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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kottmann versorgt Region mit Eiern
Zwischenüberschrift:
Geflügelhof in Sutthausen mit Wintergarten und Obstwiese
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein Stall, ein Wintergarten und eine sattgrüne Obstwiese: Hier leben rund 2500 Legehennen. Freilandhaltung nennt der Gesetzgeber diese Art der Eierproduktion, wie sie Bauer Kottmann in Osnabrück-Sutthausen pflegt.

Die Hühner haben viel Auslauf. Das unterscheidet sie von ihren Artgenossen, die in Bodenhaltung ohne Auslauf leben. Bauer Kottmann das ist die Marke, unter der das Familienunternehmen braune Eier auf den Markt bringt. Sie sind in 6er- und 10er-Faltschachteln in Supermärkten zu haben. Die Größensortierungen gehen von M bis XL. Jedes Ei kann bis in den Legestall zurückverfolgt werden der rote Zahlencode durchleuchtet den Legeprozess. Die erste Zahl des zehnstelligen Codes steht für die Haltungsform, bei Bauer Kottmann ist das die Eins (für Freilandhaltung). Das folgende DE steht für Deutschland, zwei weitere Zahlen für das Bundesland, in diesem Fall die 03 für Niedersachsen. Die folgenden vier Zahlen stehen für den Betrieb, die letzte Zahl für den Stall, in dem die Henne das Ei gelegt hat. Kottmanns Hühnereier tragen die Nummer: 1DE0351231.

Nicht jeden Tag ein Ei

Kottmanns Kunden dürfen sichergehen, dass sie übers Jahr immer frische Hühnereier geliefert bekommen. Um das zu gewährleisten, hat der Geflügelhof seine Hühnerschar auf mehrere Ställe aufgeteilt, in denen bis zu 3000 Legehennen ausreichend Platz haben. Die Hybridrassen, die auf reine Legeleistung gezüchtet worden sind, bringen im ersten Jahr sehr gute Erträge, legen aber beileibe nicht jeden Tag ein Ei, wie Kottmann schmunzelnd erzählt. Im zweiten Lebensjahr läuft die Eiproduktion bei diesen Hühnern aus. Ihr Fleisch wird dann in der Lebensmittelindustrie verarbeitet zu Salaten und Suppen. Ist der Stall geräumt, steht eine Generalreinigung mit Desinfektion an, bevor junge Legehennen Einzug halten.

Der jüngste Eierskandal hat Kottmann erschreckt. Er sorgt selber für notwendige Stallhygiene und hat deshalb gleich nach den ersten Meldungen, dass in Hühnerställen das giftige Insektizid Fipronil zur Desinfektion eingesetzt wurde, seine Mittel überprüft. Wir verwenden keine verbotenen Insektizide″, sagt der Landwirt: Ich glaube, dass kleine Direktvermarkter wie wir nicht betroffen sind.″ Kottmann geht beispielsweise gegen Milbenbefall in den Ställen mit Silicatstaub vor, der dem Ungeziefer die Flüssigkeit entzieht, sodass es stirbt.

Bei seinen Legehennen geht Johannes Kottmann (57) Experimenten aus dem Weg. Seit Jahren arbeitet er mit einem Hühnerzüchter aus der Region zusammen. Braune Lohmann Classics sind seine erste Wahl. Seine Ställe sind ausgestattet mit Ruhebereichen, in denen der Kot auf Fließbänder fällt, die regelmäßig gereinigt werden. In den Legenestern finden die Hennen die nötige Ruhe zur Eiablage. Ein spezielles Förderband sorgt für den Transport zur Packstation, wo die Eier per Hand auf 30er-Paletten gelegt werden. Gegen 11 Uhr haben die Hühner 90 Prozent der Tagesproduktion geschafft, aber da kräht kein Hahn danach, doch Bauer Kottmann hat seinen Auslieferungsplan danach ausgerichtet.

Bevor die zwei Fahrzeuge ihre Eiertouren beginnen, steht jedoch die Sortierung an. Die Anlage mit sensibler Sensortechnik beeindruckt: 30 Eier werden von Saugnäpfen aus den Paletten gesogen und auf ein Laufband gelegt, das unter einem Drucker zur Eiercodierung führt und schließlich in eine Wägeeinrichtung mündet, die die Eier nach Gewicht sortiert. Auf diese Weise landen tatsächlich keine XL-Eier in der M-Schachtel. Die Füllung und Schließung der jeweiligen Packung erfolgt automatisch. Am Ende wird noch der aktuelle Barcode-Aufkleber angepappt.

Familie hilft mit

Die Kartons mit den Eierschachteln landen innerhalb von drei Stunden in den Lebensmittelläden und Supermärkten der Region zwischen Ibbenbüren und Melle. Bei der Arbeit wird Bauer Kottmann unterstützt von seiner Frau Doris (56) und seiner Schwiegertochter Jessica (30), während deren Mann Daniel (31) den landwirtschaftlichen Betrieb mit einem Helfer besorgt. Das sind immerhin 100 Hektar, auf denen das Getreide wie Weizen und Mais für die Hühner und Gerste für die 400 Mastschweine wächst. Ein Kontrakt mit einer mobilen Mühle sorgt für die kontinuierliche Versorgung der Tiere mit Futtermischungen.

Johannes Kottmann hat den Betrieb 1990 übernommen, den sein Vater seit 1957 bewirtschaftet hat, damals noch mit Schweinen, Pferden, Milchvieh und Bullen. Hühner waren auch dabei. Schon 1964 gab es 500 Hühner, deren Eier vom Hof direkt vermarktet wurden. 1980 gab der Hof die Käfighaltung auf. Johannes Kottmann gab der Eierproduktion 1992 mit 800 Legehennen eine neue Basis nach modernen Haltungsbedingungen. Nach und nach wuchs der Betrieb zu seiner heutigen Größe.

Deutsche essen durchschnittlich knapp 220 Eier pro Jahr und Kopf, heißt es im Internet. Aber damit sind nicht nur Frühstückseier gemeint. Denn die Vorlieben sind sehr unterschiedlich. Auch bei Kottmanns. Er isst morgens am liebsten Rührei, seine Frau Doris lieber ein Fünf-Minuten-Ei. Jessica bereitet abends gerne Spiegeleier zu alles von eigenen Hühnern. Viele Lebensmittel wie Nudeln oder Gebäck werden mit Eiern hergestellt.

Und wie bewältigt der Hof Kottmann die Osterzeit? Für Johannes Kottmann ist der Eierverbrauch zu diesem Fest einer der populären Irrtümer unserer Zeit: Weihnachten werden viel mehr Eier verlangt. Das hat vielleicht auch mit der Plätzchenbackerei vor dem Fest zu tun.

Bildtext:
Freilandeier von der Obstbaumwiese: Johannes Kottmann und Schwiegertochter Jessica haben ihre Freude an der Hühnerschar, in der sich auch Enkelin Kate ganz ungezwungen bewegt.

Foto:
Harald Preuin
Autor:
Harald Preuin


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