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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie Grünabfall verwertet werden kann
 
Biomasse statt Tropenholz
Zwischenüberschrift:
Unternehmernetzwerk leistet Pionierarbeit
Artikel:
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Originaltext:
Bersenbrück. In einer unscheinbaren Halle im Alfhausener Gewerbegebiet beginnt die Rettung des Regenwaldes: Ein Unternehmernetzwerk ersetzt Tropenhölzer mit Produkten aus Biomasse. Den Auftakt macht ein Heizbrikett aus Holzresten vom Grünsammelplatz. Diese werden in einer Presse verdichtet und so zu einem dicken Strang verarbeitet. In Stücke zerteilt, brennt dieser im Kamin wie ein normaler Holzscheit. Biomasse vom Sammelplatz lässt sich aber auch noch anderweitig verwerten. Mit im Projekt-Boot sind unter anderem die Hochschule Osnabrück, die BAR regional Osnabrücker Land GmbH und die Awigo Abfallwirtschaft Landkreis Osnabrück GmbH. Letztere vor allem als Rohstofflieferant rund 7200 Tonnen grobe Holzanteile fallen pro Jahr im Grünabfall an.

Kernstück der Versuchsanlage ist eine Hochleistungspresse aus der Schweiz. Für den Dauereinsatz soll die Technik in einem mobilen Container untergebracht werden.

Die Rettung des Regenwaldes beginnt im Osnabrücker Land: Ein Unternehmernetzwerk ersetzt Tropenhölzer mit Produkten aus Biomasse. Den Auftakt macht ein Heizbrikett aus Holzresten vom Grünsammelplatz.

Bersenbrück. In einer unscheinbaren Halle im Alfhausener Gewerbegebiet läuft ein spannender Versuch. Eine Presse verdichtet millimetergroße Holzreste zu einen dicken Strang, der kühlt aus und wird in handliche Zylinder geteilt. Im Kamin brennt so ein Stück wie ein Holzscheit, irgendwo zwischen Eiche, die glimmt, und Buche, die lodert″, erklärt Klaus Vonheiden, der sein Haus in Hasbergen fast vollständig mit Holz heizt.

Zusammen mit Johannes Hinkamp führt er ein kleines regionales Netzwerk von Unternehmen und Technikern an, die Methoden der Biomasseaufbereitung verfeinern und weiterentwickeln. Die Hochschule Osnabrück forscht für die BAR regional Osnabrücker Land GmbH, die Awigo Abfallwirtschaft Landkreis Osnabrück GmbH ist mit im Boot, vor allem als Rohstofflieferant. Aus den laut Awigo 55 000 Tonnen Grünabfall, die jährlich auf den kommunalen Sammelplätzen anfallen, sortiert sie rund 7200 Tonnen grobe Holzanteile aus. Die lassen sich in Hackschnitzelheizwerken verfeuern. Die Grün-Wärme GmbH, Gemeinschaftsunternehmen der Awigo und der Südkreis-Energiegenossenschaft TEN, baut gerade so eines in Bad Laer. Auch Hinkamp betreibt solch ein Heizwerk in Bersenbrück, zur Unterstützung eines Fernwärmenetzes, das mit Biogas-Blockheizkraftwerken an die 200 öffentliche und private Kunden in Bersenbrück mit Wärme versorgt.

Der große Rest der Biomasse vom Sammelplatz lässt sich zu Blumenerde und Mulch verarbeiten. Auch daran ist die BAR beteiligt, ihr Mulch rettete das Reggae-Jam-Festival Ende Juli in Bersenbrück, machte aus einer Schlammwüste einen trockenen Konzertplatz.

In der Biomasse steckt aber auch ein Feinholzanteil, bei dessen Aufbereitung die BAR Pionierarbeit leistet″, wie die Awigo bestätigt. Mehr als vier Jahre Entwicklungsarbeit stecken darin, berichten Hinkamp und Vonheiden. Und die wird weitergehen. Aus dem Versuchsaufbau in Alfhausen soll eine mobile Containeranlage hervorgehen, die überall dort zum Einsatz kommt, wo geeignetes Holz anfällt. Zu kaufen sein sollen die Heizbriketts auf den Awigo-Sammelplätzen. Aus der Region für die Region″ sei das Motto, im Biomassegeschäft lohnten sich weite Wege nicht.

Auf seinem Hof mit Biogasanlage in Bersenbrück will Hinkamp Hähnchenmastställe räumen für eine Aufbereitungsanlage, die Feinholz auf die gewünschte Größe zerkleinert und Fremdkörper und Staub heraussiebt. Neben Heizbriketts will die BAR nämlich auch einen neuartigen WPC genannten Verbundwerkstoff aus Holz und Kunststoff produzieren. Der soll sehr haltbar sein und sich formen lassen zu Handläufen an Geländern im Freien, Pollern, Pfählen und vielem mehr. Der Clou dabei: Das Material ist komplett recycelbar, lässt sich zermahlen und wieder in die Produktion einführen. Neben dem eigenen Strom will die Gesellschaft auch die Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk nutzen: Sie plant eine immissionsarme Hochleistungstrocknung für Gärreste aus Biogasanlagen. Das Trockengut wird mit Harnstoff versetzt und zu einem organisch-mineralischen Pelletdünger weiterverarbeitet. Das Verfahren könne ein Beitrag dazu sein, die Region von jenem Nährstoffüberschuss zu entlasten, der ihr nach der neuen Düngeverordnung zu schaffen machen wird, argumentiert Hinkamp.

Bildtexte:
Aus der Region für die Region: Aus Holzanteilen von Grünabfall fertigt die BAR ein Pressbrikett für Kamin und Ofen. Zu haben ist es auf den Grünabfallplätzen im Osnabrücker Land. Von links: Klaus Vonheiden, Franz-Josef Strömer Johannes Hinkamp, als Gast Kreistagsmitglied Bernward Abing, Georg Ruwe-Kaup.

Das Brikett soll brennen wie ein Holzscheit.

Wer seinen Gartenabfall zum örtlichen Sammelplatz bringt, kann den Biobrennstoff gleich sackweise mitnehmen.

Fotos:
Martin Schmitz
Autor:
ms


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