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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Es war nur Schrott
Zwischenüberschrift:
Nach abgesagter Bombenräumung: Aufräumarbeiten an der Bramscher Straße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bauschutt statt Bombenblindgänger: Der Kampfmittelräumdienst hat an der Bramscher Straße in Osnabrück Ziegelsteine, Holz und Eisenteile gefunden. Nach der abgesagten Evakuierung stehen nun Aufräumarbeiten an.

Osnabrück. Am Tag der geplanten Bombenentschärfung läuft an der Bramscher Straße in Osnabrück schon der Rückbau: Ein letztes Team des Kampfmittelräumdienstes verfüllt die fünf Meter tiefen Löcher mit Erde. Anschließend wird die eigens aufgestellte Containerwand wieder abgebaut, die im Falle einer Detonation eigentlich angrenzende Wohnhäuser hätte schützen sollen. Solche Sicherheitsvorrichtungen werden nicht mehr gebraucht.

Denn die für Dienstagabend geplante Entschärfung zweier möglicher Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg wurde abgesagt. Was bei routinemäßigen Bodensondierungen im Vorfeld einer Kanalsanierung der Stadtwerke gefunden worden war, stellte sich als 100 Jahre alter Bauschutt heraus. 1913 wurde der Kanal in dem Bereich verlegt, danach war niemand dort unten″, sagt Jürgen Wiethäuper vom zuständigen Fachbereich der Stadt.

Beim historischen Kanalbau wurde nach heutigem Maßstab offenbar recht schlampig gearbeitet: An einer der beiden Verdachtsstellen fand der Kampfmittelräumdienst eine Holzkonstruktion, die zur Absicherung der Baugrube gedient haben dürfte, und Ziegelsteine. Die wurden von den Arbeitern damals wohl einfach in die Baugrube geworfen″, vermutet Wiethäuper. Bei der magnetischen Sondierung fielen sie demnach auf, weil sie mit Schlacke oder Erzen versetzt sind.

Nicht genau konnte Wiethäuper identifizieren, was das verdächtige Messergebnis an der zweiten Verdachtsstelle ausgelöst hat. Auf Anfrage unserer Redaktion beschrieb er ein großes, massives Metallteil: Es steckte teilweise noch im Erdreich, da mussten wir unsere Neugierde zügeln und haben entschieden, es nicht auszugraben.″ Damit nachfolgende Generationen das Teil nicht wieder für eine Bombe halten, wird der Fundort im sogenannten Kampfmittelkataster der Stadt verzeichnet.

Fast 3000 Verdachtsstellen sind darin gelistet. Sie wurden seit dem Jahr 2000 systematisch analysiert. In 200 Fällen konnten so Kampfmittel gefunden werden, erklärt Wiethäuper. Das Register werde allerdings erst seit Mitte der 90er-Jahre geführt. Unterlagen, die weiter zurückgehen, wurden vernichtet, als die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten ausliefen. Heute fehlen uns deshalb wichtige Informationen″, so Wiethäuper. An manchen Verdachtsstellen findet er nur noch die Außenhülle einer Bombe, der Zünder wurde bereits entfernt. Dann wissen wir: Es war jemand vor uns da″, sagt er.

Die Suche nach weiteren Blindgängern könnte seiner Meinung nach noch Jahrzehnte dauern. Erst die Hälfte des Stadtgebiets sei bisher untersucht worden. Auch an der Bramscher Straße ist die Gefahr noch nicht gebannt: Die Bodensensoren kommen laut Wiethäuper immer nur in einem kleinen Bereich vor der wandernden Baustelle zum Einsatz: Es kann uns natürlich passieren, dass wir 50 Meter weiter wieder etwas finden.″

Dass es dazu nicht kommt, hoffen die Tiefbauer der Stadtwerke, die möglichst schnell mit der Kanalsanierung an der Bramscher Straße weitermachen wollen. Die Gesellschaft wird nach dem niedersächsischen Runderlass zur Kampfmittelbeseitigung als Bauherr ohnehin an den Kosten der Bombenräumung beteiligt. Wie genau, das steht laut Wiethäuper noch nicht fest: Wir klären das, wenn alle Rechnungen auf dem Tisch liegen.″ Immerhin handele es sich bei dem Fundort ja um eine öffentliche Baustelle entsprechend sei der Aufwand deutlich geringer als bei vergleichbaren Maßnahmen in privaten Gärten. Es müsse zunächst nur dafür gesorgt werden, dass die Baufahrzeuge wieder rollen können.

Bildtext:
Das Loch muss zu: Damit an der Bramscher Straße bald die Kanalarbeiten weitergehen können, wird die vermutete Bombenfundstelle mit Erde verfüllt.

Foto:
Louisa Riepe
Autor:
Louisa Riepe


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