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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mediterranes Flair bei der 17. Osnabrücker Kulturnacht
 
Wundersame Wortspiele
 
Eine Erde, zwei Feinde
 
Thesentüren wie bei Luther
Zwischenüberschrift:
„Die unendliche Bibliothek″ auf dem Markt und eine Stippvisite bei der Bildenden Kunst
 
Rundgang zu Theaterdarbietungen und einer Gedichtslesung
 
Reformationsjahr und Literatur bei der Kulturnacht
Artikel:
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Originaltext:
Einen Sommernachtstraum mit warmen Temperaturen, üppiger Bewirtung im Freien und offenen Türen zu rund 100 kulturellen Angeboten erlebten rund 30 000 Besucher der 17. Osnabrücker Kulturnacht in der Innenstadt. Die zentrale Veranstaltung auf dem Markt bestritten in diesem Jahr der Künstler Volker-Johannes Trieb und Schauspieler Ruben Zumstrull mit ihrer Unendlichen Bibliothek″. Auf einem der Baumstämme, die zu Natur-Bücherregalen umgewandelt worden waren, thronte Zumstrull (im Bild) und deklamierte seine Hommage an den argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges und dessen Erzählung Die Bibliothek von Babel″. Darin wurde er mit Anbruch der Dunkelheit von riesigen Laser-Buchstaben auf den Marktfassaden poetisch unterstützt.

Foto:
Swaantje Hehmann

Eine samtweiche, warme Sommernacht verzauberte die Osnabrücker Innenstadt zum Bild des Friedens: Überall schlenderten entspannt Menschen zu den rund 100 Veranstaltungen der Kulturnacht (um die 30 000 Besucher) und ihrem großen Thema: das Wort.

Osnabrück. Wer kennt Tim Guck-auf-das-Smartphone? Während der Kulturnacht konnte man ihn kennenlernen, den modernen Bruder von Hans-guck-in-die-Luft, der vor lauter Faszination für sein elektronisches Kommunikationsgerät in den Abgrund läuft.

Ruben Zumstrull, der auf dem Markt seine Unendliche Bibliothek″ eröffnete, stellte Tim Guck-auf-das-Smartphone vor, derweil es sich seine Zuhörer auf den Baumstämmen gemütlich gemacht hatten, die Volker-Johannes Trieb zu Natur-Bücherregalen umfunktioniert hat. Mit expressiver Mimik, geradezu theatralisch, trug Zumstrull auf seinem Baumthron sitzend die Hommage an den argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges und seine Erzählung Die Bibliothek von Babel″ vor.

Allerdings ließ sich manch ein Besucher nicht von seinem Vortrag beeindrucken: Zum Teil wurden die Gespräche der Zuschauer″ so laut geführt, dass man die eher leise übertragenen Worte Zumstrulls nicht mehr verstehen konnte. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die poetische Atmosphäre von riesigen Buchstaben unterstützt, die per Laserprojektion über die Fassaden des Rathauses, der Stadtwaage und der Marienkirche schwebten. Den Literaturperformer musste man allerdings suchen, der seine Worte über die Unendlichkeit, über das Verstehen und über seine Flucht aus einer Welt, die sich im Verfall befindet, ins Mikrofon sprach. Kein Lichtstrahl hob den Künstler unter einem blauen Laserhimmel als Urheber des gesprochenen Wortes hervor.

Wo entstehen Worte?″, fragte derweil Heinz-Jürgen Myl in seinem Atelier an der Großen Domsfreiheit. Nicht im kleinen Zeh″, beantwortete er seine Frage selbst und reihte inmitten historischen Gemäuers allerlei Köpfe und Masken als Zeichen dafür, dass das Wort, inhaltlicher Schwerpunkt der Kulturnacht, in der Regel dem menschlichen Kopf entspringt. Direkt nebenan bewies Manfred Heinze das Gegenteil: Per Computer hatte er fantasiereiche Passwörter generiert, die er per Schablone auf von ihm vorgefertigte Bilder aufzeichnete. Für jeden zum Mitnehmen.

Staunen durfte der Kulturnacht-Gänger vor der Kunsthalle. Während man dort auf seine Currywurst wartete, fielen einem Zitate von Joseph Beuys, Salvador Dalí, Albrecht Dürer und anderen ins Auge, die hier mit Filzstift auf Tresen und Budenverkleidung geschrieben worden waren: eine Kooperation des Osna Grill an der Iburger Straße mit der Künstlerin Roxy in the Box, die rund um den Rosenplatz Künstlerporträts an Hausfassaden drapierte.

In der Kunsthalle konnte man erstmals die Resultate des Aufrufs anschauen, sich die Kunstwerke per Selfie oder eigener Performance anzueignen.

Nicht im Programmfaltblatt verzeichnet war eine Galerie, die erst vor drei Wochen in der Heger Straße eröffnet hat. Hier konnte der Besucher die Künstlerporträts von Thomas Jankowski finden, der seine Bilder mit Zitaten markiert: So schauen dem italienischen Maler Amadeo Modigliani zwei sehr berühmte Frauen über die Schulter, und am verzwirbelten Schnäuzer von Salvador Dalí hängt eine surrealistisch zerlaufende Taschenuhr.

Interkulturelle Kunst im BBK Kunst-Quartier, im Streetart-Stil gesprühte Worte von Thore in einem Innenhof, konkrete Textgrafik von Günter Grobel: Viele Künstler hatten sich aus ihrer ganz eigenen Perspektive dem Motto angenähert und boten viele Anreize, auf Entdeckungstour durch die Innenstadt zu flanieren.

Weitere Berichte,

eine Bildergalerie und zwei Videos finden Sie auf noz.de

Bildtext:
Nach den Buchtiteln schauen die einen, als Sitze nutzen andere die Baumstämme der Unendlichen Bibliothek″ auf dem Markt.
Foto:
Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die Innenstadt zeigte sich für die Kulturnacht von ihrer denkbar besten Seite. Die Türen zu herausgeputzten, stilvoll dekorierten oder künstlerisch gestalteten Geschäften oder Kulturstätten aller Art standen einladend offen. Viel mehr Sitzgelegenheiten und Gastronomie als sonst im Freien luden zum Verweilen, wurden mit Freuden genutzt und verliehen der Stadt mediterranes Flair.

Am frühen Abend ertönte hier mal eine Querflöte, dort eine dezente oder auch mal fetzigere Musikdarbietung. Von Trubel und lautem Getöse aber keine Spur. Bierbänke auf dem sonst leeren Theatervorplatz, Menschen, die sich auf die Eingangtreppe des Theaters gesetzt hatten, um zu schauen, zu reden oder eine kulinarische Leckerei zu genießen: Wer die Innenstadt zu Fuß oder per Fahrrad umrundete, erlebte eine Atmosphäre stadtbürgerlicher, friedlicher und einiger Geselligkeit wie selten. Solche Impressionen sind wichtig in unseren unruhigen Zeiten.

Erst im Lauf des Abends füllte sich die Innenstadt deutlich stärker mit Besuchern und Sitzplätze in den Veranstaltungsorten wurden rar. Doch die Kulturnachtsbesucher lauschten auch im Stehen mit Geduld: etwa im Friedenssaal des Rathauses den Stadtspielern, die den Friedensschluss am Ende des Dreißigjährigen Kriegs mit prachtvollen historischen Kostümen und trefflicher Mundart nachspielten. Auch wenn ihr Andocken an das Kulturnachtsmotto mit ihrem Wort zum Friedensschluss″ doch etwas beliebig erschien.

Sympathisch und intim ging es im Atelier von Sybille Hermanns in der Lohstraße zu, neben den Farbräuschen der Malerin. Autorin Sabina Ide und Schauspieler Rainer Galke zelebrierten Macht und Ohnmacht des Wortes und die Wortlosigkeit der Kunst in Text und Pantomime, aber ohne bleibenden Erkenntnisgewinn. Wie manches andere auch aus dem Theaterbereich, auch wenn natürlich nur ein Bruchteil der riesigen Veranstaltungsfülle besucht werden konnte.

Wirklich etwas zu sagen hatten im Stadtgaleriecafé die bewegenden Gedichte von Geflüchteten oder Migranten, die alle seit Kurzem oder schon länger in Osnabrück leben. Die vom Osnabrücker Exil-Verein engagiert und eindrucksvoll auf die Beine gestellte Veranstaltung war eine der inhaltlich ertragreichen Beiträge des Abends zum Thema Wort.

Zumal hier nicht nur die erst neunjährige Ella Marina Boltres aus Rumänien sogar auf Siebenbürgisch-Sächsisch ein sprachlich und metaphorisch hinreißendes Gedicht auf die Sehnsucht nach dem Fliegenkönnen vortrug, sondern die Dichter und Musiker ihr liebstes oder schwierigstes deutsches Wort zum Besten gaben: Streichholzschächtelchen″ amüsierte da oder Wortungetüme wie Donaudampfschifffahrtsgesellschaft″ oder Immatrikulationsbescheinigung″.

Den preisgekrönten syrische Schriftsteller Hasan Alhasan schmerzen in seinem Gedicht die Clans, wenn sie aus der gleichen Erde zwei Feinde erschaffen″.

Bildtext:
Hasan Alhasan hat sich mit Literaturpreisgeld aus dem Gefängnis des Assad-Regimes freikaufen können.
Foto:
Hehmann

Osnabrück. So könnte es geklungen haben, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg nagelte. Immer wieder tönt ein Hammergeräusch über den Domplatz. Denn die Besucher sind aufgefordert, eigene Thesen an eine Bürgertür″ zu schlagen. Frieden″ wird da auf einem Zettel gefordert, aber auch mehr Bildung oder die Nähe zum Dom dürfte eine Rolle spielen – „ Frauenweihe, subito″.

Die Bürgertür″ gehört zum von der Bohnenkamp-Stiftung geförderten Projekt Türen in die Zukunft″ anlässlich des Reformationsjahres. Schüler und Schülerinnen aus Stadt und Landkreis Osnabrück haben ihre eigenen Thesentüren″ gestaltet. 40 Schulen von der Grund- bis zur Berufsschule haben 49 Türen gestaltet, auf denen sie Missstände anklagen und Forderungen für eine bessere Welt stellen. Besonderer Hingucker ist die Tür der Berufsbildenden Schulen Pottgraben, die sie als Brücke zwischen den Kirchen quergelegt haben. Achtung! Ökumenische Zone″ warnen sie augenzwinkernd.

Mit den Thesentüren″ greift die Kulturnacht das Thema 500 Jahre Reformation″ auf. Der wortgewaltige Luther passt schließlich zum Motto Wort″. Ebenso wenig fehlen darf da die Literatur. Das Spiel mit Sprache ist in vielfältiger Weise ins Programm eingebunden. Im Treppenhaus der Stadtbibliothek tragen die Schauspieler Herr Geese und Frau Habucht″ alias Reinhard Gesse und Britta Habuch Texte vor, die ihnen die Zuschauer mitbringen. Und das Ungeprobt″, wie der Titel es will. Da werden sie schon mal überrascht von Bedienungsanleitungen und hessischen Schimpfwörterbüchern.

Vor der Bibliothek reihen sich Wörter″ wie Liebe″ und Freude″ auf einer Leine aneinander. Aufgehängt haben sie die Besucher der Kulturnacht und folgen damit der Aufforderung von FSJlerin Franca Heuer, ihre Lieblingswörter aufzuhängen. Das Ganze hat Hintersinn. Heuer will hinterfragen, was Sprache ausdrücken kann, und hat auch Tafeln mit sprachkritischen Gedichten aufgestellt.

Wortkunst gehört zu jeder Kulturnacht. So ist Iris Krüninger als Gedichtbox″ zwar nicht zum ersten Mal dabei. Doch selten hat es sich besser eingefügt, dass ihre Zuhörer sich Gedichte von Mascha Kaléko, Ernst Jandl, Rainer Maria Rilke oder Friederike Mayröcker wünschen dürfen. Die Gedichtbox″ rezitiert sie in den Altstädter Bücherstuben auf Bestellung alle mit Witz und Hintersinn.

Wie viel Sogkraft Märchen haben, zeigt das Erzähltheater Fabulart aus Hamm auf dem Vordemberge-Gildewart-Platz. Einige Zuhörer kehren mehrfach zurück, um die Märchen von Erzählerin Tanja Schreiber zu hören. Auch das wiedervereinte Morton-Wübker-Kollektiv passt zum Motto. Nicht nur, dass Thomas Wübker beim Auftritt auf dem Heger Tor aus seinem Buch Herrengedeck und Herzenswärme″ liest. Das Duo, zu dem Tex Morton gehört, entlarvt mit freien Übersetzungen die Texte von Musikern wie Bill Haley.

Bildtext:
Neue Worte haben Kulturnachtsbesucher vor der Bibliothek an die Wäscheleine gehängt.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Tom Bullmann, Christine Adam, Anne Reinert


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