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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Asbest im Bauschutt: Das wird teuer
 
Diese Asbest-Entsorgung wird richtig teuer
Zwischenüberschrift:
Bei Hausabbruch am Westerberg gespart: Behörden legen Baustelle still und leiten Strafverfahren ein
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Vorsicht bei Asbest, Teeröl oder PCB: Wer ein Haus abreißen will, muss vorher die Gefahrstoffe entfernen. Am Westerberg wurde gleich der Bagger geholt. Ein Bauherr wollte Geld sparen und engagierte ein Cuxhavener Abbruchunternehmen, das mit den Vorschriften für die ordnungsgemäße Beseitigung problematischer Abfälle offensichtlich nicht vertraut war. Jetzt liegt auf dem Grundstück ein riesiger Trümmerhaufen, Bauschutt und asbesthaltige Dämmstoffe lassen sich nicht mehr trennen. Jetzt muss das gesamte Material mit großem Aufwand entsorgt werden. Die Kosten dürften sich damit auf mehr als das Fünffache erhöhen. Inzwischen wurde die Baustelle stillgelegt, die Polizei hat ein Strafverfahren wegen unsachgemäßer Abfallbeseitigung eingeleitet, vorläufig gegen unbekannt.

Weil er beim Hausabriss Geld sparen wollte, engagierte ein Bauherr am Westerberg eine Abbruchfirma aus Cuxhaven. Die schickte den Bagger, ohne zuvor die asbesthaltigen Dämmstoffe zu entfernen. Jetzt ist die Baustelle stillgelegt. Und die Entsorgung der Trümmer wird richtig teuer.

Osnabrück. Die Polizei ermittelt vorerst gegen unbekannt. Denn der unsachgemäße Umgang mit gefährlichen Abfällen wird als Straftat behandelt. Auf 500 Tonnen schätzt Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz den Trümmerberg, den der Bagger auf dem Grundstück an der Muesenburg zurückgelassen hat.

Ein IT-Manager aus Osnabrück hat das Anwesen direkt am Grüngürtel erworben, um dort einen Neubau zu errichten. Dass eine 50er-Jahre-Villa seinen Plänen im Weg stand, schien anfangs keine große Sache zu sein. Aber wegen der hohen Abbruchkosten, die hiesige Unternehmen forderten, kam ein Mitbewerber aus Cuxhaven zum Zuge.

Auf dessen Internetseite geben Fotos einen Vorgeschmack darauf, wie sich die verschiedensten Gebäude mitsamt ihrer Dächer und Dämmstoffe mittels Hydraulik und Maschinenkraft in Schuttberge verwandeln lassen. Potenzielle Kunden bewirbt die GmbH mit dem Hinweis, ihre Abrisskosten ließen sich optimal eingrenzen″.

Das hat am Westerberg in Osnabrück nicht funktioniert, weil ein Tipp aus der Nachbarschaft die Behörden alarmierte. Am Dienstag inspizierten Vertreter von Polizei, Gewerbeaufsicht und Stadt Osnabrück den Schuttberg und legten die Baustelle still.

Statt die gefährlichen Materialien ordnungsgemäß zu entsorgen, hatte die Abbruchtruppe aus Cuxhaven den Bau einschließlich der gefährlichen Bestandteile einfach mit dem Bagger zusammengeschoben. Ohne die amtliche Visite wäre ein Teil der offen liegenden Trümmer vielleicht schon auf Lastwagen verladen worden. Dazu kommt es vorläufig nicht.

Dem Bauherrn wird jetzt auferlegt, den Bauschutt abzudecken und feucht zu halten, damit die gefährlichen Fasern nicht vom Winde verweht werden. Wenn sie mit der Atemluft in die Lunge gelangen, können sie beim Menschen Krebs auslösen. Ein Gutachter soll klären, um welche Stoffe es sich handelt, und festlegen, wie sie zu entsorgen sind.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit muss der gesamte Trümmerhaufen als belastetes Material behandelt werden. Ein Fall für eine Spezialfirma: Männern mit Schutzanzügen und Atemmasken wird die Aufgabe übertragen, den asbesthaltigen Schutthaufen mit äußerster Sorgfalt zu portionieren und luftdicht zu verpacken, um jegliches Entweichen der gefürchteten Fasern unmöglich zu machen. Fachbereichsleiter Gerdts schätzt, dass sich die Entsorgungskosten gegenüber normalem Bauschutt verfünffachen dürften auf weit über 100 000 Euro.

Beim Abbruch des Hauses an der Muesenburg hatte es schon eine andere Panne gegeben. Die Leitungen für Elektrizität, Gas und Wasser waren nicht gekappt worden. So erlebten die Nachbarn einen kurzzeitigen Stromausfall, wie Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer bestätigte. Für die Mitarbeiter der Abbruchfirma hätte der Kontakt mit der elektrischen Leitung böse enden können.

Wer die Verantwortung für die Zwischenfälle vom Westerberg trägt, ist noch nicht geklärt. Der Bauherr zeigte sich gegenüber unserer Redaktion überrascht, das Wallenhorster Planungsbüro wollte keine Stellungnahme abgeben, und der Cuxhavener Abbruchunternehmer verwies auf den Bauherrn. Der habe mit seinem Geiz″ Menschenleben gefährdet.

Für Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz ist die Angelegenheit von der Muesenburg kein Einzelfall. Immer wieder werde bei Hausabbrüchen gegen die Entsorgungsvorschriften verstoßen. Über die Bestimmungen informiert die Stadt auf einem Merkblatt, das der Fachbereich herausgibt. In Kürze soll es auch auf der Internetseite osnabrueck.de veröffentlicht werden.

Bildtext:

Ein asbestverseuchter Schutthaufen ist von der 50er-Jahre-Villa an der Muesenburg übrig geblieben.

Foto:
Gert Westdörp

Kommentar:

Darüber wacht der Zufall

Wie viel behördliche Überwachung ist nötig, um potenziellen Tätern zu vermitteln, dass sich Umweltvergehen nicht lohnen? Am Westerberg wurde ein Abbruchunternehmer aus Cuxhaven daran gehindert, gesundheitsschädliche Asbestmaterialien ganz billig mit dem Bauschutt zu entsorgen. Vielleicht wäre er damit durchgekommen, wenn nicht argwöhnische Nachbarn die Behörden informiert hätten. Ohne Denunziation scheint es also nicht zu gehen. Das ist ein Nebeneffekt der Entbürokratisierung.

Hausabbrüche sind in den meisten Bundesländern genehmigungspflichtig in Niedersachsen müssen sie den Behörden nicht einmal mitgeteilt werden, solange ein Gebäude weniger als 22 Meter hoch ist. Dass ein Bauherr problematische Stoffe wie PCB, Teeröl oder Asbest ordnungsgemäß zu entsorgen hat, statt sie mit dem Bagger zusammenzuschieben, steht zwar im Gesetz. Aber darüber wacht der Zufall. Oder allenfalls der Nachbar.

Natürlich müssen asbesthaltige Materialien überall in Niedersachsen bei Hausabbrüchen ordnungsgemäß entsorgt werden, auch in Cuxhaven. Aber weil es im ländlichen Raum weniger Aufpasser gibt, mag sich hier und dort ein laxer Umgang mit Gefahrstoffen eingestellt haben.

Wer flächendeckend mehr Sicherheit schaffen will, muss Kontrollinstanzen einbauen. Und riskiert dabei, wie das Beispiel Nordrhein-Westfalen gerade zeigt, als Bürokratiemonster angeprangert zu werden. Ob zu viel oder zu wenig reglementiert wird, bleibt wohl eine Frage der Ideologie. Und der Skandale.
Autor:
rll


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