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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Viele Flüchtlinge in Osnabrück sind traumatisiert
Zwischenüberschrift:
Netzwerk bietet Hilfe – Personalkapazität bei der Beratung wird versechsfacht – Dringend Räume gesucht
Artikel:
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Originaltext:
Seit Herbst 2016 gibt es in Osnabrück eine Anlaufstelle für traumatisierte Flüchtlinge. Der Bedarf ist groß. Die Beratung soll daher von einer halben auf drei Personalstellen ausgeweitet werden doch es fehlen Räume.

Osnabrück. Bei vielen, die vor einem Jahr hierhergekommen sind, kommt das Trauma heute erst hoch″, sagt Flüchtlingsberaterin Sandra Steinkühler. Sie haben sich in Osnabrück eingelebt, absolvieren Sprachkurse, manche schaffen sogar den Schritt ins Berufsleben und trotzdem können sie nicht schlafen.

Es sind die Folgen der Traumata, die sie im Heimatland oder auf der Flucht erlitten haben. Schon die Aufzählung der traumatischen Erlebnisse, mit denen Geflüchtete zu ihr in die Sprechstunde kommen, ist schwer zu ertragen: Folter im Gefängnis, Vergewaltigung (wobei Frauen ebenso betroffen sind wie junge Männer), Väter, deren Frau und Kinder bei der Flucht übers Mittelmeer ertrunken sind, Frauen, die auf ihrer Flucht Opfer von Menschenhändlern geworden sind. Die Folgen können Angstattacken, Depressionen oder Schlaflosigkeit sein.

Für die Betroffenen sei es sehr wichtig, dass ihnen jemand sage: Das ist eine normale Reaktion darauf, was du erlebt hast. Du bist nicht verrückt″, betont Steinkühler. Viele leiden auch unter der Furcht vor Abschiebung. Ein Drittel der rund 90 Männer und Frauen, die Steinkühler bislang beraten hat, sind Afghanen. (Weiterlesen: In Osnabrück integriert und dann droht die Abschiebung)

Seit Herbst 2016 bietet sie traumatisierten Flüchtlingen in der Großen Rosenstraße Sprechstunden an, die durch Dolmetscher begleitet werden. Träger ist der Verein Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen, Kooperationspartner ist die Caritas, finanziert wird das Angebot mit Landes- und EU-Mitteln. Aus der Beratung heraus vermittelt Sandra Steinkühler die Betroffenen an Psychologen und Ärzte. Viele wissen gar nicht, dass es das hier gibt.″ Ihr Job ist es zudem, den Geflüchteten Ängste vor der Therapie zu nehmen. Viele fürchteten, eingesperrt oder ans Bett gefesselt zu werden, erzählt die Beraterin. Viele Flüchtlinge erreicht sie durch ihre zweite Tätigkeit: In den städtischen Sammelunterkünften ist sie für die Caritas als Sozialarbeiterin unterwegs.

Der Zugang zur Regelversorgung ist für Geflüchtete alleine quasi nicht zu schaffen″, sagt Karin Loos, Geschäftsführerin des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge. Zur diffusen Angst vor der Psychotherapie kommen lange Wartezeiten, Sprachbarrieren und bürokratische Hürden. Die meisten Flüchtlinge sind in den ersten 15 Monate in Deutschland noch nicht gesetzlich versichert und werden nach den Vorgaben des Asylbewerberleistungsgesetzes behandelt und das ist kompliziert. Montags kommt eine vom Land finanzierte Therapeutin in die Sprechstunde, um die zu behandeln, die keinen Schutzstatus haben.

Psychosoziales Zentrum

Das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen ist erst vor zehn Jahren in Hannover gegründet worden. Der Osnabrücker Standort ist zuständig für das gesamte Bistum. Sandra Steinkühler ist bislang die einzige Mitarbeiterin und das auch nur mit einer halben Stelle, mehr wurde bislang nicht finanziert. Trotzdem hat sich schon ein kleines Therapeuten-Netzwerk gebildet. Wir sind ja froh, hier überhaupt etwas anzubieten″, sagt Loos. Für die kommenden zwei Jahren erhält das Netzwerk Projektfördermittel, um in Osnabrück ein kleines psychosoziales Zentrum in Zusammenarbeit mit Kliniken aufzubauen. Die Stellen sind schon ausgeschrieben, doch noch fehlt es an Räumlichkeiten. Wir suchen dringend drei bis vier Zimmer Praxis- oder Büroräume, am besten in Bahnhofsnähe″, sagt Loos.

Informationen und Terminvereinbarungen sind möglich per E-Mail an s.steinkuehler@ ntfn.de.

Sandra Steinkühler ist Ansprechpartnerin in der Beratungsstelle des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Osnabrück. Foto: Michael Gründel
Autor:
Sandra Dorn


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