User Online: 1 | Timeout: 17:33Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gastronom ärgert sich über die Stadt
 
Gastronom klagt: Stadt reglementiert zu viel
Zwischenüberschrift:
Ausschank auf dem Heger Tor – Streit um Denkmalauflagen und Nutzungsgebühren
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Auf dem Heger Tor gibt es nun eine Fläche für Außengastronomie. Aber Marino Ioannidis vom Restaurant Almani fühlt sich von der Stadt überreglementiert. Unter anderem darf er keine Sonnenschirme mit Werbeaufdruck aufstellen.

Wer seinen Riesling oder Syrah am liebsten unter freiem Himmel genießt, findet jetzt auf dem Heger Tor eine Fläche für die Außengastronomie. Marino Ioannidis vom Restaurant Almani hat den Plan aufgegeben, dort auch Speisen anzubieten. Er fühlt sich von der Stadt überreglementiert.

Osnabrück. Schon 2011 wollte der Almani-Inhaber die Terrasse auf dem Nordflügel des Heger Tores für seine Restaurantgäste herrichten. Anschlüsse für Strom und Gas waren bereits vorhanden. Die Stadt zeigte sich nicht abgeneigt, stellte aber Bedingungen, zu deren Erfüllung sich der Gastronom nicht in der Lage sah. Als größter Knackpunkt erwies sich dabei eine große Holzkiste, in der nachts alle wichtigen Geräte eingeschlossen werden sollten. Während der Öffnungszeiten wollte Ioannidis den zwei mal vier Meter großen Kasten als mobile Küche für Salate oder Grillgerichte nutzen.

Eine solche Holzkiste lehnte die städtische Denkmalpflege jedoch ab, weil sie die Abmessungen einer Weihnachtsmarktbude habe und damit den Charakter des Gebäudes nachhaltig stören würde. Ioannidis sieht das zwar anders, aber mit dieser Begründung war die Ausweitung des Restaurantbetriebs auf die Terrasse für ihn vom Tisch. Die Küche sei nun mal im Keller, erzählt der Gastronom, und wenn das Essen über 70 Treppenstufen nach oben getragen werden müsse, sei es längst kalt. Schade, meint Ioannidis, eine verpasste Chance für beide Seiten.

Fast sechs Jahre sind inzwischen vergangen, und seit Juni bietet das Almani doch eine Außengastronomie auf dem Heger Tor an, wenn das Sommerwetter es zulässt. Allerdings können die Gäste oben nur Getränke bestellen, aber keine warmen Speisen. Zufrieden ist Ioannidis mit diesem neuen Konzept nicht. Gerne würde er einige Sonnenschirme aufstellen, doch an dieser Frage entzündet sich der nächste Streit. Die Stadt will nur unifarbene Schirme ohne Werbung genehmigen, um die Wirkung der alten Wehranlage nicht zu beeinträchtigen.

Marino Ioannidis, der auch ein Restaurant in Bielefeld betreibt, betrachtet die Auflage nach kaufmännischen Gesichtspunkten. Sonnenschirme mit Werbeaufdruck bekomme er von der Brauerei gratis. Werbefreie Exemplare kosteten 5000 Euro pro Stück. Aber eine Ausgabe von 20 000 Euro für vier Schirme würde sich nur rechnen, wenn er für eine Kugel Eis 4 Euro nehme oder wenn Osnabrück deutlich mehr Sonnentage hätte.

Schirme ohne Werbung

Der Restaurantbetreiber fühlt sich ungerecht behandelt, weil er diese Kosten aufbringen soll, während niemand Anstoß daran nimmt, dass unten im Heger-Tor-Viertel Schirme mit Werbeaufdruck stehen. Stadtsprecher Sven Jürgensen verteidigt die Entscheidung. Das Heger Tor gehöre nun einmal zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Osnabrück. Da gebe es schon gute Gründe, ein seriöses Erscheinungsbild zu fordern.

Die Stadt hat zu Jahresbeginn eine Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen im Bereich Domhof/ Nikolaiort″ erlassen, in denen die Regelungen zu Gastronomiemöblierung, Sonnendächern, Einfriedungen, Begrünungselementen und Bodenbelägen″ zusammengefasst sind. Für das Heger-Tor-Viertel gilt es diese Richtlinie nicht. Almani-Inhaber Ioannidis beklagt sich aber darüber, dass die Gebühr für seine gastronomische Nutzung der Terrasse genauso teuer sei wie auf dem Nikolaiort. Beide Standorte habe ein Beamter als 1-a-Lage eingestuft. Ohne zu berücksichtigen, dass jeden Tag 20 000 Menschen über den Nikolaiort flanierten, über das Heger Tor aber gerade mal 200, wie er meint.

Stadtsprecher Jürgensen widerspricht dem Eindruck, dass Gebühren nach beliebigem Ermessen festgesetzt würden. Die Lagen für Sondernutzungen habe der Rat beschlossen nach ausgiebiger Diskussion, wie er hinzufügt. Von Willkür könne also keine Rede sein.

Bildtext:
Unzufrieden mit den Auflagen: Marinos Ioannidis hat Pläne für eine Außengastronomie auf dem Heger Tor, die von der Stadt nicht mitgetragen werden.

Foto:
Swaantje Hehmann

Kommentar:

Stadtbild in Gefahr?

Das Heger Tor gehört zur Schokoladenseite von Osnabrück. Keine Frage, dass sich an so exponierter Stelle aufdringliche Werbung auf knallbunten Sonnenschirmen verbietet. Und eine Weihnachtsmarktbude natürlich auch. Die Frage ist nur, ob mit dem Anliegen des Gastronomen solche Reizschwellen überschritten werden.

Schauen wir genauer hin: Die Terrasse, auf der die Almani-Gäste bewirtet werden, krönt nicht etwa den Waterloo-Bogen sie befindet sich halbwegs versteckt 15 Meter entfernt auf dem Rest der alten Stadtmauer. Es ist nicht zwingend, dass der Schriftzug einer Brauerei auf einem beigefarbenen Sonnenschirm oder ein passend proportionierter Holzaufbau an dieser Stelle das Stadtbild stören.

Entscheidend ist doch, wie es gemacht wird. Und ob beide Seiten aufeinander zugehen können. Wenn sie sich gegenseitig ernst nehmen und eine denkmalverträgliche Lösung aushandeln, könnte Osnabrück am Ende einen zusätzlichen Anziehungspunkt bekommen.
Autor:
rll


Anfang der Liste Ende der Liste