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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Bloß nicht wieder eine politische Person″
Zwischenüberschrift:
Anlieger des Heinrich-Röper-Wegs diskutieren mit der Verwaltung über die geplante Umbenennung
Artikel:
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Originaltext:
Der Heinrich-Röper-Weg im Osnabrücker Stadtteil Schölerberg soll umbenannt werden. Der Grund: Namensgeber Röper habe das NS-Regime in verantwortlicher Position aktiv unterstützt, befand der städtische Arbeitskreis Erinnerungskultur. Die Verwaltung informierte jetzt Anlieger und weitere Interessierte über Gründe und weiteres Verfahren.

Osnabrück. Etwa 35 Bürger hatten sich in der Aula des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums eingefunden. Stadtrat Wolfgang Beckermann räumte zunächst ein, dass Umbenennungen bei Bürgern stets unbeliebt seien, da mit Kosten und Laufereien verbunden. Außerdem würden sich viele Alteingesessene mit dem Namen und der an Röpers Person hängenden Geschichte der Hammersen-Werkssiedlungen identifizieren.

Aber hier gehe es um ein übergeordnetes Interesse der Stadt, die sich als Friedensstadt einer aufgeklärten Erinnerungskultur verschrieben habe. Christine Grewe vom städtischen Büro für Friedenskultur ergänzte, dass es nicht gut zusammengehe, wenn man Stolpersteine für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft verlege, und ein paar Straßen weiter würden Unterstützer dieser Gewaltherrschaft nach wie vor durch einen Straßennamen geadelt.

Wir wollen die Person Röper nicht verunglimpfen und ihre Leistungen auf anderen Gebieten nicht missachten. Wir sehen sehr wohl, dass er als Prokurist der Weberei Hammersen wahrscheinlich viel Gutes für die Belegschaft bewirkt hat″, sagte Grewe. Aber das dürfe nicht mit seiner Rolle im NS-Staat verrechnet werden. Eine Straßennamens-Patronage und eine aktive Rolle im NS-Staat gingen nun einmal nicht zusammen, egal, was der Mann ansonsten geleistet habe.

Der Historiker Sebastian Weitkamp (Gedenkstätte Esterwegen/ Universität Osnabrück) referierte die im Auftrag der Stadt erarbeitete NS-Biografie von Heinrich Röper.

1885 geboren, erhielt er demnach als Kämpfer im Ersten Weltkrieg Tapferkeitsauszeichnungen. 1920 begann er als Prokurist bei Hammersen. Er stand der Buchhaltung und der Personalabteilung vor und blieb der Firma bis zu seinem frühen Tod 1938 treu. In der Freizeit engagierte er sich ab 1921 im Stahlhelm″, einem Bund der Frontsoldaten, der sich zu einem Sammelbecken antidemokratischer Kräfte entwickelte. Röper war Ortsgruppenführer von etwa 400 Osnabrücker Stahlhelm″-Mitgliedern. 1924 überfielen Personen aus diesem Kreis das Osnabrücker Gewerkschaftshaus am Kollegienwall. 1934 wechselte Röper zur Sturmabteilung (SA) und brachte es dort bis zum Obersturmbannführer. 1937 trat er der NSDAP bei.

Nach seinem Tod fasste die Stadt im März 1939 den Beschluss, die Erschließungsstraße für die entstehende Werkssiedlung nach Heinrich Röper zu benennen. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ergab sich 1948 eine Mehrheit im Stadtrat für die Umbenennung in Glie-Esch″. Dieser Name hielt sich bis 1954. Doch auf Betreiben der Hammersen-Siedler kam es aus Hochachtung gegenüber ihrem früheren Chef zu einem Rückbenennungsverfahren. Mit 16 zu 13 Stimmen bei 4 Enthaltungen entschied der Stadtrat für eine Renaissance des Heinrich-Röper-Wegs.

In der allgemeinen Aussprache warf ein Vertreter einer Anwohner-Initiative, die sich gegen die Umbenennung ausgesprochen hatte, der Stadt Einäugigkeit″ vor. Die militaristischen Namen am Westerberg (Barbara, Artillerie, Roon, Moltke, Goeben, Bismarck etc.) lasse man ungeschoren, aber auf Röper, der keinem Mitbürger ein Leid zugefügt habe, werde sich eingeschossen. Röper sei quasi automatisch in der SA-Reserve gelandet, nachdem Hitler den Stahlhelm″ aufgelöst habe. Dem widersprach Weitkamp. Röper habe sich im Jahr vor der Gleichschaltung″ des Stahlhelms″ aktiv um die Aufnahme in die SA beworben. Stets sei Röper freiwillig in die NS-Organisationen eingetreten und habe dort Führungspositionen angestrebt, niemand habe ihn dazu gezwungen. Röper war keine Karteileiche″, unterstrich er.

Neben Umbenennungskritikern meldeten sich auch zumeist später zugezogene Anwohnerinnen mit der klaren Ansage zu Wort: Ich möchte nicht in einer Straße wohnen, die nach einem Nazi benannt ist.″ Ein Vorschlag lautete, der Straße den Namen einer Frau zu geben, die sich als NS-Gegnerin hervorgetan habe, wie beispielsweise die Sozialdemokratin Alwine Wellmann. Dagegen regte sich sofort aber Widerspruch nach dem Motto: Bloß nicht wieder eine politische Person! Wenn demnächst ein Historiker herausfindet, dass sie Stalin toll fand, dann sitzen wir in fünf Jahren hier wieder zusammen!

Weitere Namensvorschläge aus dem Plenum: Glie Esch, der alte Straßenname aus der Zeit 1948 bis 1954 (dagegen spricht, dass man ihn Fremden gegenüber stets buchstabieren müsste); Fritz-Wolf-Straße (dagegen spricht, dass es einen Fritz-Wolf-Platz schon gibt), An der Berningshöhe (dagegen spricht die Verwechslungsgefahr mit der Berningstraße).

Gefragt, ob die Verwaltung selbst auch einen Vorschlag habe, nannte Christine Grewe Färberstraße″ oder Färberweg″. Damit werde der besonderen Beziehung zu Hammersen Rechnung getragen. Das Einfärben der hergestellten Textilien habe stets eine wichtige Rolle gespielt. Andere Namen mit Bezug zum Tätigkeitsbereich der Firma wie Baumwollweg, Spinnereiweg und Leggeweg gebe es bereits.

Eine unverbindliche Probeabstimmung ergab, dass keiner der Anwesenden etwas gegen eine Färberstraße″ einzuwenden hätte, wenn die Umbenennung denn schon sein müsse, während etwa die Hälfte der Anwesenden sich nicht mit einer Alwine-Wellmann-Straße″ abfinden könnte.

Stadtrat Beckermann wies darauf hin, dass weitere Namensvorschläge jederzeit schriftlich nachgereicht werden können. Zur technischen Seite einer Straßenumbenennung erklärte er, dass die notwendigen Änderungen in Personalausweis und Kfz-Schein für die betroffenen Anwohner kostenlos durchgeführt werden. Für sonstige Änderungen beispielsweise bei Briefbögen, Stempeln oder Visitenkarten gebe es hingegen keine pauschalen Erstattungen. Hier müsse jeder individuell seine Aufwendungen glaubhaft machen.

Bildtexte:
Dieses Straßenschild soll bald verschwinden Namenspatron Heinrich Röper war nach Ansicht des Arbeitskreises Erinnerungskultur viel zu tief in den NS-Staat verstrickt, um diese Ehre weiter verdient zu haben.

Mögliche neue Namensgeberin: die Osnabrücker Sozialdemokratin Alwine Wellmann („ die rote Alwine″, 1891–1966).

Fotos:
Archiv/ Jörn Martens, NOZ-Archiv

Umbenennung von drei Straßen in Osnabrück

Am 30. Mai hat der Rat der Stadt beschlossen, das Verfahren für die Umbenennung von drei Straßen in Osnabrück zu eröffnen. Er folgte dabei Empfehlungen des Arbeitskreises Erinnerungskultur. In ihm sitzen Vertreter von Vereinen und Initiativen aus dem Bereich Erinnerungskultur, Schulen und der Universität sowie von Kirchen und Gewerkschaften.

Dem voraus ging 2012 ein Auftrag des Rates an die Verwaltung, Straßen und Plätze auf jene Namensgeber abzuklopfen, die einer aufgeklärten historisch-politischen Bildung entgegenstehen.

Der Arbeitskreis Erinnerungskultur identifizierte schließlich drei Namensgeber von Osnabrücker Straßen: Giesbert Bergerhoff (Atter), Heinrich Röper (Schölerberg) und Carl Diem (Wüste). Alle drei hätten das nationalsozialistische Regime aktiv gestützt und getragen.

Nach den Bürger-Informationsveranstaltungen zu Bergerhoff und Röper wird abschließend am 2. November um 19.30 Uhr die Veranstaltung zur Carl-Diem-Straße in der Aula des Gymnasiums In der Wüste″ stattfinden.

Ergebnisse der Bürgeranhörungen wird die Verwaltung im Anschluss dem Rat unterbreiten. Erst auf dieser Grundlage treffen dann die Ratsmitglieder voraussichtlich im Frühjahr 2018 die endgültige Entscheidung über die Umbenennungen.
Autor:
Joachim Dierks


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