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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Schulleiter rebellieren
 
Lehrerpuzzle sorgt für Chaos an Schulen
Zwischenüberschrift:
Schulleiter sind verärgert über Abordnungen und sammeln sich zum Widerstand
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Schulleiter in Stadt und Landkreis Osnabrück sind sauer auf die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) und die Landesschulbehörde. Hintergrund sind plötzliche Personalverschiebungen, die die gerade fertiggestellten Stundenpläne über den Haufen werfen und in einigen Schulen neue Löcher in der Unterrichtsversorgung reißen. Um den Lehrermangel an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen zu lindern, sollen die Gymnasien Lehrkräfte abgeben. Die entsprechende Abordnungsanordnung hat die Schulleiter am vergangenen Freitag erreicht. Die Schulleiter fragen sich, warum der Bedarf erst nach den Ferien bekannt geworden ist. Man habe ihn in den vier Regionalabteilungen der Landesschulbehörde nicht eher ermitteln können, erklärte eine Sprecherin der Behörde.

Es brodelt in den Schulen. Um den Lehrermangel an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen zu lindern, sollen die Gymnasien Lehrkräfte abgeben. Die entsprechende Abordnungsanordnung hat die Schulleiter am Freitag, also am zweiten Schultag, erreicht. Eine Folge: Die Stundenpläne sind Makulatur.

Osnabrück. Die Leiter der Gymnasien in Stadt und Landkreis Osnabrück werden sich am Mittwoch im Ratsgymnasium treffen, um die Situation zu besprechen. Wenngleich sich sicherlich auch über die Unterrichtsversorgung an Gymnasien schon trefflich streiten ließe, stellt sich die Situation an den anderen Schulformen zum Teil noch erheblich schlechter dar. Deshalb sollen die Gymnasien bis zum 17. August laut Weisung klären, mit welchen Lehrern sie die von der Landesschulbehörde errechneten abzuordnenden Stunden erfüllen wollen. Das Datum ist nicht zufällig gewählt. Der 17. August ist der Stichtag für die Berechnung der Unterrichtsversorgung in den einzelnen Schulen.

Die jetzt publik gewordene Abordnungswelle führt laut Schulleitern sowohl an den abgebenden als auch an den annehmenden Schulen zu einem erheblichen Arbeitsaufwand. Denn die Stundenplaner müssen den Wegfall oder Zugewinn einbauen.

Die Schulleitungen fragen sich, warum denn der Bedarf erst nach den Ferien bekannt geworden ist. Das ist umso erstaunlicher, als da alle Leiter von Grund-, Haupt-, Real- oder Oberschulen ihre Bedarfe vor Beginn der Sommerferien angemeldet hatten. Man habe die Bedarfe in den vier Regionalabteilungen der Landesschulbehörde nicht eher ermitteln können, so eine Sprecherin der Behörde. Die Gymnasien hätten mit möglichst genauen Zahlen versorgt werden sollen.

Wertschätzung?

Die aber hätten erst sehr spät festgestanden. In diesem Jahr gebe es einen besonders großen Mangel an Lehrkräften in den betroffenen Schulen. Die Schulen müssten jetzt aber alle Bescheid wissen″, so die Sprecherin weiter. Allerdings könne es noch zu kleineren Abweichungen kommen, da derzeit unter anderem auch noch Einstellungsverfahren liefen. Welche konkreten Zahlen zu welchem Zeitpunkt vorlagen, war von der Landesschulbehörde nicht zu erfahren.

Das sagt auch etwas über die Wertschätzung unserer Arbeit aus″, sagt der Leiter des Gymnasiums Oesede, Ulrich Schimke. Er und seine Kollegen müssten jetzt für die Planungsinkompetenz″ in der Landesschulbehörde und im Kultusministerium geradestehen. Wobei Schimke wie auch seine Kollegen keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie bereit sind zu helfen, wo es geht. Allerdings stellen sie auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Abordnungsverfügung und deren Hintergedanken. Schimke weist darauf hin, dass die Abordnungen nur für ein halbes Jahr ausgesprochen werden sollen. Eine Abordnung von einem halben Jahr kann der Schulleiter aussprechen. Die Beteiligung des Personalrates ist in diesem Fall nicht notwendig″, so Schimke. Pädagogisch hingegen mache die Übernahme einer Lerngruppe für ein halbes Jahr mit einem weiteren Lehrerwechsel danach aber keinen Sinn. Mit der halbjährigen Abordnung geht also zum Halbjahr im Februar wieder das große Würfeln los. Denn alle Lehrer, die zu ihrer Schule zurückwollen, haben dann das gute Recht dazu. Neue Kräfte für die Abordnung müssen gefunden werden.

Passen die Fächer?

Lothar Wehleit und Ute Haehnel werden sich in den kommenden Tagen wahrscheinlich auch noch ein bisschen näher kennenlernen. Die Leiterin der Johannes-Vincke-Oberschule in Belm bekommt nämlich von ihrem Kollegen des Ratsgymnasiums Verstärkung überwiesen. Dann wird es auch darum gehen, in welchen Fächern die Gymnasiallehrer denn in Belm unterrichten sollen. Eines allerdings steht dabei heute schon fest: Die Fächer Hauswirtschaft und Textiles Gestalten werden nicht dabei sein, die gibt es an Gymnasien nämlich nicht. Dumm nur, das Ute Haehnel genau hier Bedarf hat. Sicher helfen uns die Abordnungen″, sagt Haehnel. Allerdings sieht auch sie das Problem, die neuen Lehrkräfte in den Stundenplan einzuarbeiten.

Sinn und Zweck der Lehrerverschickung ist eine möglichst hohe Unterrichtsversorgung. Diese in Prozent angegebene Zahl liegt an manchen Gymnasien bei 104 bei manchen Grundschulen durchaus auch schon mal bei 80 oder 90 Prozent. Allerdings sind in diese Zahl nicht eingerechnet Krankheitsfälle, Erziehungszeiten oder auch fehlende Stunden in einzelnen Fächern, wenn diese Fehlzahlen durch Überhänge in anderen Fächern ausgeglichen werden. So kann es also sein, dass an einer Schule mit einer 100-prozentigen Unterrichtsversorgung gleichwohl in einem Fach der Unterricht nicht erteilt werden kann, weil es in ebendiesem Fach nicht genügend Lehrkräfte gibt.

Es kneift überall

So kämpft zum Beispiel der Schulleiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums um die Ausbringung des Pflichtunterrichts. Katholische Religion und Sport sind im Moment Mangelware am EMA. Wir haben eine Abordnung für Sport vom Ratsgymnasium bekommen″, so Schulleiter Hartmut Bruns. Und für den katholischen Religionsunterricht wollte eigentlich das Bistum jemanden zum EMA schicken. Der Kandidat ist aber unbefristet krankgeschrieben. Es kneift also weiter in Bruns′ Stundenplan.

Deswegen hatte er ja ohnehin schon 20 Abordnungsstunden zugesprochen bekommen. Am Freitag nun ereilte ihn die Nachricht, dass seine Schule 35 Stunden an die Felix-Nussbaum-Hauptschule abgeben soll. Ich sehe mich derzeit nicht in der Lage, diese unsinnige Anordnung umzusetzen″, sagt Bruns. Es sei nicht mehr sichergestellt, dass er so noch den Pflichtunterricht ausbringen könne. Bruns weiter: Wir sollen die Qualität unserer Schule festigen und weiter ausbauen.″ Er frage sich nun, wie das noch gehen solle. Das EMA sei Ganztagsschule, unterliege damit noch einmal im Erlass festgehaltenen erweiterten Anforderungen. So müssen zum Beispiel 60 Prozent der Arbeitsgemeinschaften von Lehrern geleitet werden. Nur 40 Prozent dürfen von außerschulischen Kräften übernommen werden. Bruns fragt sich, an welcher Stelle er was streichen soll, ohne gegen einen Erlass zu verstoßen.

Bildtext:
Die Stundenpläne an vielen niedersächsischen Schulen sind seit Freitag Makulatur.

Foto:
Michael Gründel

Kommentar:

Inkompetenz und Fehlleistung

Wer hätte das gedacht? Da schaffen es die bildungspolitisch Verantwortlichen in Hannover mit Ministerin Heiligenstadt an der Spitze doch, dem Chaos in der Schullandschaft kurz vor den Neuwahlen noch mal ein i-Tüpfelchen obenauf zu setzen. Mit dem Abordnungsbefehl feiern Inkompetenz und planerische Fehlleistungen noch einmal fröhliche Urständ.

Wie kann es sein, dass die Landesschulbehörde nicht einmal jetzt öffentlich den tatsächlichen Fehlbestand benennen kann oder will oder darf? Auf Basis welcher Zahlen ist die Abordnungsanordnung denn zustande gekommen? Da muss es doch Werte geben, auch wenn die ganz überraschend sozusagen über Nacht vom Himmel gefallen sind (Vorsicht, Ironie). Immerhin werden die Gymnasien doch mit ganz konkreten Forderungen belegt.

Die Argumentation der Landesschulbehörde ist so schwach, dass es schmerzt. Folgt man deren Sprecherin, ist die Behörde nicht in der Lage, den Lehrermangel, noch anhängige Bewerbungsverfahren, die vorhandenen Stunden an den Schulen, deren Meldungen zu ihren Fehlstunden und den Stundenüberhang an den Gymnasien vor den Sommerferien in Relation zu bringen und, darauf basierend, einen Stundenbedarfsplan zu erstellen. Das ging erst zwei Tage nach den Sommerferien? Wenn die Stundenplanmacher in den Schulen ihre Arbeit so verrichten würden, würden sie von ihrem zuständigen Dezernenten in der Landesschulbehörde eine ordentliche Ansage bekommen zu Recht. Das lief in den Vorjahren bei einer nicht maßgeblich anderen Problemlage besser.

Zwei Möglichkeiten drängen sich dem Betrachter auf: Landesschulbehörde und Kultusministerium sind in trauter Eintracht zu inkompetent, um auch im Mangel noch eine solide Unterrichtsplanung auf den Weg zu bringen, oder es geht doch nur darum, bis zum 17. August noch mal eben schnell die Unterrichtsversorgung an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen aufzupeppen. Ist ja bald Wahlkampf.

Als wenn die Grube, in der die Landesregierung steht, nicht schon tief genug wäre. Mit dieser Aktion hat das Kultusministerium noch mal eine Schippe tiefer gegraben. Zumindest bildungspolitisch hat sich Rot-Grün in Niedersachsen selbst abgeschafft, da braucht es gar keine Parteiwechsler.
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Autor:
dk


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