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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Zweiter Besuch einer Osnabrücker Delegation in Japan
 
Sie knüpfen das Energienetz mit Japan
Zwischenüberschrift:
So geht Energiewende: Tokio will von Osnabrück lernen
 
Stiftungen, Firmen und die Stadtwerke Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Klimaschutz und Energiewende weltweit Während sich die USA dem internationalen Klimaschutz entziehen, knüpfen Städte wie Osnabrück das Kooperationsnetz enger. Zum Beispiel mit Japan.

Zum zweiten Mal war eine Delegation aus Osnabrück und anderen deutschen Städten in Japan, um sich über die Energiewende auszutauschen. Dabei profitierten die Gastgeber von Erkenntnissen in Deutschland. Die Gäste gewannen Einblicke in den technischen Fortschritt der Japaner.

Osnabrück. Der Zeitplan war von den Japanern eng gesteckt: Von Sonntagfrüh um 8 Uhr bis Freitagabend vor der Abreise gab es volles Programm″, erzählt Detlef Gerdts nach seiner Rückkehr. Mit Programm″ meint der Leiter des Fachbereichs Klima und Umweltschutz bei der Stadt Osnabrück fachlichen Austausch: Bei Besichtigungen, Workshops, Vorträgen und Diskussionen standen die Gewinnung und Nutzung erneuerbarer Energien sowie ihre Speicherung im Fokus. Gesprochen wurde auch über Möglichkeiten der Umsetzung durch die Verwaltung und die Bürgerbeteiligung immerhin sollen die Bürger Solaranlagen auf ihren Dächern installieren und so zur dezentralen Energieversorgung beitragen. Die Gruppe machte nicht nur Station in Tokio, sondern auch in kleineren Städten wie Miyama und Odawara.

Das Interesse daran, wie Stadtwerke aufgebaut sind und wie sie funktionieren, ist groß in Japan″, ergänzt Ingo Hannemann. Der Geschäftsbereichsleiter Technik war als Vertreter der Osnabrücker Stadtwerke bei der Reise dabei, um die Struktur und die Arbeitsweise seines Arbeitgebers zu erläutern. In Japan sind vergleichbare Einrichtungen noch selten.

Dorothea Ludwig war als Leiterin der Osnabrücker Niederlassung von IP Syscon dabei. Ludwig hat das Solardachkataster mit entwickelt, das mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern auch international an immer mehr Orten eingesetzt wird.

Sehenswürdigkeiten besuchten die Teilnehmer der Reise allenfalls, wenn diese zu Fachfragen passten, wie das Rathaus von Tokio einer Stadt mit fast zehn Millionen Einwohnern im engeren Bereich und 38 Millionen in der Metropolregion. 14 000 Mitarbeiter würden im Rathaus sitzen, so Gerdts. Im japanischen Fachbereich Umwelt seien es 650 Kollegen, darunter 100, die sich mit Fragen des Klimaschutzes befassten, erzählt er und zeigt das Foto eines Wolkenkratzers, der über eine eigene U-Bahn-Station verfügt.

Die Japaner wollen durch ihre Energiewende nicht nur das Klima schützen, sondern vor allem unabhängiger von einer zentralen Energieversorgung werden. Durch die Abschaltung der Atomkraftwerke nach dem Unglück von Fukushima reicht die Stromproduktion zeitweise nicht aus. Dann wird die Versorgung vor allem in den Provinzen zeitweise abgeschaltet.

Solarkataster

Die Reise war der zweite Besuch von Vertretern deutscher Kommunen, Verbände und Firmen, von denen sich die Japaner wichtige Informationen zur Energiewende in Deutschland versprechen. Neben der Arbeit und der Struktur der Stadtwerke interessierten sie sich für die Erstellung eines Solardachkatasters nach dem Vorbild Osnabrücks, die Arbeit kommunaler Energie-Gesellschaften und die Kopplung erneuerbarer Energie mit der Mobilität.

Für die deutschen Besucher waren vor allem die Nutzung von Wasserstoff- und Speichertechnologien interessant sowie die politische und administrative Herangehensweise an die Energiewende in Japan etwa durch die Liberalisierung des Strommarktes.

Gerdts erläutert das so: In der Brennstoffzellen- oder Wasserstofftechnologie sind die Japaner uns weit voraus, Experten sprechen von acht Jahren.″ Zum Vergleich: Derzeit seien dort 170 000 Mikro-Blockheizkraftwerke (Mikro-BHKW) in Betrieb. Bis 2020 sind japanweit 1, 4 Millionen solcher Mikro-BHKW geplant, bis 2030 5, 3 Millionen. Bei uns existieren erst wenige Hundert dieser Blockheizkraftwerke″, ergänzt Detlef Gerdts. Bis zum Jahr 2020 sollen in Japan 40 000 brennstoffzellenbetriebene Pkw fahren. Hierzulande seien es derzeit weniger als 100.

Insbesondere die Stadt Tokio engagiere sich sehr für Wasserstofftechnologie und habe 2016 einen Masterplan zur großflächigen Einführung der Technik aufgesetzt. Bei sinkenden Preisen sei das auch für Osnabrück interessant, um den Eigenverbrauch alternativer Energien zu fördern weil Überschüsse auf diese Weise gut gespeichert werden können. Derzeit werde überlegt, ein Pilotprojekt mit dieser Technik im Zuge des deutsch-japanischen Austausches zu initiieren.

Die wechselseitigen Treffen in Deutschland und Japan werden organisiert, seit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und ihre japanische Amtskollegin Tamayo Marukawa im Mai 2016 Pläne für eine bilaterale Kooperation hinsichtlich Klimaschutztechnologien in die Wege geleitet hatten. Hierfür gibt es einen Vertrag über fünf Jahre. Finanziert wird der Austausch über die Ministerien der Länder. So wurde der jüngste Aufenthalt vom japanischen Umweltministerium getragen.

Fachlich begleitet werden die Treffen vom Institut für dezentrale Energien der Universität Kassel. Auch das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium sind beteiligt so war dieses Mal zeitweise Rita Schwarzelühr-Sutter dabei, die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.

An der Reise haben neben Vertretern aus Osnabrück Klimaschutzexperten aus der Region Hannover, von den Stadtwerken Leipzig, von den Klimaschutzagenturen aus Göttingen und Freiburg, vom Verband Kommunaler Unternehmen und vom Fraunhofer-Institut teilgenommen. Klingt aufwendig. Das sei es auch, aber es lohne sich, sagt Gerdts. Denn die Energiewende und damit der Schutz des Klimas sei nur durch internationale Zusammenarbeit möglich.

Bundesumweltstiftung

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert über zwei Jahre den Aufbau eines deutsch-japanischen Kooperationsrates zur Energiewende englisch German-Japanese Energy Transition Council″, kurz GJETC. In ihm arbeiten jeweils acht Energieexperten beider Länder unter Einbindung von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Parlamentariern. Er tagt abwechselnd in Tokio und Berlin mit dem Ziel, wichtige Probleme der Energiewende zu erforschen und Lösungsansätze zu kommunizieren.

Dazu zählen zum Beispiel Grundlagen einer ökologischen Industriepolitik und eine Energiemarktordnung. Das auf deutscher Seite vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie getragene Projekt mit einem Volumen von insgesamt fast drei Millionen Euro wird auf japanischer Seite vom Institute of Energy Economics of Japan und dem Ministerium für Wirtschaft und Industrie unterstützt.

Laut Ulrich Witte, dem zuständigen Referenten bei der DBU, unterstützt die Stiftung internationale Projekte, weil Natur- und Umweltschutz an nationalen Grenzen nicht halt- macht″. Japan sei außerhalb Europas wichtigstes Partnerland: Durch die Zusammenarbeit könne eine nachhaltige Lösung der Energiefrage gefunden werden, die als Blaupause für andere Länder genutzt werden und damit entscheidend zum erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel beitragen″ könne.

Ecos-Consult

Die Osnabrücker Firma Ecos Consult bahnt Wirtschaftsbeziehungen zwischen deutschen und japanischen Unternehmen an, die zumeist Umweltschutz-Technologien anbieten. Dafür unterstützt sie auch auf politischer Ebene den internationalen Austausch. Prominenteste Aufgabe von Ecos Consult ist derzeit der oben beschriebene bilaterale Austausch über Fragen der Energiewende und das Initiieren von Klimaschutzprojekten in beiden Ländern. Ecos Consult bringt sich mit seinen Kontakten und seinem Fachwissen aus Expertenforen ein. Das, was wir hier machen, hat Vorbildcharakter″, betont Ecos-Geschäftsführer Wilhelm Meemken.

Ein zweites Projekt von Ecos Consult ist der deutsch-japanische Kooperationsrat zur Energiewende (englisch German-Japanese Energy Transition Council″, kurz GJETC). „ Wir wollen deutsches und japanisches Know-how bündeln und für beide Regierungen nutzbar machen″, erläutert Meemken.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert die deutsche Seite des Rates. Beratende Mitglieder auf deutscher Seite sind beispielsweise die Wirtschaftswissenschaftlerinnen Claudia Kemfert und Miranda Schreurs. Der GJETC habe Kernthemen benannt, zu denen nicht nur beraten wird, sondern auch aktuelle Studien in Auftrag gegeben werden. Darum können sich deutsche und japanische Institutionen bewerben″, sagt Meemken.

IP Syscon

Als Mitarbeiterin der Hochschule Osnabrück hat Dorothea Ludwig vor zehn Jahren das Verfahren Sun-Area″ mitentwickelt. Es ermittelt, welche Dächer als Standorte für eine Fotovoltaikanlage geeignet sind. Mittlerweile hat Ludwig mit ihrem Team für rund 1500 Kommunen das Solarenergiepotenzial berechnet zuerst in Osnabrück und anderen deutschen Städten, aber auch für Gemeinden in Österreich, Spanien, Polen und der Schweiz.

Jetzt ist geplant, das Verfahren auch in japanischen Kommunen anzuwenden. Die Japaner haben großes Interesse daran, den Anteil ihres Stroms aus Fotovoltaikanlagen zu erhöhen und auch in das Stromnetz einzuspeisen″, sagt Ludwig. Sie ist mittlerweile Leiterin der Niederlassungsstelle der IP Syscon GmbH, an die das Verfahren, das mittlerweile unter dem Namen publicSolar″ geführt wird, übergegangen ist. Das Unternehmen für Software und Dienstleistungen mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien hat deutschlandweit verschiedene Standorte. Aktuell hat das Unternehmen eine Absichtserklärung zwischen japanischen und deutschen Firmen zum Export von Solarpotenzialkatastern nach Japan. Im ersten Schritt ist die Umsetzung eines Pilotprojektes in Japan geplant″, erläutert Dorothea Ludwig. In dem Projekt werden Daten getestet und das Verfahren an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Dann wird ein Geschäftsmodell entwickelt.

Kompetenz Energie

Mit dem Ziel, innovative Konzepte und Projekte im Bereich Energie zu entwickeln und umzusetzen, wurde 2011 das Kompetenzzentrum Energie (KZE) gegründet. Ein Kooperationspartner ist die Science-to-Business-GmbH der Hochschule Osnabrück zudem arbeitet das Zentrum mit Partnern aus Wirtschaft, öffentlichen Einrichtungen und Organisationen zusammen. In den ersten fünf Jahren wurde es von den Stadtwerken teilfinanziert. Unter dem Slogan Energiewissen vernetzen″ hat das Team des KZE beispielsweise ein Unternehmensnetzwerk mit 13 Firmen aus der Stadt und der Region aufgebaut. Wir sorgen für Austausch und Organisation″, sagt Mitarbeiter Christian Waldhoff.

Aber auch der Austausch mit Japan steht auf dem Programm. So hat das Kompetenzzentrum im Juni 2016 einen Workshop und eine Exkursion für eine japanische Delegation veranstaltet. Dabei wurden Techniken zur Energiewende vorgestellt, wie Smart Heat Energetische Verbünde als Beitrag zur Wärmewende″.

Zudem lernten die japanischen Gäste die Effiziente Wärmerückgewinnung aus Abwasser″ im Moskaubad kennen, und sie besuchten das Kompetenzzentrum Elektronik und Antriebstechnik″ (KEA) der Hochschule. Mit der Hochschule Osnabrück und Ecos Consult plant das KZE einen deutsch-japanischen Experten-Workshop zu Kooperationen in der industriellen Abwärmenutzung.

Stadtwerke

Impulse in Sachen Klimaschutz zu setzen und auch einen Nutzen aus dem Austausch zu ziehen: Das sei die Motivation der Stadtwerke, an den Treffen teilzunehmen, sagt Ingo Hannemann. Der Leiter des Geschäftsbereichs Technik war bei der Reise nach Japan mit dabei. Das Interesse der Japaner an der Struktur der Stadtwerke Osnabrück liege daran, dass das Unternehmen sämtliche Sparten eines Stadtwerkes abdecke: Dazu gehören die Bereich Energie, Wasser, Abwasser, Mobilität und Freizeit (Schwimmbäder). „ Mit dem Austausch wollen wir die Stadt bei ihren Aktivitäten als Klimaschutz-Kommune unterstützen″, sagt Hannemann. Natürlich wollen die Stadtwerke aber auch einen Nutzen aus den Begegnungen ziehen. So sei es besonders spannend zu sehen, wie die Japaner die dezentrale Versorgung mit Energie mithilfe von Wasserstoff sichern wollen. Dabei ist Wasserstoff keine Energiequelle, sondern ein Träger, mit dessen Hilfe Energie gespeichert und transportiert werden kann. Derzeit überlegen die Stadtwerke, ein Beratungsmodell zu entwickeln, mit dem sie Vertreter japanischer Kommunen fit machen wollen für den Aufbau eigener Stadtwerke. Wir sind ein Unternehmen. Wir müssen wirtschaftlich arbeiten″, sagt Hannemann.

Bildtexte:
Ulrich Witte

Wilhelm Meemken

Christian Waldhoff

Ingo Hannemann

Dorothea Ludwig

Fotos:
Stadt Bramsche, Hengehold, Huelsmann, Seiler, SWO,
imago/ CHROMORANGE
Autor:
Marie-Luise Braun


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