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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
In der Nachbarschaft eingebunden
Zwischenüberschrift:
Kardinal-von-Galen-Haus am Schölerberg zeigt, wie Inklusion gelingen kann
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Was Inklusion in der Praxis bedeutet, zeigt das vor einem Jahr eröffnete Kardinal-von-Galen-Haus in Osnabrück. Seine Bewohner, allesamt junge Erwachsene mit Behinderung, werden von Anfang an in die Nachbarschaft am Schölerberg eingebunden.

Osnabrück. Manche Marktbesucher grüßen und winken, andere bleiben stehen und schauen: Zwei junge Leute im Rollstuhl und ihre beiden Betreuerinnen reihen sich ein in den Strom derjenigen, die auf dem Wochenmarkt am Riedenbach einkaufen. Es bleibt nie unbemerkt, wenn Sozialpädagogin Katharina Brinker und Helferkraft Michaela Kerpen die geistig und körperlich behinderten Bewohner des Kardinal-von-Galen-Hauses durch die Nachbarschaft schieben. Jacqueline Kemper in Rollstuhl Nummer eins lacht und fasst sich ständig an den Kopf. Nach dem Marktbesuch steht ein Friseurtermin an, den sie sehnsüchtig erwartet. Henning Sander in Rollstuhl Nummer zwei gähnt. Es ist noch früh am Morgen. Auf der Halterung vor sich fixiert der junge Mann eine Wassermelone für eine hausinterne Grillfeier am Abend. Die Bewohner sind sehr offen″, sagt Katharina Brinker. Aber sind es die anderen auch?

Zumindest beim Star″-Friseur an der Meller Straße wird Jacqueline Kemper behandelt wie jeder andere Kunde auch. Alik Sweidan legt ihr den Umhang um, die junge Frau strahlt. Wie kurz ungefähr?″, fragt der Friseur. So kurz wie möglich, antwortet Michaela Kerpen für Jacqueline. Sie kennt die junge Frau. Vor einem Dreivierteljahr waren wir das erste Mal hier″, sagt Kerpen. Die hatten überhaupt keine Berührungsängste.″ Die Schneidemaschine brummt, Jaquelines Haare fallen. Toll!″, ruft sie. Noch kürzer?″, fragt der Friseur, als er fertig ist und sie skeptisch guckt. Kann ich machen.″

24 Plätze hat das Kardinal-von-Galen-Haus, die Bewohner im Alter von 21 bis 34 Jahren leben in Wohngruppen und sollen dort, so der Grundgedanke, alt werden können. Vor ihrem Umzug in das nagelneue Haus waren sie in Kinder- und Jugendeinrichtungen untergebracht. Der Ortswechsel bedeutet für sie auch einen Schritt ins Erwachsenenleben. Tagsüber arbeiten sie in Behindertenwerkstätten, ihre Freizeit sollen sie jedoch so gestalten, wie sie es wollen sofern sie ihre Wünsche artikulieren können. Und wenn sie die Haare rappelkurz haben wollen, dann machen wir das″, sagt Katharina Brinker. Wir sind eine pädagogische Einrichtung.″ Ihr Auftrag: die Bewohner so selbstständig wie möglich zu machen. Mit einem Bewohner trainieren wir, dass er selbstständig Brötchen holt oder Ähnliches″, erzählt sie. Ihm wird es helfen, wenn er und die anderen Hausbewohner bekannt sind in der Nachbarschaft.

Bewusst habe die Caritas ihre Einrichtung mitten in den Stadtteil Schölerberg gelegt, erläutert Katharina Brinker. Es ist ihr Job, sich um die sogenannte Inklusion im Sozialraum″, also im direkten Lebensumfeld der Bewohner, zu kümmern. Ein Jahr nach dem Bezug sei das Haus schon auf einem guten Weg, sagt Brinker. Die Zusammenarbeit mit der angrenzenden katholischen Kirchengemeinde St. Joseph und deren Kindergarten sei ganz toll″, bestätigt Einrichtungsleiterin Angelika Bracht-Görg.

Nur ein niedriger Zaun trennt die Bewohner im grünen Innenhof des Hauses von den Kita-Kindern nebenan. Die Kinder nutzen den Innenhof als Bobbycar-Rennstrecke und die Bewohner dürfen im Gegenzug auf dem Kindergarten-Spielplatz spielen. Beim letzten Pfarrfest waren sie nicht als Besucher eingeladen, sondern als Teilnehmer mit einem eigenen Stand. Eine Straße weiter findet in den Räumen der evangelischen Luthergemeinde zudem einmal pro Monat ein Inklusionscafé statt und auch zu einer Moscheegemeinde bestehen erste Kontakte. Es sind gute Anfänge. So was muss wachsen″, sagt Katharina Brinker. Das Projekt der Sozialrauminklusion ist über drei Jahre angelegt.

Bildtext:
Raus in die Nachbarschaft, das ist das Ziel des Kardinal-von-Galen-Hauses. Die Rollstühle von Jacqueline Kemper und Henning Sander schieben Sozialpädagogin Katharina Brinker (links) und Helferkraft Michaela Kerpen.

Jacqueline Kemper liebt Friseurbesuche.

Wenn die Bewohner in der Nachbarschaft bekannt sind, ist es leichter für sie, dort selbstständig unterwegs zu sein.

Fotos:
Gert Westdörp
Autor:
Sandra Dorn


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