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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Unkaputtbaren aus Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Bis 1978 fertigte und verkaufte die Firma Hillebrand an der Bruchstraße Waschmaschinen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Was Miele für Gütersloh ist, das war Hillebrand für Osnabrück. Wenn die Größenverhältnisse auch nicht ganz vergleichbar sind, so genoss die Firma Walter Hillebrand doch den weit über die Stadt hinausreichenden Ruf, praktisch unkaputtbare″ Waschmaschinen zu produzieren.

Osnabrück. Ein bekannter Werbeslogan der 1920er-Jahre lautete: Nur Miele, Miele, sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte.″ Firmengründer Walter Hillebrand setzte gerne noch einen drauf: Nur eine hat sie nicht gekannt, das war die von Hillebrand.″

So erzählt es Enkel Hans-Ulrich Hillebrand, der heute als Psychotherapeut in Oldenburg ansässig ist. Als Kind hat er das Betriebsgeschehen an der Bruchstraße 13 mitbekommen, war aber selbst nicht aktiv in der Firma tätig. Sein Vater Hans Hillebrand beendete den Geschäftsbetrieb planmäßig zum 31. Dezember 1978, nachdem die Post von ihrem Vorkaufsrecht für die Gebäude Gebrauch gemacht hatte. Sie wollte ursprünglich die Gebäudezeile an der Bruchstraße zwischen Hase und Niedersachsenplatz (heute: August-Bebel-Platz) für eine großzügige Erweiterung des Bahnpostamts nutzen, wozu es jedoch nie kam.

Firmengründer Walter Hillebrand (1887–1967) war ein begnadeter Tüftler und ein durchsetzungsstarker Unternehmer. Mit 25 Jahren eröffnet er am 1. Januar 1913 an der Bramscher Straße 24 eine Generalvertretung großer deutscher Maschinenfabriken. Zum Vertriebsprogramm gehören etwa Milchschleudern und Obstpressen, bald auch Waschmaschinen. Aus der Vertretung wird ein Maschinengroßhandel, der auf eigene Rechnung an- und verkauft. Lagerräume werden an verschiedenen Stellen in der Stadt angemietet. Im Ersten Weltkrieg muss Hillebrand zu den Waffen, während seine Schwester Helena den Handel weiterführt.

Nach dem Krieg steigt Walter mit neuem Schwung wieder ein. Kunden in ganz Norddeutschland haben ihm die Treue gehalten. 1922 erwirbt er das Grundstück Bruchstraße 13, um dort zu bauen und Kontor und Läger an einer Stelle zusammenführen zu können. Er durchdringt außerdem die Technik der Waschmaschinen, mit denen er handelt, und erkennt Verbesserungsmöglichkeiten. 1926 beginnt er mit der Fabrikation selbst konstruierter Maschinen. Er entwickelt den patentfähigen Wäschebeweger mit Unterantrieb″, er integriert eine Heizung in die Waschmaschine. Er bringt die erste Waschmaschine zur Marktreife, in der gekocht, gewaschen und gespült werden kann – „ ohne Umfüllen der schweren heißen Ware″, wie es im Werbeprospekt heißt. Landauf, landab beschickt er Messen und Ausstellungen.

1929 horcht die Fachwelt auf, als er auf der Leipziger Messe eine Waschkombination″, eine Waschmaschine mit integrierter Schleudereinrichtung, vorstellt. Und es geht dann noch einen Schritt weiter mit der Haushaltsschleuder″ zu erschwinglichen Preisen. Keiner hätte es zuvor für möglich gehalten, solche Hochtechnologie″ für jeden Haushalt kleinmaßstäblich zur Verfügung stellen zu können.

Im Zweiten Weltkrieg wird der gesamte Gebäudebestand vernichtet. An ausgelagerten Standorten geht der Betrieb irgendwie weiter. Er ist kriegswichtig, weil vornehmlich Lazarette, Heime und Gefangenenlager beliefert werden müssen. Walter und ab 1948 Sohn Hans machen sich an den Wiederaufbau, der 1957 mit dem Aufstocken des Bürogebäudes abgeschlossen ist. 1950 wird die Herstellung von automatischen Wäscheschnelltrocknern″ aufgenommen. Kaum eine andere Maschine biete der Hausfrau mehr Arbeitserleichterung, verspricht die Werbung, weil diese das lästige Aufhängen der nassen Wäsche erübrigt″. Neu ins Programm kommen Bügelmaschinen für den fortschrittlichen Haushalt, für Hotels und Gaststätten usw.″ und Heißmangeln zur Einrichtung von Heißmangelstuben mit Gas-, Dampf- oder Elektroheizung″. In 25 Staaten der Erde wird exportiert, zahlreiche Preise künden von der Innovationskraft der Firma.

Das Massengeschäft mit kleineren Haushaltsgeräten überlässt Hillebrand den großen Konkurrenten wie Miele, Bauknecht und Zanker und konzentriert sich mehr auf Anlagen für Großwäschereien. Als auch dieses Geschäft schwieriger wird und Großinvestitionen erfordert hätte, um mithalten zu können, geht Hans Hillebrand auf den Handel mit Maschinen anderer Hersteller zurück und versucht es schließlich als erstes Osnabrücker Küchenzentrum″ mit Einbauküchen. Die Bundespost unterbreitet ihm Ende der 1970er-Jahre ein günstiges Kaufangebot, sodass sich Hans Hillebrand 1978 zur Betriebsaufgabe entschließt.

Zum großen Erweiterungsbau an der Bruchstraße holt die Bundespost dann allerdings doch nicht aus, weil sich Strukturänderungen mit dem Abschied vom Bahnpostverkehr ankündigen. Die Post belässt die Immobilie so, wie Hillebrand sie verlassen hat, und bringt verschiedene nachrangige Dienststellen und Fremdmieter dort unter. 1998 kauft die Sunburst Merchandising AG die ganze Gebäudezeile und setzt dort ihren spektakulären Um- und Neubau in Szene. Das Glück währt nur kurz, 2001 geht der Vermarktungsrechtehändler pleite, begleitet von Betrugsvorwürfen. Seit 2003 haben der DGB und mehrere Einzelgewerkschaften dort ihren Sitz.

Bildtexte:
Die Wäschereimaschinenfabrik Hillebrand an der Bruchstraße im Dezember 1957. Am linken Bildrand ist das Bahnpostgebäude zu erkennen. Mit dem Opel Kapitän von Walter Hillebrand hat Enkel Hans-Ulrich später seine ersten Fahrversuche unternommen.

Seit 2003 ist der Gewerkschaftsbund im Nachfolgebau ansässig. Links jenseits der Hase liegt, hinter Bäumen halb versteckt, die Bahnhofsgarage.

Firmengründer Walter Hillebrand inmitten seiner Waschgeräte auf einer Messe, vermutlich um 1957.

Fotos:
Archiv Hans-Ulrich Hillebrand, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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