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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Keine Ähre darf liegen bleiben
Zwischenüberschrift:
August 1917: Schafswolle melden, Kleider flicken, Tannenzapfen sammeln
Artikel:
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Originaltext:
Zu Beginn des vierten Kriegsjahres entbrennt an der Westfront bei Ypern die später so genannte Dritte Flandernschlacht, die mit 600 000 Toten und Verwundeten auf beiden Seiten zu den verlustreichsten des Ersten Weltkriegs gehört. In der Heimat werden derweil Kundgebungen organisiert, die den Durchhaltewillen des Volkes bestärken sollen.

Osnabrück. Zum Eintritt in das vierte Kriegsjahr drucken alle Zeitungen die Botschaft des Kaisers an die Truppe und an sein Volk ab: Wir kämpfen für unser Dasein und für unsere Zukunft mit stahlharter Entschlossenheit und nie wankendem Mut. Mit wachsender Aufgabe wächst unsere Kraft. Wir sind nicht zu besiegen, wir wollen siegen. Gott der Herr wird mit uns sein. Im Felde, den 1. August 1917. Gez. Wilhelm.″

Siegeszuversicht soll die Information verbreiten, dass das von den Mittelmächten (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und andere) besetzt gehaltene Gebiet des Feindes 548 000 Quadratkilometer betrage. Umgekehrt würden die Entente-Mächte nur 16 000 Quadratkilometer halten, die sich zudem durch den Vormarsch im Osten ständig verringerten.

In der Heimat gilt die größte Sorge der Ernährungslage. Die Osnabrücker Zeitung″ ruft alle Schulen auf, ihre Schützlinge zum Nachlesen der Ähren auf die Stoppelfelder zu schicken: Die letzte Hand an die Vervollständigung der Kriegsernte 1917! Die Ernteverluste müssen auf das geringstmögliche Maß beschränkt werden!

Verlustursachen sind bei dem herrschenden Mangel an Feldarbeitern das Liegenbleiben von Ähren auf den Feldern, aber ebenso das Hängenbleiben vieler Ähren an den Bäumen der Wege, die die voll beladenen Erntewagen beim Einfahren nehmen. Es sind große Werte, die vom Verlorengehen bedroht sind, wie die Ergebnisse des Ährenauflesens durch Schulkinder im vergangenen Jahr zeigen″, schreibt das Blatt.

Sorgenvoll wird auch schon auf die kommende Heizperiode geblickt. Die Zeitung schlägt vor, Schulkinder und Ausflügler Kiefernzapfen als Heizmaterial sammeln zu lassen, und zwar sowohl für die häuslichen Öfen als auch für die Eisenbahnen, was die Kohlekontingente für die Wohnungen erhöhen könnte. Man verweist auf Schweden: Dort hat man gute Erfahrungen mit Zapfen zum Heizen der Dampfloks gemacht. Acht Tonnen Zapfen haben denselben Heizwert wie eine Tonne Steinkohle. Die Zapfen werden, um eine zu schnelle Verbrennung zu verhindern, mit etwas Kohle und Koks vermischt.

Schlechte Nachrichten für Kokssammler: Die Königliche Eisenbahnbauabteilung untersagt bis auf Weiteres aus baulichen Gründen″ das Suchen von Koksstücken aus den beim Vorbahnhof Hörne entladenen Aschkästen der Dampfloks.

Das Wittlager Kreisblatt″ beklagt eine bemerkenswerte Rücksichtslosigkeit: In Bad Essen hat man in letzter Zeit mehrfach gesehen, daß Kurgäste, meistens Frauen, sich am Tage spazieren fahren lassen und des Abends mit Gesang zurückkehren. Wenn schon in der jetzigen ernsten Zeit eine Spazierfahrt im allgemeinen wenig Teilnahme an den Sorgen und Nöten der Zeit verrät und gegenüber der jetzt in der Ernte schwer arbeitenden Landbevölkerung, wo Jung und Alt helfen muß, geradezu abstoßend wirkt, so ist es noch ganz besonders schade um die Gespanne, die doch wahrlich wohl in der jetzigen Zeit zu besseren Arbeiten verwendet werden könnten.″ Die Zeitung lobt den Landrat von Hirschberg in Schlesien. Der habe kurzerhand angeordnet, dass Fuhrwerksbesitzer, die ihre Pferde zu Spazierfahrten hergeben, von dem Bezug von Pferdefutter vollständig ausgeschlossen werden.

Nun ist auch der gesamte Wollertrag der deutschen Schafschuren beschlagnahmt und der Bestandserhebung unterworfen, gleichviel ob sich die Wolle auf den Schafen, bei den Schafhaltern oder in den Gerbereien befindet″. An die Kriegswollbedarf-AG zu melden sind reine Schafwolle, Kamelhaar, Mohair, Alpaka, Kaschmir sowie deren Halberzeugnisse. Bislang durften Schafhalter bis zu fünf Kilo Wolle im eigenen Haushalt verarbeiten. Das ist jetzt vorbei. Sie erhalten auf Antrag einen Bezugschein auf Wollgarne über eine Menge, die von der abgelieferten Wolle abhängt.

Es ist heute vaterländische Pflicht, unseren Bestand an Kleidern und Wäsche möglichst lange zu tragen und Neuanschaffungen, wenn irgend möglich, zu vermeiden″, schreibt das Osnabrücker Tageblatt″. Wenn die Hose verschlissen ist, setzt man einen Flicken darauf. Die Zeitumstände verlangen gebieterisch von uns, im Großen wie im Kleinen umzulernen. Die Anschauungen haben sich gewandelt, und niemand braucht sich zu schämen, in geflicktem Kleid oder Anzug einherzugehen, wenn er nur in Bezug auf Sauberkeit nichts zu wünschen übrig lässt″, urteilt die Zeitung. Und weiter: Jeder Hausfrau sollte bekannt sein, daß sich verschiedenes Material an Stoffen zu einem Kleidungsstück zusammensetzen läßt und es dann durch Umfärben auf einen Einheitston gebracht werden kann. Auf diese Weise vermag jede Frau ihrer Kleidung eine ständige Erneuerung angedeihen zu lassen, ohne in den knappen Bestand an neuen Web-, Wirk- und Strickwaren, mit dem unsere Kriegswirtschaft rechnen muß, schädigend einzugreifen.″

An anderer Stelle wird aufgerufen, nicht mehr benötigte Uniformstücke zur Altkleiderstelle zu bringen. Die Bewirtschaftung der Altkleider und alten Uniformen ist zur Streckung der Vorräte und zur Ermöglichung des wirtschaftlichen Durchhaltens von größter Bedeutung. Nichts darf ungenützt im Schranke hängen bleiben, was für die Allgemeinheit verwendet werden kann″, heißt es dazu.

Keine Informationen an den Feind: Das Stellvertretende Generalkommando verhängt das Verbot, Karten und Pläne, die Städte, Eisenbahnen, Häfen und Fabrikanlagen im Maßstab von 1: 100 bis 1: 100.000 darstellen, in Läden, Gastwirtschaften, Lesezimmern und an sonstigen öffentlichen Orten auszustellen.

Die Lebensmittelgeschäfte sind verschiedentlich dazu übergegangen, leere Packungen ins Schaufenster zu stellen, um deren Ausstattung auch in der Kriegszeit aufrechtzuerhalten. Vielfach hat dies aber die Käufer irregeführt und nach vergeblichen Kaufversuchen enttäuscht zurückgelassen. Manche Geschäftsinhaber weisen aus diesem Grunde durch besondere Aufschriften darauf hin, dass die Verpackungen leer sind. Das Kriegsernährungsamt bezeichnet es indes trotzdem als wünschenswert, wenn solche, wenn auch oft unbewusste, Irreführung der Bevölkerung durch Leerpackungen unterbleibt. In Elberfeld hat die Preisprüfungsstelle sogar verboten, Hüllen, Behälter oder Verpackungen ausverkaufter oder für den Verkauf gesperrter Waren auszustellen. Zuwiderhandlungen werden dort mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark geahndet.

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtext:
Alle Generationen helfen bei der Getreideernte in Hollage.
Foto:
Archiv Heimathaus Hollager Hof.
Autor:
Joachim Dierks


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