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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Unter allen Deutschen der beste französische Dichter″
Zwischenüberschrift:
Vor 250 Jahren starb Georg Ludwig von Bar auf seinem Schloss Barenaue in Kalkriese
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der 1701 in Hannover geborene Georg Ludwig von Bar war wenige Jahre vor Justus Möser der einzige überregional beachtete Schriftsteller Osnabrücks. Der klassisch gebildete Adelige entstammte einer der wichtigsten Adelsfamilien des Osnabrücker Landes, die seit Generationen den Erblanddrosten stellte, also den Vorsitzenden der Ritterschaft als Standesorganisation des niederen Adels mit erheblichem politischen Einfluss.

Jura hatte er studiert in Utrecht, Heidelberg und Lunéville, eine Domherrenstelle in Minden erworben und tatsächlich dort einige Zeit auch gelebt, bevor er 1729 in die Heimat zurückkehrte. Nicht Schloss Barenaue in Kalkriese, den Stammsitz der Familie, bezog er, sondern einer der Adelshöfe in der Hakenstraße in Osnabrück wurde für 15 Jahre sein Wohnsitz.

Hier entstanden seine satirischen Epîtres diverses sur des sujets différens″ (Verschiedene Briefe über unterschiedliche Gegenstände), mit denen er 1740 die literarische Bühne betrat und sich den Ruf erwarb, unter allen Deutschen der beste französische Dichter″ zu sein. Selbst der Leipziger Literaturpapst Johann Christoph Gottsched rühmte ihn. Ein zweiter und ein dritter Band sollten 1745 und 1755 folgen, und kaum ein Jahr später lag ohne Zutun des Verfassers eine komplette deutsche Übersetzung vor. Da hielt sich von Bar bereits in Wien auf, nachdem für ein Jahrzehnt Hamburg den Lebensmittelpunkt gebildet hatte, wo an der berühmten Oper sein Pasticcio Il Tempio di Melpomene″ aufgeführt wurde.

Der erfolgreiche Autor fühlte sich als freisinniger Weltbürger, und in der bedeutenden Hansestadt wie in der Hauptstadt der Habsburger wehte ein anderer Wind als in der beschaulichen Hasestadt mit nicht einmal 6000 Einwohnern.

Doch der Aufenthalt in Wien war nicht kulturellen Interessen oder Kontakten zum Hochadel geschuldet, sondern finanzieller Notwendigkeit: von Bar hoffte, wenigstens einige von knapp 50 Prozessen, die teils schon ein halbes Jahrhundert von seiner Familie geführt wurden, beschleunigen und zu einem glücklichen Ende bringen zu können. Viel erreicht hatte er freilich nicht, als er 1758 heimkehrte und nunmehr auf dem Wasserschloss Barenaue lebte. Die finanziellen Verhältnisse blieben prekär, denn die erworbenen wohlklingenden Titel Kurköllnischer Legationsrat″ und Königlich dänischer Konferenzrat″ waren nicht mit Amt und Einnahmen verbunden, und selbst um seine Einkünfte als Domherr in Minden und Propst von Levern musste er prozessieren. Familiär kam es dann beinahe zur Katastrophe, als seine so gebildete wie eigenwillige Tochter ein Verhältnis mit dem bürgerlichen Verwalter der von Bar′schen Güter einging. Weltoffenheit und Toleranz legten schlagartig die Scheuklappen des Standesdünkels an, und der uneheliche Enkel kam schließlich im Haus der Familie Möser zur Welt.

Auch wenn seine Werke weiterhin ins Deutsche übersetzt wurden, konnte von Bar an den literarischen Anfangserfolg nicht anknüpfen. Die Babioles littéraires et critiques″ (Literarische und kritische Kleinigkeiten), die seit 1760 in fünf Bänden erschienen, demonstrierten mehr die unglaubliche Belesenheit ihres Verfassers, als dass sie neues Interesse wecken konnten. Die unbefriedigenden persönlichen Lebensumstände werden in dem einen oder anderen Alterswerk reflektiert, etwa in den Consolations dans l′infortune″ (Tröstungen im Unglück), und wohl nicht zufällig setzte er sich in seinem Anti-Hegesias″ mit dem Selbstmord auseinander. Zunehmende gesundheitliche Probleme kompensierten am Ende die deutliche Verbesserung seiner materiellen Situation, wie Justus Möser berichtet: Zwey Jahre vor seinem Tode erbte er seiner Brüder Güter im Hildesheimischen; aber ohne das Vermögen zu haben, der Welt noch zu genießen. Es kostete ihm Mühe, ein Glas Wein herunter zu bringen.″

Schlussendlich sorgte Justus Möser für eine angemessene Todesanzeige in der Allgemeinen deutschen Bibliothek″ der renommiertesten Rezensionszeitschrift der deutschen Aufklärung: Den 6ten August 1767 ist der Hochwürdige und Hochwohlgebohrne Freiherr, Herr Georg Ludewig von Bar, Dom-Senior zu Minden, des Hochstifts Osnabrück Erb-Land-Drost […] an einem Schlagfluß in seinem 66sten Jahre auf seinem Gute Barenau im Stifte Osnabrück gestorben. Seine Titel und Güter haben ihn nicht so berühmt gemacht, als seine Epîtres diverses.″

Bildtext:
Porträt Georg Ludwig von Bars (aus dem Bestand des Kulturgeschichtlichen Museums).

Foto:
Christian Grovermann
Autor:
Martin Siemsen


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