User Online: 1 | Timeout: 18:13Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Macht und Pracht
Zwischenüberschrift:
Polizeidirektion, Landgericht und Ledenhof öffnen Türen am Tag des offenen Denkmals
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Seit 1993 koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) am zweiten September-Sonntag bundesweit den Tag des offenen Denkmals. Auch Osnabrück ist am 10. September dabei.

Osnabrück. Von Jahr zu Jahr wird ein neues Motto ausgegeben, in den zurückliegenden Jahren beispielsweise Handwerk Technik Industrie″, Unbequeme Denkmale″ oder Rosen, Rasen und Rabatten″. In diesem Jahr geht es um Denkmale, die in besonderer Weise Macht und Pracht″-Ansprüche ihrer Bauherren verkörpern.

Polizeidirektion

Ein Beispiel dafür ist das heute von der Polizeidirektion genutzte ehemalige Regierungsgebäude am Heger-Tor-Wall 18. Es wurde 1893 bis 1896 nach Plänen des Berliner Oberbaurats Zastrau im Stil der Neorenaissance errichtet. Nach dem Niederlegen der Stadtbefestigung gehörten die zu breiten Straßen mit mittiger Flanier-Promenade ausgebauten Wälle zu den vornehmsten Adressen und waren daher dem Königreich Preußen als Sitz seiner bedeutenden Regionalregierung in der Provinz Hannover gerade recht. Die bis dahin auf verschiedene Häuser verteilten Dienststellen konnten nun in einem großen staatlichen Repräsentationsbau vereinigt werden.

Die lang gestreckte Dreiflügelanlage nimmt mit ihrer Hauptfront die gesamte Breite des Blocks zwischen Katharinenstraße und Alte-Synagogen-Straße ein. Sie orientiert sich deutlich am fürstlichen Schlossbau. Architektonisch herausgehoben ist der große, um ein Geschoss erhöhte Mittelbau mit seinem reich geschwungenen Giebel und den im Grunde funktionslosen seitlichen Türmen mit hoch aufragenden Turmhauben. Der Zentralgiebel trägt den preußischen Adler, während in den ebenfalls neobarock geschwungenen Eckgiebeln die Wappen der Städte des Regierungsbezirks untergebracht sind. Ganz auf Wirkung ausgelegt ist auch das monumentale Haupttreppenhaus, das zum früheren Plenarsaal im Obergeschoss führt.

In republikanischen Zeiten behielt das Gebäude als Sitz der Bezirksregierung eine ähnliche Funktion. Als der Regierungsbezirk Osnabrück 1978 im Bezirk Weser-Ems aufging, behielt die Regierung″, wie der Bau landläufig weiterhin genannt wurde, wenigstens eine Außenstelle mit dem Regierungsvizepräsidenten an der Spitze und die Schulabteilung der Behörde.

Ende 2004 war es auch damit vorbei. Ministerpräsident Christian Wulff setzte die gänzliche Abschaffung der Mittelinstanz Bezirksregierungen in Niedersachsen durch. Neuer Hausherr wurde die Polizeidirektion Osnabrück, deren Zuständigkeitsbereich vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln reicht.

Führungen: 12 und 13 Uhr, Dauer jeweils 45 Minuten.

Landgericht

Zwei Jahrzehnte älter ist das Justizgebäude Neumarkt 2, das heute das Landgericht beherbergt. Erbaut wurde es 1874 bis 1878 für das Amtsgericht und das damalige Obergericht, das mit der Reichsjustizreform von 1897 in Landgericht umbenannt wurde. Die Wahl des Standortes Neumarkt auf der Grenze von Altstadt und Neustadt verfolgte auch den Zweck, eine versöhnende Balance″ zwischen beiden Stadtteilen mit ihrem immer noch bestehenden Eigenleben zu fördern.

Der 21 Achsen breite Bau geht auf den Entwurf des Regierungsbaurats bei der Landdrostei Karl Grahn zurück. Der erste öffentliche Großbau der Neuzeit in Osnabrück sollte durch seine schiere Größe und Wucht ein Zeichen setzen für die allumfassende Macht des Rechts in der verfassten Monarchie. Rundbogenstil und Spätklassizismus überlagern sich bei ihm. Bis 1944 folgte der Aufriss dem üblichen Schema des repräsentativen öffentlichen Gebäudes im 19. Jahrhundert mit einem Mittelrisalit (Vorsprung) und zwei Eckrisaliten.

Bombenschäden im Zentrum des Gebäudes und der Zwang zu raschem Wiederaufbau bei begrenzten Mitteln führten dazu, dass beim Wiederaufbau 1949 der Mittelrisalit entfiel. An der lang gezogenen Fassade bekamen dadurch die kräftig hervortretenden Eckvorbauten ein ursprünglich nicht beabsichtigtes Gewicht. Wenn auch etwas verfälscht″, so ist das Justizgebäude das einzige Gebäude am Neumarkt, das von der Vorkriegsbebauung übrig geblieben ist. Im Innern ist der Schwurgerichtssaal im zweiten Obergeschoss (Saal 272) wegen seiner Ausmalung besonders sehenswert. Die allegorische Figur der Justitia ist anders als üblich ohne Augenbinde dargestellt. Der Künstler wollte damit andeuten, dass sie zwar auch ohne Ansehen der Person, aber ansonsten unbehindert die Hintergründe eines jeden Falls sieht und abwägt.

Führungen: 14, 15 und 16 Uhr, Dauer jeweils 45 Minuten.

Ledenhof

Mehr Pracht als Macht verbreitet das dritte Gebäude in der Innenstadt, das zu besichtigen ist: der Ledenhof, Am Ledenhof 3–5. Vom ehemaligen Adelssitz der Familie von Leden sind das Steinwerk aus dem 14. Jahrhundert, Wohnhaus oder Palas, und der Treppenturm aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Durch die Umgestaltungen späterer Jahrhunderte steht die Baugruppe heute völlig isoliert da. Ursprünglich war sie umgeben von mehreren Höfen des Adels und reicher Bürgerfamilien, die sich am Südrand der Altstadt befanden.

Und auch der Ledenhof selbst war in seiner Blütezeit im 16. Jahrhundert umfangreicher: Ein rechteckiger geschlossener Hofraum gehörte dazu und ein Torhaus an der Nordseite. Das als Lagerhaus errichtete Steinwerk des Ledenhofs ist das einzige in Osnabrück mit prestigeträchtigen sieben Geschossen. Sicherlich sollte es zu seiner Entstehungszeit im 14. Jahrhundert von Reichtum und Einfluss seines Bauherren, des Weinhändlers Johann von Leden, künden. Der Holzkasten an der Westfassade gilt als Osnabrücks älteste Toilettenanlage. Sie arbeitet nach dem Prinzip des freien Falls mit Luftspülung″. Der achteckige Treppenturm mit einer glockenförmigen Haube umschließt die älteste Spindeltreppe Norddeutschlands.

Mit seinen teilweise erhaltenen Innenräumen ist der Ledenhof einziges verbliebenes Beispiel für Gestalt und Wohnverhältnisse eines wohlhabenden städtischen Patrizieranwesens in Osnabrück. Die farbige Bemalung der Außenwände in Ritztechnik wurde nach erhaltenen Resten rekonstruiert. Das Gebäude gehört heute der Stadt, die es passend zum selbst verliehenen Beinamen Friedensstadt″ seit 2002 an die Deutsche Stiftung Friedensforschung vermietet hat und den Renaissancesaal als Veranstaltungsort nutzt.

Führungen: 11, 14 und 16 Uhr, Dauer je 60 Minuten.

Bildtext:
Früher Bezirksregierung, jetzt Polizeidirektion: der Prachtbau am Heger-Tor-Wall 18.

Stark frequentiertes Denkmal: das Landgericht.

Mehr Pracht als Macht: der Ledenhof.

Fotos:
Michael Gründel

Weitere Angebote zum Denkmalstag

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche Heiliger Georg ist eine Kopie der mittelalterlichen Klosterkirche Kalenic in Serbien. Gebaut wurde sie von 1960 bis 1964, die Krypta entstand von 1975 bis 1977. Bereits 1969 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt.

Die serbische Präsenz in Osnabrück ist eng mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Kriegsgefangenenlager Oflag VIC verknüpft, in dem Bischöfe aus Serbien, Geistliche, Militärs und Offiziere interniert waren.

Die Kirche an der Wersener Straße 85 in Eversburg öffnet ihre Türen am Sonntag in der Zeit von 13 bis 17 Uhr. Stündliche Führungen bietet Dr. Ljelja Slijepcevic an.

Zwei kostenlose Führungen auf Osnabrücker Friedhöfen werden auch angeboten. Auf dem Hasefriedhof erläutert Niels Biewer vom Förderkreis Hasefriedhof–Johannisfriedhof vier Grufthäuser, die dauerhaft erhalten geblieben sind. Sie sind ein Zeichen der Prachtentfaltung und erinnern heute noch an die Familien Wegner, Lepenau, Lienemann und Oehler. Interessierte treffen sich um 10 Uhr, an der Kapelle des Hasefriedhofs.

Um 11.15 Uhr beginnt eine weitere Führung vor der großen Kapelle auf dem Heger Friedhof, Rheiner Landstraße 168. An der großen Kapelle sind die Insignien der Machtentfaltung des Staates abzulesen. Der 1937 gebaute Gebäudekomplex diente auch als Kulisse für groß inszeniertes Abschiednehmen durch die nationalsozialistischen Machthaber und bot durch die Gestaltung des Gebäudes mit Vorplatz viel Fläche für eindrucksvolle Aufmärsche. Anika Groskurt vom Osnabrücker Servicebetrieb wird durch das Gebäude führen und die Geschichte auch anhand vieler historischer Fotos lebendig machen.

Es wird um Spenden für den Erhalt der historischen Friedhöfe gebeten.hpet
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste