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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Melanchthonkirche vor dem Verkauf
 
Melanchthonkirche vor dem Verkauf
Zwischenüberschrift:
Südstadtkirchengemeinde im Gespräch mit zwei neuen Interessenten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die 2015 entwidmete Melanchthonkirche auf dem Osnabrücker Kalkhügel könnte bald den Besitzer wechseln. Die evangelisch-lutherische Südstadtkirchengemeinde hat nach eigenen Angaben zwei Kaufinteressenten an der Angel.

Die 2015 entwidmete Melanchthonkirche in Osnabrück wechselt möglicherweise bald den Besitzer. Es gebe zwei neue Interessenten, teilt die evangelisch-lutherische Südstadtkirchengemeinde mit. Bis Jahresende will sie das Baudenkmal auf dem Kalkhügel verkauft haben.

Osnabrück. Gespräche mit beiden potenziellen Investoren seien unterschiedlich weit fortgeschritten, sagte Gemeindegeschäftsführer Ulf Jürgens unserer Redaktion. Konkrete Verhandlungen über das frühere Gotteshaus habe es aber noch mit keiner Seite gegeben. Dafür müssen wir erst die genauen Pläne kennen.″

Doch schon jetzt zeichne sich ab, dass die vor zweieinhalb Jahren aufgegebene Melanchthonkirche (Baujahr 1962/ 63) demnächst eine dauerhafte weltliche Nutzung erfahre. Welcher Art, werde zu gegebener Zeit verkündet, so Jürgens. Nur so viel will er verraten: Die aktuellen Vorschläge gehen in zwei völlig verschiedene Richtungen.″

Dilemma Denkmalschutz

Was der Kirchenverkauf finanziell einbringen soll, ließ der Geschäftsführer zunächst unbeantwortet. Die Erlöse hingen unter anderem davon ab, ob das Grundstück mitveräußert oder verpachtet werde. Auch zur Identität der möglichen Käufer machte Jürgens keine näheren Angaben außer dass es sich in beiden Fällen um Osnabrücker handele.

Ein anderer Interessent, von dem Ende 2016 noch die Rede war, sei zwischenzeitlich abgesprungen, erklärte der Gemeindegeschäftsführer auf Nachfrage. Grund dafür seien unüberbrückbare Differenzen mit dem Denkmalschutz gewesen. Die zuständigen Behörden von Land und Kirche hätten ihre Überlegungen pro oder kontra Umbau damals von einem Konzept abhängig gemacht, das der potenzielle Investor aber nicht habe erstellen wollen, weil die Ämter ihrerseits verbindliche Rahmenbedingungen schuldig geblieben sein sollen.

Wohnung im Kirchturm

Einer der Knackpunkte sei etwa die Frage gewesen, ob in die Melanchthonkirche eine Zwischendecke eingezogen werden dürfe. Laut Jürgens spielte der damalige Kaufinteressent mit dem Gedanken, den Turm zur Wohnung auszubauen und das Hauptgebäude zu teilen, um dort beispielsweise Büros unterzubringen. Ideen, die so gegenwärtig niemand mehr verfolge.

Ein Veto des niedersächsischen Amts für Denkmalpflege und des landeskirchlichen Amts für Bau- und Kunstpflege fürchtet die Südstadtkirchengemeinde im aktuellen Fall jedenfalls nicht. Was die beiden potenziellen Investoren mit der 2016 zum Baudenkmal erklärten Melanchthonkirche vorhaben, wird machbar sein″, ist der Geschäftsführer überzeugt. Beide Käufer würden das Gebäude komplett so lassen.″

Provisorische Nutzung

Wenn es nach Jürgens geht, soll das Geschäft noch 2017 besiegelt werden. Eine Entscheidung werde gemeinsam mit der Landeskirche und dem Kirchenvorstand getroffen. Sorgfalt gehe dabei vor Geschwindigkeit. Jürgens: Wir wollen eine vernünftige Lösung finden, bei der wir das Kreuz gerade machen und die Melanchthonkirche mit gutem Gewissen abgeben können.″

Zurzeit wird das ehemalige Gotteshaus provisorisch als Kleiderkammer genutzt. Vorher diente es dem Emma-Theater übergangsweise als Bühne. Für die Orgel der Melanchthonkirche interessiert sich die evangelisch-lutherische Auferstehungsgemeinde in Wissingen (Bissendorf).

Bildtexte:
Warten auf den Geldsegen: Seit zweieinhalb Jahren versucht die Osnabrücker Südstadtkirchengemeinde, ihre 2015 entwidmete Melanchthonkirche loszuwerden.

Ein Bild aus früheren Tagen: So sah die Melanchthonkirche Anfang 2015 von innen aus.

Fotos:
Michael Gründel

Kommentar:

Klotz am Bein

Eine Kirche als Klotz am Bein: Schon zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Osnabrücker Südstadtkirchengemeinde ihre zuletzt nur noch schlecht besuchte Melanchthonkirche aufgab und entwidmen ließ. Seitdem wird das frühere Gotteshaus von Dritten provisorisch genutzt mal als Theaterbühne, mal als Kleiderkammer. So bleibt das Gebäude zwar einigermaßen in Schuss. Richtig geholfen ist damit aber keinem. Im Gegenteil: Findet sich keine langfristige Verwendung, droht am Ende der Verfall.

Zudem sind Haus und Hof auf der Spitze des Kalkhügels bares Geld wert. Geld, das die Gemeinde an anderer Stelle gut gebrauchen könnte. Am liebsten hätten sie deshalb sofort verkauft. Doch die Investorensuche läuft schleppend, auch weil die Möglichkeiten bei der Nachnutzung eingeschränkt sind und der Denkmalschutz das Geschäft erschwert.

Fest steht: Die Melanchthonkirche darf nicht abgerissen und auch sonst in wesentlichen Teilen nicht umgebaut werden. Umso besser, wenn es jetzt endlich Interessenten gibt, deren Ideen auch umsetzbar erscheinen. Gelingt der Deal noch in diesem Jahr, machen wohl auch die Osnabrücker Protestanten drei Kreuzzeichen.

Höchstgelegene Kirche der Stadt

In der Melanchthonkirche auf dem Kalkhügel, der höchstgelegenen Kirche in Osnabrück, wirkten fünf evangelisch-lutherische Geistliche. Erster Pastor war Klaus Künkel (1959 bis 1963). Ihm folgten Eckhard Pfannkuche (1963 bis 1968), Joachim Ohliger (1969 bis 1992), Werner Normann (1993 bis Ende 2009) sowie Pastorin Julia Telscher-Bultmann (ab 2006). Seit 2010 wohnte kein Pastor mehr an der Melanchthonkirche.

Am 1. Februar 2015 wurde das Gotteshaus entwidmet. Übrig blieben als geistliche Heimstätten der 2009 gegründeten Südstadtkirchengemeinde die Lutherkirche und das Lukas-Familienzentrum im Stadtteil Schölerberg sowie die Margaretenkirche (Voxtrup).
Autor:
sst


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