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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtplaner gegen Center am Neumarkt
 
Stadtplaner warnt vor Bau des Einkaufszentrums
Zwischenüberschrift:
„Um Himmels willen keine Mall″
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Mit deutlichen Worten hat Stadtplaner Benjamin Wille aus Berlin vor dem Bau eines Einkaufszentrums am Neumarkt gewarnt. Wille, der im Auftrag der Stadt an einem Masterplan für die Innenstadt arbeitet, überraschte die Mitglieder des Stadtentwicklungsaussschusses mit der Aussage: Um Himmels willen keine Mall.″ Die Konzentration zusätzlicher Verkaufsfläche würde zu einer Abwärtsentwicklung in anderen Teilen der Stadt führen. Für den Brückenschlag zur Südstadt sei es wichtig, den Neumarkt ohne Autos als Freiraum zu gestalten. Der Busverkehr könne zunächst bleiben, sollte aber weiter genau beobachtet werden. Für den Wallring schlug der Planer vor, Spuren zu reduzieren. Die Thesen des Planers werden nächste Woche in einem Bürgerworkshop diskutiert.

Stadtplaner Benjamin Wille hat der Politik den ersten Zwischenbericht zum Masterplan Innenstadt präsentiert und die Zuhörer verblüfft: Der Experte warnt eindringlich vor dem Bau eines Einkaufszentrums am Neumarkt und schlägt eine Reduzierung der Spuren auf dem Wallring vor.

Osnabrück. Wie soll die Osnabrücker Innenstadt in 20 Jahren aussehen? Die Stadt will in Kooperation mit dem Büro für Städtebau und Städteplanung Machleidt aus Berlin einen Masterplan für die City entwickeln. Den Anstoß hatte vor drei Jahren die bunte Ratsmehrheit gegeben, die zeitgleich mit dem Ratsbeschluss über den Bau des Einkaufszentrums am Neumarkt die Forderung aufstellte, auch die anderen Quartiere in der Innenstadt unter die Lupe zu nehmen.

Der Prozess ist nun im Gange. Mitarbeiter des Planungsbüros Machleidt haben sich ein Bild von der Stadt innerhalb und außerhalb des Wallrings gemacht. Am kommenden Freitag werden die bisherigen Analyseergebnisse in einem Bürgerworkshop diskutiert.

Benjamin Wille, Experte für Städtebau, stellte am Donnerstagabend dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt seine Ist-Analyse vom Zustand der Innenstadt vor. Wille identifiziert in der City innerhalb des Wallrings zehn Quartiere mit unterschiedlichen Charakteren. Besonders großes Entwicklungspotenzial sieht er im Dom-Viertel und im Dreieck zwischen Hase und Remarque-Ring (mit Domschule und Iduna-Hochhaus). Der Bischofsgarten an der Hase ist nach Willes Einschätzung ein verborgener Schatz, denn hier sei die Hase direkt erlebbar – „ und zwar mitten in der Stadt und ebenerdig″. Er schlug ganz konkret vor, mit dem Bistum über eine Öffnung zu bestimmten Tageszeiten zu sprechen.

Der Hafen, das Justizviertel, der Hauptbahnhof, das KME-Werk oder das Quartier rund um das Marienhospital führen nach Willes Meinung jeweils ein Eigenleben ohne Bindung an die Innenstadt. Es lohne sich, darüber nachzudenken, wie diese Bereiche etwa durch attraktive Rad- und Fußwege oder begrünte Plätze erlebbar gemacht″ werden könnten.

Kritisch sieht der Experte auch das Willkommen″ für Reisende, die im Hauptbahnhof oder Altstadt-Bahnhof (ehemals Hasetor) aussteigen. Die erste Frage sei: Wo bitte geht es hier zur Innenstadt, und wo ist denn die Altstadt?

Magenschmerzen″

Als Wille in seinem Vortrag zum Neumarkt wanderte, merkten die Ratsmitglieder auf: Die geplante Mall bereite ihm Magenschmerzen″, sagte Wille. Aus stadtplanerischer Sicht würde er dringend davon abraten″. Das Argument, das Einkaufszentrum solle eine Brücke schlagen zwischen der Großen Straße und der südlichen Innenstadt, lässt Wille nicht gelten. Der Neumarkt sei die Barriere. Der Brückenschlag gelingt durch eine Gestaltung des Neumarktes″, betonte der Planer. Um Himmels willen aber keine Mall.″

In einem Gespräch mit unserer Redaktion konkretisierte Wille seine Kritik. Das Einkaufszentrum ist nach seiner Meinung zu groß für Osnabrück. Es würde damit zu viel zusätzliche Verkaufsfläche wie mit einem Staubsauger″ an einer Stelle konzentriert. Die Gefahr sei groß, dass damit an anderen Stellen der Stadt eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt würde.

Ohne Autos

Der Brückenschlag zur südlichen Innenstadt könne mit einer Neugestaltung des Neumarkts gelingen. Aus der Straße einen Freiraum schaffen″, so Willes Vorschlag. Natürlich ohne Autos.″ Der Busverkehr müsse nicht zwingend vom Neumarkt verbannt werden, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Der Stadtplaner schlägt ein schrittweises Vorgehen vor: Den Platz zunächst ohne Autoverkehr neu gestalten und dann fünf Jahre beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Man kann dann überlegen, ob man den Busverkehr reduziert, indem man ein paar Linien rausnimmt.″

Der Wallring ist nach Meinung des Städtebauexperten zu sehr auf seine Transitfunktion″ reduziert also nur eine Schnellstraße. Wille regte an, den Wallring allmählich zu einem Boulevard mit gemischten Nutzungen und geringerem Verkehrsdruck zu verwandeln. Dazu müssten Flächen gewonnen werden etwa durch Reduzierung der Fahrspuren.

Wille ist der Meinung, dass die Autofahrer in Osnabrück im Vergleich zu Radfahrern und Fußgängern im Vorteil″ sind. Mit dem Masterplan Innenstadt könne die Waage zum Ausgleich″ gebracht werden. Ja, er habe im Taxi auch schon mal auf dem Wall im Stau gestanden und seinen Zug verpasst, sagte Wille. Aber die Verkehrslage in Osnabrück sei nicht schlimmer als in anderen Städten vergleichbarer Größenordnung. Mein Gefühl ist, dass Osnabrück mit der gleichen Intensität wie andere Städte mit diesem Problem zu kämpfen hat″, sagte der Stadtplaner. Was er gut finde, sei, dass es in der Stadt den Willen und die Offenheit gibt, daran etwas zu ändern″.

Heiko Panzer (SPD) teilte Willes Skepsis in Sachen Einkaufscenter nicht. Im Gegenteil: Wille vernachlässige in seiner Betrachtung die positiven Effekte für die Johannisstraße, die mit dem Center in der Tiefe belebt″ werde. Wulf-Siegmar Mierke (UWG) danke dem Planer für den interessanten Blick eines Außenstehenden″, der helfen werde, eigene Scheuklappen abzulegen. Er verwies auf die wirtschaftlichen Zwänge: Um dem Neumarkt und der Johannisstraße einen Impuls zu geben, brauche die Stadt einen Investor.

Am Freitag kommender Woche werden Bürger in einem ganztägigen Workshop die Analyse des Büros Machleidt diskutieren und ihre Vorstellungen einbringen. Danach beschäftigt sich der Rat damit.

Bildtext:
Zu groß? Stadtplaner Benjamin Wille, der im Auftrag der Stadt einen Masterplan für die Innenstadt erarbeitet, hält nichts von einem Einkaufscenter am Neumarkt.

Foto:
hin
Autor:
hin


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