Jahren ist Mira aus Osteuropa zu ihrer Tante nach Osnabrück gezogen, hat hier ein Jahr lang eine Sprachlernklasse besucht und in der siebten Klasse an einer Osnabrücker Schule Anschluss gefunden. Doch dann schaffte sie wegen ihrer schwachen Deutschkenntnisse die Versetzung nicht und kam mit ihrer neuen Klasse nicht klar. Sie begann sich zurückzuziehen und wurde immer trauriger, schildert die Sozialarbeiterin. Miras Mutter lebt weiter in der osteuropäischen Heimat und hat dort drei Kinder von einem anderen Mann, Miras Vater lebt zwar in der Nähe von Osnabrück, erkennt die Vaterschaft jedoch nicht an. Und die Tante, bei der Mira lebt, ist überfordert.

Mira heißt in Wahrheit gar nicht Mira: Die Fälle, die die städtischen Sozialarbeiter einmal im Monat im Zentrum für Jugendberufshilfe an der Dammstraße systematisch analysieren, werden immer anonymisiert und kommen nur an den Tisch, wenn die Jugendlichen zustimmen. Nur so nimmt man den Jugendlichen wirklich ernst″, sagt Teamleiterin Elisabeth Jostes. Um sicherzugehen, dass niemand Miras Fall wiedererkennt, möchte ihre Sozialarbeiterin weder ihren eigenen Namen noch den der Schule in der Zeitung lesen. Die anderen Sozialarbeiter empfehlen eine psychologische Beratung für Mira, verbunden mit dem Versuch, die familiäre Situation des Mädchens noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Miras Fall zeigt: Es geht nicht primär darum, dass das Mädchen mehr Erfolg in der Schule hat. Es geht darum, sie aufzufangen.

An sechs Schulen

Die Sozialarbeiter sind an den Schulen beschäftigt, in denen der Bedarf an Unterstützung besonders hoch ist: Herman-Nohl-Schule, Hauptschule Innenstadt, Felix-Nussbaum-Schule, Gesamtschule Schinkel, IGS Eversburg, Schule an der Rolandsmauer. Weil sie von der Stadt finanziert werden, behalten sie eine gewisse Autonomie im Schulbetrieb. Einige von ihnen kümmern sich um das sogenannte Übergangsmanagement Schule/ Beruf und damit vor allem um die Schüler ab dem achten Schulbesuchsjahr. Die anderen sind als Schulsozialarbeiter Ansprechpartner für Schüler aller Jahrgänge. Die dritte Säule der städtischen Jugendsozialarbeit bildet die Koordinierungsstelle Schulverweigerung, die sich der Schulschwänzer annimmt. Für alle gilt: Sie sind nicht nur in der Schule tätig, sondern zum Teil auch an der Dammstraße. Sie besuchen die Jugendlichen auch mal zu Hause, begleiten sie zu Therapien oder helfen bei Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz.

In dieser Intensität arbeitet die Osnabrücker Jugendsozialarbeit dank mehr Personal erst seit einigen Jahren. Das Problem: Viele Stellen sind befristet und laufen Ende 2017 aus. Deshalb schlägt die Verwaltung vor, acht Stellen zu entfristen nicht zuletzt, um die Kontinuität bei den Ansprechpartnern zu gewährleisten, die für die Jugendlichen besonders wichtig ist, wie alle Sozialarbeiter betonen. Konkret geht es um 471 000 Euro pro Jahr, über die der Rat im Dezember zu entscheiden hat. Für Stadtjugendpfleger Hans-Georg Weisleder ist die Sache klar: Da darf man nicht sparen.″ Die Jugendsozialarbeit sei gut aufgestellt. Jetzt geht es darum, das abzusichern.″

Die Probleme der Jugendlichen sind vielfältig: familiäre Probleme bis hin zu Gewalt, Angst vor Schulfächern, Mobbing, körperliche Auseinandersetzungen mit Mitschülern und so weiter. Es mache einen Unterschied, ob die Sozialarbeiter die Schüler zweimal im Jahr besuchen oder alle drei Wochen, so wie es derzeit möglich ist. Gerade erst hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ermittelt, dass jedes fünfte Kind in Deutschland dauerhaft von Armut betroffen ist. Da kommt man nur raus, wenn man einen Schulabschluss hat″, so Weisleder.

Bildtext:
Das Team der Osnabrücker Jugendsozialarbeit bespricht einmal im Monat die Fälle, bei denen die einzelnen Mitarbeiter nicht weiterkommen.

Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Sandra Dorn


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