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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Es geht um den Herrenteichswall
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Es geht um den Herrenteichswall - von Horst Höweler

Es geht um den Herrenteichswall! Ein alarmierender Satz. Kurz   und präzise - so scheint es. Aber Emotionen haben nun einmal den Nachteil, daß sie Nüchternheit und Sachlichkeit vernebeln. Die an sich erfreulich öffentliche Diskussion um den Herrenteichswall - zeigt sie doch, daß die Menschen in Osnabrück mit dieser Stadt, ihrem Gestern und ihrer Zukunft leben - ist in den letzten Wochen ein wenig aus dem Gleis gerutscht. Dieser Beitrag ist der Versuch einer Klarstellung.
Zunächst: Es ist falsch, daß die " Vernichtung oder Zerstörung des Herrenteichswalles" bereits beschlossene Tatsache ist.
Es ist vielmehr richtig, daß sich der Sanierungsbeirat mit diesem Teilabschnitt der Stadtsanierung in verschiedenen Sitzungen beschäftigt hat, ohne bisher in dieser spezifischen Frage zu einem endgültigen Ergebnis gekommen zu sein. Und selbst wenn der Sanierungsbeirat sich zu einer Entscheidung bekennen sollte (was bei der Konstruktion dieses Beirates nicht unbedingt notwendig ist), so liegt selbstverständlich das letzte Wort beim Rat der Stadt Osnabrück, für den der (mögliche) Beschluß des Sanierungsbeirates die Form einer Empfehlung hat.
Es ist zweitens falsch, daß - wenn der von der Neuen Heimat und der Verwaltung der Stadt initiierte Plan A mit der Weiterführung des Nonnenpfades, dem Durchbruch durch den Herrenteichswall, der Überbrückung der Hase mit Zielrichtung auf die Hasestraße in Höhe der Lohstraße verwirklicht werden sollte - die Zerstörung des Herrenteichswalls erfolgt.
Richtig ist vielmehr, daß fünf Sechstel des Herrenteichswalles unangetastet bleiben: der gesamte Abschnitt zwischen dem Haarmannsbrunnen und dem jetzigen Fußgängeraufgang in Verlängerung des Nonnenpfades, also die gesamte Wallanlage mit der zur Ostseite sichtbaren Mauer. " Angetastet" wird lediglich der Abschnitt in der Zone des Lyradenkmals, wo sich der Herrenteichswall zur Pernickelmühle hin abflacht.
Es ist unbestritten, daß auch dieser nur ein Sechstel des Herrenteichswalles berührende Einschnitt eine erhebliche Veränderung des jetzigen Bildes bedeutet: der Nonnenpfad wird in Richtung auf den Herrenteichswall ausgebaut, der Weg über den Herrenteichswall erhält eine über die neue Verkehrsstraße hinweg führende Brücke, die Weiterführung des Nonnenpfades in Richtung auf die Hasestraße (Einmündung in Höhe der Lohstraße) bedingt eine " Parallel-Brücke" Zur Fußgängerbrücke am Pernickelturmüber die Hase.
Zweifellos also: eine erhebliche Veränderung, ein " Einbruch in das historische Stadtbild". Sehr vergröbert ergibt sich aus dieser Situation der gegensätzliche Standpunkt von Traditionalisten und Modernisten. Die einen: ein unwiederbringlicher, nicht zu verantwortender Verlust. Die anderen: bei diesen Veränderungen ergeben sich einmalige Möglichkeiten aus dem zu erreichenden Zusammenklang von historischem Stadtbild und modernen (nicht nur architektonischen) städtebaulichen Gestaltungsmitteln.
Aber der Streit um den Herrenteichswall hat nicht nur diese - wenn man so will - ästhetische Seite. Auf der anderen Seite der Münze stehen die Probleme der Sanierung und des Verkehrs. Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, daß der nördliche Teil der Altstadt in den letzten Jahren erheblich an Attraktivität verloren hat. Eine bessere Durchblutung, eine größere Atemfreiheit ist immer wieder (mit Recht) gefordert worden. Der entscheidende Nachteil dieser Altstadt-Zone: keine leistungsfähige Verkehrsanbindung an den Inneren Stadtring zwischen Berliner Platz und (selbst das nur mit erheblichen Einschränkungen) Rißmüllerplatz.
Hinzu kommt, daß - wenn dieses Problem angefaßt wird - in einem Zuge auch die Anbindung des nordwestlichen Stadtteils (Haste-Dodesheide) an den Inneren Ring gesehen werden muß, weil sonst der Vorwurf nur " halber Lösungen" unvermeidbar wäre. Der von der Stadtverwaltung und der Neuen Heimat vertretene Plan griff dabei die bereits seit längerer Zeit bestehenden Planungen auf, die Knollstraße zügiger als bisher über die Klosterstraße und den Nonnenpfad zu führen und hier eine verkehrsgerechte Verbindung mit der Liebigstraße zu schaffen. Der Ausbau der jetzigen Einmündung des Nonnenpfades in den Karlsring zu einer Kreuzung mit einer Weiterführung in die zu sanierende Altstadt war und ist - greift man nur die verkehrliche Sanierung als Problemstellung heraus - eine konsequente Weiterentwicklung.
Aber - und das ist die augenblickliche Situation der Debatte - am Herrenteichswall scheiden sich die Geister. Zwar ist unbestritten, daß der Nordwesten einen besseren Verkehrs-Zugang zur Innenstadt haben muß als bisher, zwar ist unbestritten, daß der nördliche Altstadtbereich verkehrsmäßig besser erschlossen werden muß, aber - so, wieder stark vergröbert, die Traditionalisten: - ohne daß dem Herrenteichswall ein Stein gekrümmt wird.
Der Plan B, der auf eine Initiative des Ratsherrn Möller zurückgeht, will es möglich machen: mit einer Weiterführung der Knollstraße über die Ziegelstraße, mit einer Unterquerung des Bahndammes und einer neuen Brücke über die Hase zwischen der Pernickelmühle und der Angers Brücke (Brücke der Hasestraße zum Hasetor). Und an dieser Stelle muß mit allem Nachdruck gesagt werden, daß dieser " private Plan" keineswegs abgewürgt oder heruntergespielt wird, sondern daß im Gegenteil von der Stadtbauverwaltung alles getan worden ist, um aus vagen Planungsvorstellungen eine konkrete, diskussionsreife Planungsunterlage zu machen - als Gegenstück zum " eigenen Plan".
Allerdings: Die verkehrlichen Nachteile diese Planes B sind gravierend. Von den zu überwindenden Höhenunterschieden von der Knollstraße bis zur Unterquerung des Bahndammes im Bereich   der Ziegelstraße einmal abgesehen, gibt es bei einer Verwirklichung dieses Planes zwischen der Einmündung des Nonnenpfades (die ja bleiben würde) und dem Vitihof/ Stüvestraße eine derartige Häufung von Kreuzungen und Einmündungen, daß von einem Verkehrsfluß auf dem Inneren Stadtring in Zukunft wohl kaum noch die Rede sein kann. Ganz zu schweigen von dem Abschnitt der Hasestraße zwischen Lohstraße und Hasebrücke, der wohl ziemlich eine " tote Straße" werden wird.
Trotzdem: Stadtbaurat Crumme versicherte uns in einem Gspräch, daß in den nächsten acht Wochen eine genaue Untersuchung beider Lösungen durchgeführt wird, sowohl in verkehrstechnischer Hinsicht als auch bezüglich der Gestaltungsmöglichkeiten. Es soll alles geschehen, um die   Gegebenheiten für die öffentliche Diskussion zu objektivieren   Vor allem aber dürfte jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, da a   die Stelle von Emotionen die sachliche Argumentation treten   muß, da nicht das Gefühl, sondern der Gewichtigkeit der   Vorrang eingeräumt werden muß.
Wer die Akzente richtig setzen will, muß den gesamten Fragenkomplex berücksichtigen, der zur Lösung ansteht. Die größte Schwierigkeit bereitet dabei den Stadtplanern, daß ihre Kritiker wohl sehen, welchen (augenblicklichen) Verlust ein Eingriff in das Stadtbild bringt, daß aber zumeist nicht gesehen wird, daß eine Veränderung durchaus auch ihre städtebaulich positiven Folgen haben kann. Hier sei nur an die " neue Landschaft" vor dem Heger Tor erinnert, die im " Planungszustand" fast nur auf Ablehnung stieß, heute aber - auch von Traditionalisten - durchaus als ein Gewinn für das Stadtbild empfunden wird.
Es bleibt festzuhalten: Entschieden ist noch gar nichts. Die Planungen und auch - sicherlich! - die öffentliche Diskussion gehen weiter!


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