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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Beeindruckend und bedrückend
Zwischenüberschrift:
Türkische Schriftstellerin und Remarque-Friedenspreisträgerin Asli Erdogan in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. Am Tag vor der Verleihung waren bei einer Pressekonferenz die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan und Daniel Röder für die Initiative Pulse of Europe″ eindrucksvoll zu erleben.

Osnabrück. Schmal und zerbrechlich wirkt Asli Erdogan im kleinen Ratssaal des Osnabrücker Rathauses. Diesen Eindruck unterstreicht ihre leise, fast tonlose Stimme, von deren englischen Sätzen anfangs kaum mehr zu verstehen ist, als dass sie Osnabrück sehr dankbar ist für alles, was die Stadt für sie getan hat.

Denn lange sah es nicht so aus, als ob Asli Erdogan, diesjährige Preisträgerin des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises, zur Preisverleihung würde kommen können. Doch dann ging es ganz schnell: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Osnabrücker Mitglieder der Preisjury schrieben vor zwei Wochen einen Brief an den türkischen Präsidenten Erdogan und erbaten für sie den Reisepass zurück. Kurz darauf war der Pass der türkischen Physikerin, Journalistin und Schriftstellerin da zur großen Freude der Briefschreiber.

Nun ist sie da, erzählt, dass sie seit zehn Monaten aus der Haft entlassen sei, aber noch nicht ganz zurück in der Welt. Sie erkenne sich morgens im Spiegel nicht wieder, habe kein Privatleben mehr, und mit ihrer Karriere als Zeitungskolumnistin sei es auch vorbei. Sie habe angefangen zu schreiben über ihre Erfahrungen der letzten Monate, aber nichts schnell Verwertbares, Praktisches mehr, sondern Literatur. Und um gute Literatur schreiben zu können, brauche sie Zeit und Energie.

Monate in U-Haft

Man merkt dieser Frau an, dass sie Hartes hinter sich hat und Schweres vor sich. Sie bittet denn auch die Journalisten bei der Pressekonferenz, nichts zu fragen, was ihr die Rückkehr in die Türkei erschweren könnte. Denn Asli Erdogan wurde August 2016 im Zuge der Säuberung″ nach dem Militärputsch vom Juli verhaftet, gemeinsam mit 22 Mitarbeitern der türkisch-kurdischen Zeitung Özgür Gündem″.

Sie saß viereinhalb Monate in Untersuchungshaft. Ende Dezember 2016 kam sie frei. Vorgeworfen wurden ihr unter anderem Propaganda für und Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation (der PKK) sowie Volksverhetzung.

Vieles von dem, wofür und wogegen sie sich engagiert, vor allem jede Form von Menschenrechtsverletzung, lässt sich in ihrem Essayband Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch″ nachlesen vor allem dieser Essayband ist es, der die Jury dazu bewogen hat, der Regimekritikerin den Friedenspreis (25 000 Euro) zu verleihen.

Leben fürs Schreiben

Seit 1996 lebt die 1967 in Istanbul geborene Physikerin ganz vom und für das Schreiben, verfasste als Journalistin erst Kolumnen für die linksliberale Tageszeitung Radikal″ (1998–2001) und von 2013 an auch für die seit 2016 geschlossene Tageszeitung Özgür Gündem″.

Der mit 5000 Euro dotierte Sonderpreis geht an die pro-europäische Initiative Pulse of Europe″, die Daniel Röder und seine Frau Sabine 2016 in Frankfurt ins Leben gerufen haben. Den Demonstrationen in vielen Städten gehe es darum, bewusst zu machen, sagte Röder, was Europa ausmacht für uns, seine Werte wie Demokratie, Pressefreiheit oder Menschenrechte″.

Wolfgang Lücke, Vorsitzender und Sprecher der Friedenspreisjury, und Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert verwiesen darauf, wie eng in diesem Jahr beide Preise im Hinblick auf Europa miteinander verbunden seien.

Wir hoffen natürlich, mit der Preisverleihung eine Wirkung erzielen zu können″, so schloss Wolfgang Griesert eine eindrucksvolle und zugleich bedrückende Veranstaltung.

Mehr zum Friedenspreis, mehr Bilder und ein Video von der Pressekonferenz unter noz.de/ kultur-regional

Bildtext:
Spricht für die Opfer: Asli Erdogan (Mitte) mit Wolfgang Lücke (von links), Wolfgang Griesert und ihrem Übersetzer.

Foto:
Michael Gründel


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