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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Busfreier Neumarkt für Stadtwerke vorstellbar
Zwischenüberschrift:
Neuer Vorstandsvorsitzender Christoph Hüls zeigt sich im Interview für andere Lösungen offen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Energiewelt wird in fünf Jahren ganz anders″ aussehen, die E-Kart-Bahn ist ein Vorzeigethema″, und der Neumarkt kann busfrei werden, wenn die Politik das will: Das sagt der neue Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke, Christoph Hüls, im Interview.

Herr Hüls, traditionell legen die Stadtwerke ihre Bilanz vor Beginn der Sommerferien vor. Dieses Mal nicht. Warum?

Das hat einen ganz profanen Grund: Terminschwierigkeiten. Wir haben vor den Ferien keinen gemeinsamen Termin mit dem Oberbürgermeister und den wesentlichen Beteiligten aus dem Stadtrat hinbekommen.

Wie lief das Geschäft 2016?

Operativ sind wir sehr zufrieden. Die Zahlen sind besser als erwartet. Der Stadtwerke-Vorstand hat in den zurückliegenden Jahren als Ziel ausgeben, jährlich etwa drei Millionen Euro an die Stadt auszuschütten. Dieses Ziel haben wir auch 2016 erreicht, sogar etwas übertroffen. Ich bitte um Verständnis, dass ich genauere Zahlen erst in der Hauptversammlung im August präsentieren kann.

Die Beteiligung an Kohlekraftwerken hat sich wirtschaftlich als Fehlschlag erwiesen. Wie wirken sich die Verluste auf die Bilanz aus?

Wir haben ja sehr frühzeitig Vorsorge getroffen und bereits ab 2010 dazu Rückstellungen gebildet. Unsere Kraftwerksbeteiligungen wirken sich somit nicht unmittelbar auf das operative Ergebnis aus. Wir haben die Rückstellungen durch die Hebung sogenannter stiller Reserven jetzt nochmals erhöht. Das hängt wiederum mit der Ausgliederung der Netze in die SWO Netz GmbH zusammen. Unsere hundertprozentige Tochter plant, baut und betreibt die Infrastrukturnetze im Stadtgebiet also für Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Telekommunikation und Straßenbeleuchtung. Mit der Ausgründung verbunden ist ein zusätzlicher Wert, den wir in die Rückstellung geben können. Das ist eine rein bilanzielle Maßnahme und sinnvolle Risikovorsorge für die Zukunft. Wir bekommen das also aus eigener Substanz hin.

Das Kohle-Invest ist schiefgegangen. In der Windenergie sind durch das neue Ausschreibungsverfahren Hürden aufgebaut worden. Sind die Stadtwerke raus aus dem Energieerzeugungsmarkt?

Mit den bestehenden Anlagen sind wir für den Zeitraum von 2020 bis 2035 gut aufgestellt. Es ist absehbar, dass nach dem Ende der Kernenergie ab 2022 die konventionelle Energieerzeugung die Lücke schließen muss und dann auch wieder wirtschaftlich sein wird. Die spannende Frage ist: Was kommt danach? Bis 2050, so ist das politische Ziel, wollen wir 80 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken. Darauf müssen wir uns als Stadtwerke einstellen, und ich glaube, dass schon in fünf Jahren die Energiewelt anders aussehen kann.

Die private Eigenstromerzeugung wird erheblich ausgeweitet sein. Schauen Sie aus dem Fenster: Ein Großteil der Dächer, die Sie sehen, wird dann mit Photovoltaikanlagen zur Eigenversorgung der Haushalte ausgestattet sein. Wir müssen uns mit dem Szenario vertraut machen, dass die Stadtwerke zukünftig deutlich weniger Strom liefern, weil immer mehr Haushalte sich mit dezentralen Anlagen selbst versorgen. Vor diesem Hintergrund müssen wir neue Geschäftsfelder entwickeln, etwa als Energiedienstleister statt Energielieferant. Wir bieten dann dem Hauseigentümer mit Eigenversorgung das ganze Dienstleistungsprogramm, sodass er sich um nichts kümmern muss. Und er kann sich darauf verlassen, dass seine Daten bei uns absolut sicher sind.

Vertrauen und Kompetenz sind das Kapital der Stadtwerke. Verkennen darf man auch nicht, welches Potenzial in der Digitalisierung steckt. Wir werden keine Apps oder Programme entwickeln, aber wir müssen die Produkte und Dienstleitungen bieten können, die die Kunden in Zukunft digital abrufen und steuern.

Sie blicken weit voraus.

Wir müssen fähig sein, solche Megatrends zu erkennen, um rechtzeitig darauf reagieren zu können. Die Stadtwerke Osnabrück haben viel Substanz. Wir haben das erforderliche Know-how und sind mit gut tausend Mitarbeitern mittelständisch geprägt, beweglich und dynamisch.

Dann lassen Sie es uns ein wenig weiterspinnen: Bedarf es noch eines zentralen Busbahnhofs auf dem Neumarkt, wenn ich in Zukunft auf dem Smartphone die Position jedes Busses erkennen und mir von meinem aktuellen Standort aus die beste Verbindung anzeigen lassen kann? Anders gefragt: Können Sie sich einen Neumarkt ohne Busse vorstellen?

Das liegt nicht in unserer Entscheidung. Wir als Stadtwerke müssen in Szenarien denken. Wenn also die Politik das Szenario entwickelt, den Neumarkt busfrei zu haben, dann werden wir entsprechende Konzepte entwickeln. Wir taugen nicht als Kronzeuge für verkehrspolitische Debatten. Ich will damit sagen: Politisch zu argumentieren, die Stadtwerke bräuchten den Neumarkt als zentralen Busbahnhof, ist nach meiner Auffassung der verkehrte Ansatz. Wir richten uns danach, was die Politik will und entscheidet. Der Neumarkt ist übrigens mein liebster Platz in der Stadt, denn er hat das größte Potenzial. Was wir brauchen, ist Mut, Entscheidungen zu treffen. Dass die Politik Mut hat, hat sie bei den Bädern bewiesen. Aus sieben sind drei geworden, die großartig funktionieren.

Sie liefern das Stichwort: Bäder und Freizeit. Die Kartbahn Nettedrom kommt offenbar gut an. Was kommt als Nächstes, und wo sehen Sie die Grenzen für ein kommunales Unternehmen auf dem freien Markt?

Die E-Kart-Bahn ist ein herausragendes Beispiel für die Verknüpfung unserer Geschäftsfelder Mobilität, Energie und Freizeit an einem Standort. Wenn mein Vorgänger das nicht schon umgesetzt hätte, hätte ich es gemacht. Nettebad und Nettedrom sind ein Vorzeigethema, wie ich am Interesse aus dem Kollegenkreis merke. Es kommen Vertreter anderer Stadtwerke auf uns zu, die sich die Anlagen anschauen und sich unser Konzept erklären lassen.

Dass die Stadtwerke eine Kartbahn betreiben, ist ja auch auf Kritik gestoßen. Wie weit darf aus Ihrer Sicht ein kommunales Unternehmen privatwirtschaftlich aktiv sein?

Das ist schwer zu sagen. Niedersachsen ist in der Hinsicht ja ein großes Stück freier als Nordrhein-Westfalen. Ich habe in Detmold ganz andere, weniger gute Erfahrungen gemacht. In NRW sind die wirtschaftlichen Aktivitäten kommunaler Unternehmen sehr, sehr stark reglementiert. Niedersachsen bietet da viel bessere Möglichkeiten, und wir als Stadtwerke sollten diese Potenziale nutzen. Was da in Zukunft noch kommt, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Die Zukunftsprognosen für den Osnabrücker Hafen sind, langfristig betrachtet, eher düster, weil mit dem Ausbau der Schleusen wohl auf Jahrzehnte nicht zu rechnen ist. Hat der Stadthafen aus Ihrer Sicht eine Zukunft?

Man sollte Hafen nicht immer nur mit Wasser verbinden. Der Hafen ist ein toller Logistikstandort mit einer auf Wachstum ausgerichteten KV-Anlage (kombinierter Verkehr Schiene/ Straße). Wenn man nur die Wasserstraße betrachtet, muss man unter betriebswirtschaftlicher Betrachtung in der Tat ein Fragezeichen setzen. Volkswirtschaftlich betrachtet, fällt die Entscheidung vielleicht anders aus.

Bildtext:
Der Neumarkt soll von den Autos befreit werden, nicht aber von den Bussen so hat es die sogenannte Regenbogen-Koalition im Rat kürzlich beschlossen. Stadtwerke-Chef Christoph Hüls könnte auch mit einem anderen Szenario leben.

Christoph Hüls ist seit Anfang des Jahres Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Osnabrück.

Foto:
Michael Gründel, Stadtwerke/ Hörmeyer
Autor:
Wilfried Hinrichs


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