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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zentimetergenaues Busfahren an der Halle Gartlage
 
Was die Stadtwerke Osnabrück gegen Busfahrermangel tun
Zwischenüberschrift:
Mannschaften von 17 Verkehrsbetrieben zeigen beim Vergleichswettkampf der VOS ihr Können am Lenkrad
 
Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb (Fif) ist vielfältig und zukunftsorientiert
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Busfahrer-Olympiade in Osnabrück: Mannschaften von 17 Verkehrsbetrieben aus ganz Deutschland haben sich gestern an der Halle Gartlage getroffen, um die beste Fachkraft im Fahrdienst (Fif) zu ermitteln. Die VOS feierte damit auch das zehnjährige Bestehen des Ausbildungsberufs.

Osnabrück. In 14 Disziplinen traten die dreiköpfigen Teams gegeneinander an. Auf dem Plan standen unter anderem: Wenden in drei Zügen, Bus-Dart und Bus-Kegeln. Bei Letzterem etwa mussten die Fahrer einen großen Gummiball so anfahren, dass er genug Schwung bekam, um möglichst alle neun Kegel abzuräumen natürlich ohne dass der Ball dabei kaputtging. Wie schwierig das ist, zeigte sich schnell: Wer zu früh abbremste, erwischte den Ball zu leicht oder gar nicht. Wer zu weit vorfuhr, lief Gefahr, ihn zum Platzen zu bringen, was mindestens einmal auch passierte.

Wir wollen mit dieser Veranstaltung zeigen, wie vielfältig und attraktiv der Beruf heute ist″, sagte André Kränzke, Leiter des Arbeitskreises Aus- und Weiterbildung der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS). „ Was die Auszubildenden lernen, geht über das bloße Busfahren weit hinaus. Sie sind später auch einsetzbar in der Planung, in der Werkstatt oder der Mobilitätszentrale.″ Nachwuchs werde immer gesucht: Innerhalb der nächsten zehn Jahre gehen drei von vier unserer Mitarbeiter in Rente. An der Zusammensetzung der Teams heute sieht man aber, dass der Beruf durchaus attraktiv ist für junge Leute.″

Knifflige Aufgaben

Gast-Teams kamen unter anderem aus Rostock, Dresden und Kassel. Wie fährt es sich so mit Osnabrücker Bussen? Schon etwas anders und ungewohnt″, sagte Fahrer Alexander Gees von Mobiel in Bielefeld. Die Abmessungen sind natürlich die gleichen, aber die Sicht ist etwas anders bei unterschiedlichen Bustypen. Wir haben außerdem Automatikfahrzeuge, hier fährt man auch mit Schaltfahrzeugen.″

Teilweise waren die Aufgaben also ganz schön knifflig. Etwa die Tonnendurchfahrt, bei der ein Fahrer zwei Helfern anzeigte, wie weit sie zwei Tonnen auseinanderstellen sollten, und dann hindurchfuhr, wobei der geringste Abstand gewann. 2, 55 Meter ist der Bus breit. Bei 2, 60 Meter Abstand durchzukommen, ist richtig gut″, so André Kränzke.

Nach dem Wettbewerb ging es dann für alle abends weiter zur Party in der Osnabrücker Elektrokartbahn Nettedrom. Dort konnten die Teilnehmer der Busfahrer-Olympiade den Tag noch mal Revue passieren lassen sowie die Erfolge feiern, die sie errungen hatten beim ersten Durchgang von Osnabrück sucht Deutschlands Super-Fif″. Es war wohl nicht das letzte Mal. Die Nachfrage war so groß, dass man laut André Kränzke bei der VOS schon über einen Folgetermin nachdenkt.

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Bildtexte:
Kegeln mit dem Bus war eine von 14 Disziplinen bei der Osnabrücker Busfahrer-Olympiade. Um dem großen Gummiball den richtigen Schwung zu geben, ist ein exaktes Bremsmanöver nötig. Mindestens ein Ball platzte.
Eine Zielscheibe am Boden und ein Lot vor dem Kühlergrill sind die Zutaten für das Bus-Dart-Spiel. Aufgabe ist es, das Gewicht möglichst in die Mitte zu manövrieren.
Fotos:
David Ebener

Osnabrück. Den Stadtwerken Osnabrück gehen die Busfahrer aus. Bis 2030 verabschieden sich drei Viertel in den Ruhestand, der Arbeitsmarkt ist schon heute leer gefegt und Nachwuchs rar. Mit einer vielseitigen Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb (Fif) versucht das Unternehmen gegenzusteuern. Wir haben mit drei Azubis und Absolventen gesprochen.

Ralf Lüders aus Osnabrück ist gelernter Automechaniker, machte seinen Busführerschein als junger Mann bei der Bundeswehr. So ist er seit fast 30 Jahren bei den Stadtwerken als Hilfsfahrer unterwegs gewesen. Doch mit Mitte 50 war ihm das plötzlich zu wenig. Ich fühlte mich abgehängt″, gesteht Lüders. Also ließ er sich berufsbegleitend und im Schnellverfahren zur Fachkraft im Fahrbetrieb ausbilden. Eine echte Herausforderung in meinem Alter. Aber ich wollte es noch einmal wissen.″

Das Fahren großer Fahrzeuge habe er immer geliebt, auch den Umgang mit den Kunden, so Lüders. Hier gereichen ihm Erfahrung und Naturell zum Vorteil: Marotten und Nörgeleien der Kunden lächelt der Routinier einfach weg. Das muss man als Busfahrer aushalten. Beleidigungen sind im Fahrpreis inbegriffen.″ Auch täglichen Stress im Straßenverkehr nimmt Lüders gelassen, ebenso sowie wechselnde Schichten, die der Job mit sich bringt. Ob Dienstbeginn um 4.15 Uhr, Feierabend um 1.20 Uhr, Wochenend- oder Feiertagsarbeit: Wer das alles nicht abkann, sollte es lassen.″

Florian Brüning aus Bohmte hat es jedenfalls nicht geschreckt. Er absolvierte die Fif-Ausbildung von 2011 bis 2014. Ich wollte immer Busfahrer werden, habe mich schon als Kind für große Fahrzeuge interessiert und mich jeden Tag auf den Schulbus gefreut″, sagt der 29-Jährige. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche lernte er jedoch zunächst Industriemechaniker. Nach dem Zivildienst wechselte er dann in seinen Traumjob bei den Stadtwerken Osnabrück.

Den Fif-Lehrgang beschreibt Brüning als abwechslungsreich. Man durchläuft alle Stationen im Verkehrsbetrieb, sitzt also nicht nur am Steuer, sondern arbeitet auch in der Werkstatt, im Servicecenter oder der Verwaltung.″ Heute werde er überwiegend im Fahrdienst eingesetzt, springt aber auch mal in der Dispo ein. Eine riesengroße Verantwortung″, freut sich der Nachwuchsmann. Und die Bezahlung? Das Geld reicht zum Leben.″

Über Umwege fand der Bramscher Andreas Friese (40) zu seinem beruflichen Glück. Lange Zeit saß er als Lkw-Fahrer auf dem Bock, ehe ihn ein Arbeitsunfall zum Umdenken zwang. Seit sechs Jahren fährt er nun Bus bei den Stadtwerken und ist darüber mehr als froh. Die flexiblen Arbeitszeiten, der Kontakt zu anderen Menschen, der Zusammenhalt unter den Kollegen: Das gefällt mir″, sagt Friese. Außerdem ist es hier nie langweilig, jeder Tag ist anders.″

Die berufsbegleitende, zwölfmonatige Nachqualifizierung zur Fif begann für ihn im April. Es ist seine erste Berufsausbildung. Ich habe ihn meiner Jugend ein bisschen rumgedümpelt″, gibt Friese zu. Doch jetzt habe ihn der Ehrgeiz gepackt. Warum? Weil ich als Fachkraft im Fahrdienst vielseitig einsetzbar und für das Unternehmen wertvoller bin. Fif ist ja mehr als nur Busfahrer!

Bildtext:
Busfahrer aus Leidenschaft (von links): Florian Brüning, Ralf Lüders und Andreas Friese haben sich bei den Stadtwerken Osnabrück zur Fachkraft im Fahrbetrieb kurz Fif ausbilden lassen.
Foto:
David Ebener
Autor:
Markus Strothmann, Sebastian Stricker


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