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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gleichberechtigung für alle Verkehrsmittel
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Fahrverbote und viele offene Fragen″ (Ausgabe vom 5. September).

In der Politik wird viel taktiert. So auch jetzt beim Dieselgipfel für Kommunen. Die Anhänger einer autofreundlichen Politik lehnen in der Regel jedwede Einschränkung für den Autoverkehr ab. Doch diese radikale Abwehrhaltung wird maskiert durch geschickte Verwendung von politischen Symbolbegriffen.

Sehr beliebt sind zum Beispiel Formulierungen, in denen es heißt, man wolle ideologiefrei über Verkehrsplanung diskutieren. Auto, Rad und Bus müssten zudem gleichberechtigt sein. Eben diese beide Begriffe, ideologiefrei und gleichberechtigt, werden auch im Koalitionsvertrag der neuen NRW-Regierung verwendet. Ist also ein Ideologe, wer sich starkmacht für Radler, Fußgänger und Nahverkehr?

Politisch korrekt ist dieser Vorwurf kaum. Über 40 Jahre haben Politik und Verwaltung das Leitbild der autogerechten Stadt verfolgt. Viele Planer tun es noch bis heute. Ist diese über Jahrzehnte währende und bis heute allgegenwärtige Straßenbaupolitik , ideologiefrei′? Sie steht für Enteignung, Lärmzunahme und landschaftliche Zerschneidung.

Das Leitbild einer menschengerechten Stadt will genau das Gegenteil. Es ist innovativ, visionär und verantwortungsvoll gegenüber unseren Enkeln. Ebenso irreführend ist die Formulierung, man wolle die verschiedenen Verkehrsträger , gleichberechtigt′ behandeln. Maßnahmen zur Förderung von Rad und Bus seien gut, solange sie den motorisierten Individualverkehr (MIV) nicht einschränken.

Mehr Platz für Radler und Fußgänger ist also eine Benachteiligung und damit nicht gerecht. Da drängt sich die Gegenfrage auf: Ist es denn gerecht, dass zwei Drittel der Verkehrsfläche ausschließlich für Autos verwendet werden? Ist es fair, dass ein Wagen so viel Platz verbraucht wie vier Fahrräder und sechs Fußgänger? Und wie gerecht sind die Lärm- und Schadstoffbelastungen der Kraftwagen in unseren Städten verteilt zwischen armen und reichen Menschen?

Ist es fair, dass Radfahren lebensgefährlich ist? Es ist in einer Demokratie berechtigt, Verkehrspolitik durch die Windschutzscheibe zu betrachten. Es ist jedoch ziemlich unverfroren, das als gerecht und ideologiefrei zu bezeichnen.″

Michael Kopatz

Osnabrück

Bildtext:
Das Auto stehe seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der Straßenbaupolitik, meint unser Leser. Radfahrer, Fußgänger und der Busverkehr würden vernachlässigt werden.

Foto:
dpa


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