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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Plötzlich steht der Fahrstuhl still
 
Fahrstuhl in Hochhaus steht lange still
Zwischenüberschrift:
Reparatur ohne Ankündigung in Hochhäusern an der Buerschen Straße in Osnabrück – Mieter stinksauer
Artikel:
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Originaltext:
Ausgebremst: Edith Lanäus (94) kann mit ihrem Rollator das Treppenhaus nicht bewältigen. Sie sitzt im sechsten Stock fest.

In zwei Hochhäusern an der Buerschen Straße steht der Fahrstuhl still, weil er komplett saniert wird. Vier Wochen wird das dauern. Die Mieter wurden im Vorfeld nicht von dem Wohnungsunternehmen LEG informiert und sind stinksauer. Ein Marsch durchs Treppenhaus mit Frust auf sieben Etagen.

Osnabrück. Die Mitarbeiter des Pflegedienstes müssen erst mal verschnaufen, wenn sie bei Edith Lanäus ankommen. Sechster Stock, 104 Stufen. Die 94-Jährige selbst benutzt zum Gehen einen Rollator und kann das Haus ohne Fahrstuhl derzeit nicht verlassen. Vier Wochen in den eigenen vier Wänden? Ich kann nicht zum Arzt, nicht zum Friseur, an Einkäufe ist nicht zu denken″, sagt die älteste Mieterin des Hauses, die von Beginn an, seit 1967, hier wohnt. 50 Jahre Buersche Straße, noch nie so ein Ärger. Es ist verständlich, dass der Aufzug repariert werden muss″, räumt sie ein. Unverständlich aber bleibt, dass die LEG AG mit Sitz in Düsseldorf ihre Mieter nicht darüber in Kenntnis gesetzt hat. Das ist eine Zumutung, eine kleine Entmündigung″, findet die 94-jährige Osnabrückerin, deren Tochter nun Einkäufe bis in den sechsten Stock tragen muss. Es geht″, sagt Edith Lanäus. Aber es hätte einfacher gehen können.″

Die LEG AG hat die Mieter der Häuser 28 und 30 erst am Donnerstag per Aushang im Treppenhaus über die Sanierung der Aufzugsanlage informiert. Seit vier Tagen standen die Fahrstühle da bereits still. Wir haben vorher kein persönliches Schreiben bekommen. Wir wurden nicht vorgewarnt″, beschweren sich Mieter. Familien mit vier Kindern müssen nun genauso wie Senioren zu Fuß bis in die oberen Etagen laufen.

Normalerweise informieren wir unsere Mieter zwei Wochen vor Beginn solcher Arbeiten in einem Anschreiben″, sagt Judith-Maria Gillies, Sprecherin der LEG AG. Bei der internen Übergabe ist etwas schiefgelaufen, sodass die Briefe leider erst jetzt rausgegangen sind.″ Für diesen Fehler entschuldige sich das Unternehmen. Ebenfalls für die Tatsache, dass falsche Arbeitszeiträume ausgehängt wurden. Die Arbeiten sollen laut Plan in den Hochhäusern 28 und 30 am 20. November abgeschlossen sein. In einem dritten Haus, Nummer 32, beginnen sie am 20. November und sollen voraussichtlich am 11. Dezember enden.

Auf einem Aushang hat ein Mieter handschriftlich mit den Worten Das ist eine bodenlose Frechheit″ seinem Frust Luft gemacht. Wir wurden einfach überrumpelt″, nennt Hildegard Mattner es, fünfte Etage, 88 Stufen. Die 81-Jährige macht eine Pause bei Stufe 64, atmet tief durch und lächelt zwei kleinen Gartenzwergen aus Porzellan auf der Fensterbank zu: Wenn ich die sehe, dann weiß ich immer, gleich habe ich es geschafft″, nennt sie einen Erfahrungswert der vergangenen Tage im Treppenhaus. Ihre Zeitung kann sie erst nach dem Frühstück holen, nüchtern nimmt sie die Treppe nicht. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich Vorräte mit dem Aufzug transportiert″, sagt sie. Ihre Getränke lagert sie nun im Keller und nimmt höchstens eine Flasche Wasser mit nach oben.

So muss es in den nächsten Wochen nicht weitergehen. Die LEG AG will ab diesem Montag (30. Oktober) für diejenigen Mieter, die alters- oder krankheitsbedingt auf den Aufzug angewiesen sind, Transportdienste anbieten. Außerdem soll ein Trageservice zum Einsatz kommen, der schwere Einkäufe für diejenigen nach oben bringt, die Hilfe brauchen. Für drei Mieter seien bereits konkrete Lösungen gefunden worden. Eine Mietminderung bei solch einer Maßnahme ist möglich″, bietet LEG-Sprecherin Gillies an. Nach Abschluss der Arbeiten werden wir die Ansprüche unserer Mieter auf Basis der ausgefallenen Zeit berechnen.″

Karin Kopatz, dritter Stock, 56 Stufen, ist nicht auf Hilfe angewiesen und hat bereits einen kleinen Hamstervorrat auf dem Balkon angelegt. Es ärgert mich, wie die LEG mit den Mietern umgeht″, sagt sie. In ihrer Aussage steckt mehr als der Ärger über den unangekündigten Ausfall des Aufzugs. In ihr steckt auch der Frust über eine Hausverwaltung, die für die Mieter nicht präsent zu sein scheint. Was die Leute hier brauchen, ist ein Ansprechpartner. Sie fühlen sich alleingelassen″, sagt sie. Zwar lächelt in jedem Hausflur ein Mitarbeiter der LEG von einem Plakat mit dem Hinweis auf eine Reparatur-Hotline und die Nummer eines sogenannten Hauswarts, aber der ist nicht mehr für uns zuständig″, sagen die Mieter.

Das Wohnungsunternehmen erklärt das mit internen Umstrukturierungen. Es gebe noch eine Hauswartin an der Buerschen Straße, aber die Beschwerden würden zunächst über die Hotline des Zentralen Kundenservice abgewickelt. Den Stammmietern an der Buerschen Straße ist keine Hauswartin bekannt. Den Mietern kommt es häufig so vor, als kümmere sich niemand mehr″, bestätigt die LEG-Sprecherin und betont: Das ist aber nicht so.″

Draußen im Hof liegt der Müll nicht im gelben Sack, sondern auf dem Boden des Sammelplatzes von Haus 28. Der zieht hier unglaublich viele Ratten an″, erzählt Bewohnerin Hildegard Mattner. Andere Mieter nennen die defekte Außenbeleuchtung, die Außenreinigung oder lärmende Jugendliche auf dem privaten Spielplatz der Mietshäuser als Knackpunkte, die das Wohnungsunternehmen gar nicht oder erst spät anpacke.

Die durchschnittliche Erreichbarkeit der Reparatur-Hotline liegt bei über 96 Prozent″, nennt Gillies eine Zahl. Knapp 70 Prozent aller Kleinreparaturen würden innerhalb von fünf Arbeitstagen behoben, innerhalb von zehn Arbeitstagen sind es bereits rund 85 Prozent.

Mir kommt es so vor, als müsste die LEG extra aus Düsseldorf anreisen, um hier mal eine Glühbirne auszuwechseln″, kritisiert ein Mieter. Monatelang hätten sie auf Licht warten müssen. Bleibt die Hoffnung, dass wenn schon nicht der Aufzug so zumindest die angekündigte Hilfe ab diesem Montag in Fahrt kommt.

Bildtexte:
Treppen steigen, bis der Arzt kommt? Hochparterre plus sieben Etagen zählen die drei Hochhäuser an der Buerschen Straße 28, 30 und 32.

Eine gute Kondition brauchen die Bewohner der Hochhäuser in den kommenden Wochen.

Ausgebremst:</ em> Edith Lanäus (94) kann mit ihrem Rollator das Treppenhaus nicht bewältigen. Sie sitzt im sechsten Stock fest.

Fotos:
Michael Gründel

Kommentar:

Mehrfach ausgebremst

Wir wollen, dass Sie sich in unseren Wohnungen zu Hause fühlen, wirbt die LEG. Ein nachvollziehbarer Wunsch vor allem vor dem Hintergrund, dass Mieter unangekündigt in ihren vier Wänden fest-stecken. Dass der Aufzug in den Häusern an der Buerschen Straße erneuert wird, mag nach 50 Jahren ein notwendiger Schritt sein. Dass die Mieter darüber nicht frühzeitig informiert werden, ist nicht weniger als ein verzichtbarer Totalausfall. Schließlich funktioniert die Kommunikation des drittgrößten Vermietungskonzerns in Deutschland bei Mieterhöhungen reibungslos.

Das Problem scheint über die Stahlseile des Aufzugs hinauszureichen: Die LEG AG samt ihren Tochterunternehmen, die mit 130 000 Wohnungen auf dem nordrhein-westfälischen Mietmarkt vertreten ist, ist dort bereits durch umstrittene Mieterhöhungen und Einsparungen, die zulasten der Instandhaltung der Häuser gehen, aufgefallen.

Ihre Entschuldigung bei den Mietern in Osnabrück könnte sie ernst meinen, legen Mietminderung sowie ein versprochener Trage- und Transportdienst nahe. Wenn die Mieter aber nicht nur bei Totalausfällen, sondern auch im Alltag das Gefühl haben, dass es ohne Fahrstuhl zügig bergab geht mit dem Mieterservice, dann verkommt der eigene Anspruch des Unternehmens – „ verlässlich und regional präsent″ zu sein zumindest an der Buerschen Straße zum Treppenwitz.

Osnabrück. Die Mieter zweier Hochhäuser an der Buerschen Straße sind sauer: Vier Wochen lang wird bei ihnen der Fahrstuhl still stehen. Die Anlagen in beiden Häusern werden saniert. Allerdings hat das Wohnungsunternehmen LEG die Mieter im Vorfeld nicht über das Vorhaben informiert. Für Senioren oder Familien mit kleinen Kindern, die in einer der oberen der jeweils sieben Etagen wohnen, ist das ein unzumutbarer Zustand, sagen die Mieter. Sie fühlen sich von der LEG alleingelassen, finden vor Ort keinen Ansprechpartner in Form eines Hauswarts.
Autor:
Anne Spielmeyer


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