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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erinnerung an den Mord im Bürgerpark
Zwischenüberschrift:
1945 starb Bernhard Schopmeyer – Ökumenischer Gang zu den Schauplätzen des Verbrechens
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es war die Tat eines Unbekannten. Vor 72 Jahren wurde Bernhard Schopmeyer im Bürgerpark erschossen. Am 23. Juni 1945 zwischen 13 und 14 Uhr traf ihn eine Kugel durch Rücken, Lunge und Herz. Schopmeyer war ein Feind des Hitler-Regimes und gehörte zum christlichen Widerstand. Gleich nach dem Krieg engagierte er sich für die Gründung einer Partei, in der sowohl katholische als auch evangelische Christen eine gemeinsame politische Heimat finden konnten: Die CDU zählt ihn zu ihren Mitbegründern.

Schopmeyer hatte Feinde: Vehement forderte er, dass die Nationalsozialisten für ihre Untaten bestraft werden, die Entfernung aller Lehrer und Lehrerinnen, die an der nationalsozialistischen Vergiftung der Jugend mitgewirkt haben″, und die entschädigungslose Beschlagnahme der Wohnungen und Wohnungseinrichtung von aktiven Nazi zugunsten der Bombengeschädigten″. Denn: Solange es noch einen wohnungslosen Bombengeschädigten gibt, hat kein aktiver Nazi Anspruch auf eine Behausung.″

72 Jahre und wenige Stunden nach dem Mord versammeln sich Menschen vor dem früheren Wohnhaus der Familie Schopmeyer an der Knollstraße 73: Die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) und die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB) haben zu einem ökumenischen Gang zum Gedenken an Bernhard Schopmeyer eingeladen. Frederick Heidenreich erinnert an dessen Lebensweg.

Der bekennende Katholik Schopmeyer war 1900 in Hagen am Teutoburger Wald zur Welt gekommen, wurde zunächst Zimmermann, dann Arbeitersekretär in der Diözesanleitung, engagierte sich als Mitglied der Zentrumspartei im Rat der Stadt Osnabrück und wurde Abgeordneter des Provinzial-Landtages in Hannover.

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen und die Demokratie abschafften, begann auch für Schopmeyer die Zeit der Repressalien. Er sympathisierte mit dem Widerstand gegen das Nazi-Regime, suchte Kontakt zum Untergrund und befand sich mit einem Bein im KZ″, wie er seiner Frau Maria Schopmeyer einmal berichtete.

Michael Schwarzwald von der KAB versetzt sich am Anfang des ökumenischen Gangs in die Aufbruchstimmung, von der Bernhard Schopmeyer gleich nach dem Krieg erfüllt gewesen sein muss.

Doch das dürften damals auch seine Feinde bemerkt haben: Im Bürgerpark, an der Stelle, an der Schopmeyer erschossen wurde, beschreibt Heinz Ostermann, wie dessen Gegner auf ihn reagiert haben könnten: Ihr habt gesehen und gehört, was er gestern auf der Versammlung im Haus Bergmann gefordert hat. Wenn der an Macht und Einfluss gewinnt, dann können wir uns auf etwas gefasst machen. Er kennt uns und kann uns sehr gefährlich werden.″

Und: Wir müssen jetzt schnell handeln. Am besten sofort.″ Ostermann stellt sich vor, wie dann einer den Auftrag zum Mord erhält: In dem Gebüsch kann man sich gut verstecken. Dort lauerst du ihm auf. Du kannst ihn, ohne entdeckt zu werden, von hinten erschießen und dich dann ganz in Ruhe zurückziehen.″ Dann deutet August Oevermann die Tat an, indem er mitten im Bürgerpark sein Fahrrad fallen lässt etwa dort, wo auch Schopmeyers Fahrrad gelegen hat.

Ob es wirklich so oder so ähnlich war? Das wird sich nie aufklären lassen. Aber es liegt nahe. Fest steht, dass Bernhard Schopmeyer am Abend vor seinem Tod an der Ziegelstraße im Haus des Kaufmanns Bergmann einen politischen Vortrag gehalten hatte. Seine Frau Maria berichtete damals: Als er von dieser Versammlung nach Hause kam, sagte er zu mir: Wer sind die Männer, die da draußen vor der Tür stehen? Die verfolgen mich, die haben nichts Gutes im Schilde.′″

Auf Beute hatte es der Mörder am Tag darauf jedenfalls nicht abgesehen. Seine goldene Uhr und die 1000 Reichsmark, die Schopmeyer soeben als Gehaltsnachzahlung vom Bistum erhalten hatte, blieben am Tatort zurück. Maria Schopmeyer formulierte es in den 1950er-Jahren so: Außer seinem Leben wollte man nichts, denn es fehlte nichts an Wertsachen.″

Das Grab befindet sich auf dem Hasefriedhof. An dieser Station des ökumenischen Ganges versetzt sich Christoph Pelke von der KAB in die Lage des damaligen Domkapitulars Michael Keller, der mit Schopmeyer befreundet war und später Bischof von Münster wurde. Was der gesagt haben könnte, formuliert Pelke so: Bernhard, jetzt liegst du hier. Tot. Der Krieg ist doch vorbei. Doch du wurdest erschossen. Nicht an der Front. Nicht durch ungerechte Richter der Nazis. Trotzdem wurdest du hingerichtet.″ Dann legt Pelke eine rote Rose auf Schopmeyers Grab.

Ludger Schopmeyer ist der Sohn des Ermordeten und ist aus Hamburg zu dem ökumenischen Gang angereist. Er war sechs Jahre alt, als er seinen Vater verlor, und erinnert sich an die schwere Zeit für die Familie. Eine Teilnehmerin des ökumenischen Ganges würdigt spontan Maria Schopmeyer, die ihre sechs Kinder plötzlich alleine ernähren musste auch sie liegt hier begraben.

In der Heilig-Geist-Kirche halten Pastor Frieder Marahrens und Diakon Harald Niermann am Ende des Ganges durch den Stadtteil Sonnenhügel eine ökumenische Andacht. Widerstehen″ lautet das Motto. Damit wird Bernhard Schopmeyer als Vorbild gewürdigt für Widerstand gegen Hass und Gewalt auch in Gegenwart und Zukunft.

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtexte:
Das Fahrrad fällt um: Beim Gedenkgang im Bürgerpark lässt August Oevermann es an der Stelle fallen, wo Bernhard Schopmeyer am 23. Juni 1945 erschossen wurde, als er mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause war.

Das Grab von Bernhard Schopmeyer befindet sich auf dem Hasefriedhof. Christoph Pelke legt zum Gedenken eine rote Rose nieder.

Das Wohnhaus von Bernhard Schopmeyer. Am Abend vor seinem Tod bemerkte er fremde Männer vor dem Haus und ahnte, dass sie nichts Gutes im Schilde führen.

Dieses Porträt zeigt Schopmeyer in den 1930er-Jahren. Foto: Familienarchiv Schopmeyer

Ein Stolperstein an der Knollstraße 73 erinnert seit 2014 an Bernhard Schopmeyer.

Tod eines Regimegegners: Sechs Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bernhard Schopmeyer noch Opfer eines offenbar nationalsozialistischen Täters. Ein ökumenischer Gang erinnerte jetzt an den Ermordeten.

Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Jann Weber


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