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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Boden vergisst nichts
Zwischenüberschrift:
In der Wüste hat im Mittelalter wahrscheinlich eine Turmhügelburg gestanden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Aus der Luft betrachtet kann man auf einer Wiese in der hinteren Wüste nahe den Bahngleisen Richtung Münster zwei konzentrische Kreise erkennen. Sie zeichnen sich in der Vegetation ab, weil der gewachsene Boden wohl aufgrund einer mittelalterlichen Bebauung gestört ist.

Osnabrück. Mit einiger Wahrscheinlichkeit stand hier im Mittelalter eine sogenannte Turmhügelburg. Darunter darf man sich einen künstlich aufgeworfenen, meist kreisförmigen Hügel vorstellen, auf dem ein Wehrturm aus Stein oder Holz steht. In einem umgebenden größeren Kreis befinden sich Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Das alles wird geschützt von umlaufenden Palisaden, einem Erdwall und zumeist auch einem Wassergraben.

Die Zeiten waren wesentlich unruhiger als heute. Wenn es einem Raubritter gefiel, mal wieder marodierend über Land zu ziehen, konnte man kein SEK der Polizei alarmieren, um ihm Einhalt zu gebieten. Deshalb war jeder, der außerhalb der Stadtmauern siedelte, gut beraten, sein Anwesen zu schützen.

Die in der Wüste wohnende Historikerin Gabriele Voßgröne hat im Stadtteilblatt Wüstenwind″ auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Sie beruft sich wiederum auf den Osnabrücker Politiker, Juristen und Historiker Johann Carl Bertram Stüve (1798–1872), der uns Heutige noch stets vom Denkmalsockel gegenüber dem Heger Tor grüßt. Er kennzeichnete die Turmhügelburgen als Wehranlagen des 11. bis 13. Jahrhunderts in mehreren Aufsätzen für die Osnabrücker Mitteilungen″ des Historischen Vereins, ohne allerdings speziell auf die Turmhügelburg in der hinteren Wüste einzugehen.

Das wiederum gelang dem Historiker Gerd-Ulrich Piesch. Er beschrieb konkreter die Verschwundene( n) Turmhügelburgen im Osnabrücker Land auf alten Karten″, so der Titel seines Aufsatzes im Heimat-Jahrbuch für Osnabrück Stadt und Land 1987, und Der Immenberg oder Limberg eine Turmhügelburg am Rande des Osnabrücker Stadtteils Wüste″ im Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 1994.

Immenberg ist der nach der Familie von Immincdorpe benannte Hof, der unmittelbar nordöstlich des noch heute bestehenden Hofes Fortmeyer (Limberger Straße 190) lag. Genau hier, auf der heutigen Feuchtwiese im Carré der Straße Bühlwiese, der Limberger Straße, der Bahnlinie und der Autobahn A 33, ist die Kreisstruktur in der Vegetation auszumachen.

Der Besitz derer von Immincdorpe wird erstmals 1250 erwähnt. Im Laufe mehrerer Besitzwechsel schleift sich der Name ab zu Immenberg und noch später zu Limberg oder Limbergen, woran die heutige Limberger Straße erinnert.

Die wahrscheinlich im 14. Jahrhundert errichtete Turmhügelburg könnte in zeitlichem Zusammenhang mit der Anlage der erstmals 1347 belegten Landwehr stehen. Dieser Befestigungsring verlief unmittelbar westlich des Hofes Immenberg. Fortschreitende Waffentechnik und Methoden der Kriegsführung machten die Turmhügelburgen obsolet. Sie verfielen. Aber immerhin schildert Chronist Ludwig Hoffmeyer die Beobachtung, dass sich nordöstlich des Hofes Fortmeyer bis 1870 ein etwa 6 Meter hoher und 25 Meter im Durchmesser haltender Hügel″ befunden habe.

Heute erkennt man die Kreise auf Google Earth″, wenn man nah genug heranzoomt. Mithilfe des angegebenen Maßstabs lässt sich ermitteln, dass der Durchmesser des äußeren Rings etwa 50 Meter beträgt und der des inneren etwa 20 Meter. Daraus könnte man schließen, dass der dazwischenliegende Ring von etwa 15 Meter Breite vielleicht eine wasserundurchlässige Tonschicht als Sohle aufwies, damit der Wassergraben nicht leerlief. Aber das sind Spekulationen, die man nur durch Grabungen verifizieren könnte.

Jedenfalls sind die Kreise auch manchen Sportfliegern vertraut. Fluglehrer Martin Frauenheim etwa überfliegt sie immer dann, wenn er, aus dem Südkreis kommend, den Hüggel passiert und dann im sogenannten Queranflug über den Rubbenbruchsee den Landeplatz Atterheide in westlicher Richtung ansteuert. Besonders gut sind die Kreise im Sommer spätnachmittags zu sehen, dann ist das Licht günstig, und wenn gerade gemäht worden ist″, gibt er seine Erfahrungen wider.

Bildtexte:
Die Kreise auf einer Wiese an der Limberger Straße, diagonal in der Bildmitte verlaufend, im Stadtteil Wüste könnten die Lage einer hochmittelalterlichen Turmhügelburg andeuten.

Eine Turmhügelburg wurde unweit von Lütjenburg (Schleswig-Holstein) rekonstruiert. So ähnlich könnte auch die Anlage in der Wüste ausgesehen haben.

Fotos:
Blickfänger GbR, Dortmund; mago/ imagebroker
Autor:
Joachim Dierks


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