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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Brennnesseln als kriegswichtiger Rohstoff
Zwischenüberschrift:
Oktober 1917: Keine Wintermäntel, kein Leder, kein Tee
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor dem drohenden vierten Kriegswinter treibt die Verwaltung des Mangels seltsam anmutende Blüten. Mit Beginn des Oktobers 1917 werden die Brennnesseln der Kriegswirtschaftsverwaltung unterstellt nicht wegen ihrer Verzehrbarkeit, sondern wegen ihrer Eignung als Textilfaser.

Alle abgeernteten Stängel der langstieligen Brennnessel (Urtica dioica), sowohl ungetrocknet wie getrocknet, alle Nesselfasern, auch mit anderen Spinnstoffen gemischt, roh, gefärbt oder gebleicht, alle Gespinste, die Nesselfasern enthalten, alle Abfälle von Vorgenanntem müssen gemeldet werden und gelten als beschlagnahmt. Es dürfen keine Veränderungen an den beschlagnahmten Gegenständen vorgenommen werden, namentlich auch kein Verfüttern und keine Verarbeitung als Gemüse. Der Verkauf ist nur an die Nesselfaser-Verwertungsgesellschaft m.b.H. Berlin zulässig. Meldungen über die Bestände sind monatlich an das Webstoffmeldeamt der Kriegs-Rohstoff-Abteilung des Preußischen Kriegsministeriums zu richten.

Der Kriegsausschuss für Sammel- und Helferdienst macht auf die Bedeutung der Brombeer-, Erdbeer- und Himbeerblätter als Teeersatz aufmerksam. Bei dem wachsenden Mangel an Tee sollte so frühzeitig als möglich mit dem Einsammeln begonnen werden. Überschüsse über den örtlichen Bedarf an solchen Blättern werden zweifellos Absatz finden″, mutmaßt die Osnabrücker Volkszeitung″.

Über Bezugsscheine für Mäntel heißt es: Laut Reichsbekleidungsstelle darf bei Vorhandensein eines Sommermantels irgendwelcher Art ein Bezugsschein auf einen zweiten Mantel, also etwa einen Wintermantel, nicht ausgefertigt werden. Nur wenn durch ein ärztliches Zeugnis nachgewiesen wird, dass die Anschaffung dringend notwendig ist, ist die Bewilligung des zweiten Mantels zulässig. Die Zeitung meint: Es bedeutet zweifellos eine Härte, wenn weiblichen Personen, die nur einen dünnen Sommermantel besitzen, die Anschaffung eines wärmeren Mantels für den Winter versagt wird.″

Aus den Polizeimeldungen: Das 13-jährige Töchterchen des Schmiedemeisters Bruns wurde in Rieste vom Zug überfahren und auf der Stelle getötet. Es wollte mit einer Kuh, die es am Strick führte, den Bahndamm überqueren. Die Kuh scheute anscheinend vor dem nahenden Zug. Das Kind versuchte, sie zu halten, wurde dabei aber vor den Zug geschleudert. Die Kuh kam auch nicht ungeschoren davon. Sie erlitt einen Knochenbruch und musste abgeschlachtet werden. Allgemein nimmt man in der Gemeinde innigen Anteil an dem Schmerze, den die Familie Bruns durch den Verlust ihres braven Töchterleins erleidet″, schreibt die Volkszeitung″.

Leder ist knapp und begehrt. Zur Bekämpfung der Treibriemendiebstähle hat das Stellvertretende Generalkommando bestimmt, dass Schuhmacherleder, welches seiner Beschaffenheit nach von Treibriemen herrühren kann, nur dann angenommen werden darf, wenn der Verkäufer bekannt ist oder sich durch Wohnungsmeldeschein ausweist. Name und Wohnung des Verkäufers ist aufzuschreiben und binnen 24 Stunden bei der Polizeibehörde zu melden.

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg wird 70 Jahre alt. Neben der großen vaterländischen Feier und Kundgebung in den Sälen der Stadthalle feiert man auch in Osnabrücks Reservelazaretten im Marienhospital, im Harmonieklub Hakenstraße, im Hofhaus Bramscher Straße und im designierten, aber noch nicht als solches bezogenen Kaufhaus Leffers in der Johannisstraße. Das Lazarett des Vaterländischen Frauenvereins, das seit Kriegsausbruch in der Kromschröder′schen Gasuhrenfabrik untergebracht war, musste im März verlegt werden, da die Fabrik die betreffenden Räume selber brauchte. Es bot sich eine Verlegung in das zweite Stockwerk des Leffers′schen Warenhaus-Neubaus an, da das Kaufhaus kriegsbedingt noch nicht eröffnen konnte.

Mittelschullehrer Nielsen, zurzeit Landsturmmann, leitet die Feier. Nach dem gemeinsamen Gesang Nun danket alle Gott″ wechseln Lieder, die von einem Schülerchor vorgetragen werden, und deklamatorische Vorträge seitens einiger Knaben einander ab.

Trotz aller Kriegsnöte ist dennoch Platz für Tischkultur. Ein Inserat wendet sich an junge und ältere Damen, Frauen und Mädchen, die entweder für die eigene Familie oder für leitende oder dienende Stellung im Herrschaftshause (Hausdame, Stütze usw.) sich aus- bzw. weiterbilden wollen″. Für sie beginnt im Hotel Germania ein 16-stündiger Kursus in feinem Tafeldecken, Servieren, Serviettenbrechen, geeigneter Speisenfolge, Durchführen gesellschaftlicher Veranstaltungen, richtigem Benehmen bei Tisch und sonstigen Anstandsregeln.

Vor 100 Jahren

Serie

Bildtext:
Mehr Gemüse aus dem eigenen Garten herausholen so lautete ein stets wiederholtes Rezept gegen die Versuche der Entente-Mächte, das Deutsche Reich auszuhungern. Diese Werbepostkarte entstammt der Sammlung historischer Bildpostkarten von Prof. Dr. Sabine Giesbrecht, Uni Osnabrück.
Autor:
Joachim Dierks


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