User Online: 1 | Timeout: 02:24Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück als Vorbild für China
Zwischenüberschrift:
Delegation aus Hefei informiert sich über die Wasserwirtschaft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrücks Freundschaftsstadt Hefei will in Sachen Wassermanagement den großen Sprung nach vorn machen. Eine fünfköpfige Delegation weilte in dieser Woche für einen Tag in Osnabrück.

Osnabrück. Zentrale Programmpunkte der Visite waren die Fließgewässerentwicklung im urbanen Städtebau″ am Beispiel der Hase und die Abwasserbehandlung am Beispiel des Klärwerks in Eversburg.

Der Vizeoberbürgermeister der Sieben-Millionen-Stadt Hefei, Wang Minsheng, führte die Delegation an, der außerdem fünf Herren aus der städtischen Wirtschaftsförderung und Technologieentwicklung angehörten. Begleitet wurden sie vom Dolmetscher Jianan Sun aus Hefeis Verbindungsbüro in Hannover, der in Osnabrück schon ein guter alter Bekannter ist und superkorrekt mit Osnabrück-Krawatte auftrat.

Am 2009 erneuerten Wehr der Neuen Mühle gegenüber dem Alando begann bei herrlicher Mittagssonne der Informationsgang entlang der Hase. Christiane Balks-Lehmann vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz und zugleich Leiterin des Projekts Lebendige Hase″ erklärte den Gästen die bereits seit 20 Jahren laufenden Bemühungen der Stadt, den Fluss im urbanen Umfeld zu entwickeln als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, aber natürlich auch für den Menschen im Sinne der Naherholung.

An der Neuen Mühle bot sich die Gelegenheit, den sogenannten Fisch-Kanu-Pass zu besichtigen. Er stellt die ökologische Durchgängigkeit des Flusses her. Ohne diesen Bypass stünde das Wehr den Fischen bei ihren Wanderungen als unüberwindbare Barriere im Wege, die Erhaltung der Artenvielfalt wäre bedroht. Aber auch Kanuten schätzen den Durchlass, weil sie ihr Boot nicht mehr um das Wehr herumtragen müssen.

Interessiert beäugten die Gäste einen großen Käfig am Kranhaken. Keine Angst, der ist nicht für unsere Besucher″, meinte Balks-Lehmann launig, was bei denen große Heiterkeit auslöste. Sie erklärte, dass der Käfig in den Fischpass abgesenkt werden kann, um mittels der darin aufgespannten Reuse die wandernden Arten bestimmen zu können als Kontrolle der Wirksamkeit.

Beim Gang auf dem Haseuferweg fiel den Gästen als Erstes auf, wie sauber der Fluss ist. Einer fragte, ob er sogar Trinkwasserqualität habe. Nein, stellte Balks-Lehmann klar, das nun doch nicht. Das sei auch gar nicht erforderlich, denn Osnabrück verfüge über sehr viel und gutes Grundwasser.

Die Gäste schilderten vergleichsweise ihre heimischen Probleme: Die drei großen Flüsse im Stadtgebiet von Hefei seien stark verschmutzt, viele Haushalte ließen ihr Abwasser ungeklärt hinein, der Bau zentraler Kläranlagen komme nicht hinterher, und zudem liefe aus den Oberläufen der Flüsse nicht genug Frischwasser nach. Balks-Lehmann wies darauf hin, dass die Hase auch nicht immer so sauber gewesen sei. In den Hochphasen der Industrialisierung habe man sich zunächst keine Gedanken um die Reinhaltung des Wassers gemacht. Erst in der Nachkriegszeit hätte sich die flächendeckende Klärung aller Abwässer durchgesetzt.

Attraktivität gesteigert

Lutz Vorreyer, der Brückenfachmann im städtischen Fachbereich Verkehrsanlagen, wusste viele Details zum Bau des Haseuferwegs beizusteuern. Zwischen Heinrich-Heine-Straße und Wittekindstraße ist er über weite Strecken aufgestelzt, weil die Enge der Uferbebauung keine andere Lösung zugelassen habe und dadurch jedenfalls kein Grunderwerb nötig war. Die Attraktivitätssteigerung des Flussraums habe bereits private Folgeinvestitionen ausgelöst, wie bei dem Flussbalkon der Völkerschule und der Gastronomie-Terrasse des Hasehauses zu besichtigen war.

Bewunderung lösten die vielen Bäume an den Flussufern auch im verdichteten innerstädtischen Abschnitt aus. Die Chinesen erkundigten sich, welche Baumarten denn die wechselnden Wasserstände am besten tolerieren würden. Antwort: Erle, Pappel und Weide. Der Flussabschnitt zwischen Wittekindstraße und Georgstraße war das geeignete Anschauungsobjekt, um den Gästen zu erklären, dass auch in Osnabrück die Hase nicht immer hoch im Kurs stand. Vor 50 Jahren ließ man sie unter einem Betondeckel verschwinden, und erst seit den 1990er-Jahren wurde sie schrittweise wieder geöffnet.

Am Vormittag hatte der Leiter des Betriebsteils Entwässerung der Stadtwerke, Jürgen Peters, die Delegation durch das Klärwerk Eversburg geführt. Wir haben hier keinerlei Geheimnisse, sie können alles sehen und fotografieren″, stellte Peters gleich zu Anfang klar. Besonderes Interesse erweckte die Faulgasverwertung durch Verstromung in den vier klärwerkseigenen Blockheizkraftwerken. Da wurde eifrig diskutiert und geknipst. Erstaunlich fanden die Gäste auch die exakte Trennung der Abwässer gemäß den unterschiedlichen Reinigungsstufen, die sie durchlaufen haben. Hefeis Vizeoberbürgermeister lud Peters zu einem Gegenbesuch in China ein.

Ein Empfang im Friedenssaal durch Bürgermeister Burkhard Jasper rundete den Besuch ab. Vizeoberbürgermeister Minsheng brachte zum Ausdruck, dass der Frieden zwischen den Völkern eine gute Lebensgrundlage voraussetzt, und die sei ohne Umwelt- und Naturschutz nicht denkbar. In Hefei verfolge man sehr gern die Osnabrücker Erfahrungen mit dem Wassermanagement. Minsheng bot an, den Erfahrungsaustausch der Experten beider Seiten auf Arbeitsebene aufzunehmen.

Bildtext:
Die Delegation aus Hefei erfuhr unter anderem, dass das Wehr der Neuen Mühle für das Osnabrücker Wassermanagement eine wichtige Funktion hat.

Foto:
Egmont Seiler
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste