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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
In Osnabrück ein Bad in der Menge
Zwischenüberschrift:
Als Bundeskanzler war Helmut Kohl oft in der Stadt und in der Region unterwegs
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Er schüttelte Hände, er ließ sich feiern, und er beschimpfte seine Gegner. Helmut Kohl war wohl um die 20-mal in Osnabrück und der Region unterwegs, meist im Wahlkampf. Wenn er vor dem Rathaus sprach, hörten ihm bis zu 8000 Menschen zu.

Osnabrück. Es war die Zeit, als Politiker noch ohne großes Risiko ein Bad in der Menge nehmen konnten. Helmut Kohl genoss es zu Beginn der 80er-Jahre, wenn ihn sein Wahlkampfteam urplötzlich in der Fußgängerzone auftauchen ließ, wo die Leute kaum glauben konnten, dass sie den Bundeskanzler vor sich hatten.

Auf angekündigten Kundgebungen musste der CDU-Politiker allerdings mit Störern rechnen, deren Trillerpfeifen und Sprechchöre ihn zur Hochform auflaufen ließen: Was uns ins Haus steht, wenn dieser Pöbel die Macht in unserem Staat erringt, das wird uns hier vor Augen geführt!″, polterte er im Juni 1984, als er dem damals noch weniger bekannten Parteifreund Hans-Gert Pöttering Schützenhilfe auf dem Weg ins Europaparlament leistete.

1990, kurz vor der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl, waren ganz andere Töne zu hören. Aber vorher steckte der Kanzler der Einheit auf seinem Weg vom Flugplatz Atter in die Innenstadt am Rißmüllerplatz im Stau fest. Auf dem Markt hatte er dann ein Heimspiel vor 7000 Zuhörern, denen er zurief: Wir hätten den Tag der Deutschen Einheit nie erlebt, wenn wir den Vorschlägen der SPD gefolgt wären!

Der langjährige Bundeskanzler nahm auch Einladungen zu feierlichen Anlässen an. Im November 1982 war er der Überraschungsgast beim Osnabrücker Presseball. Zusammen mit Ehefrau Hannelore drehte er eine Runde über das Tanzparkett, stärkte sich mit Bratkartoffeln und Schinken, schüttelte fröhlich unzählige Hände und bedankte sich bei seinen Gastgebern mit dem Satz: Wer Feste so wie diese feiert, der kann auch fest arbeiten!

Kohl war nicht erst als Bundeskanzler ein gefragter Interviewpartner der Neuen Osnabrücker Zeitung″ und erfüllte den damaligen Verlegern Leo Victor Fromm und Hermann Elstermann 1987 den Herzenswunsch, die Festansprache zur Eröffnung des Druckzentrums zu halten. Das Internet gab es noch nicht, als er vor den 400 Gästen verkündete: Die Zeitung weist gegenüber den elektronischen Medien Vorteile auf, die sie unersetzbar machen. Sie passt zu jedem Lebensrhythmus, weil sie keinen Stundenplan vorgibt.″

Elf Jahre später zog es den Bundeskanzler noch einmal in einen Osnabrücker Industriebetrieb. Im Landtagswahlkampf mit dem Spitzenkandidaten Christian Wulff besuchte er den Autobauer Karmann und sprach mit Arbeitern der Spätschicht. Von Geschäftsführer Rainer Thieme bekam er für seinen Schreibtisch″ ein Modell des legendären Karmann Ghia überreicht.

Zu seinem letzten Besuch ins Osnabrücker Land kam Helmut Kohl im Mai 2004 nach Georgsmarienhütte. Es war Europawahlkampf, und der Altkanzler hatte einen Auftritt in Oesede, bei dem kein einziger Pfiff vernommen wurde. Anschließend zog er mit seinen Parteifreunden nicht etwa ins Rathaus, wo das Goldene Buch auf ihn wartete, sondern ins Gasthaus Uthmann, wo ihm eine kalte Platte mit Käse, westfälischem Landschinken und Spargelsalat serviert wurde.

Als Fachbereichsleiter Heinz Schröder das hörte, schnappte er sich das Goldene Buch der Stadt Georgsmarienhütte und marschierte damit ins Gasthaus, sodass der Kanzler der Einheit nicht Nein sagen konnte: Mit allen guten Wünschen für eine friedliche Zukunft der Bürgerinnen und Bürger von Georgsmarienhütte! Helmut Kohl″.

Ins Goldene Buch der Stadt Osnabrück hat er sich natürlich auch eingetragen. Das war aber schon am 6. Juni 1984.

Der Blick zurück: Stadtgeschichte lebendig erzählt finden Sie im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Einmal dem Kanzler die Hand geben: Helmut Kohl genoss das Bad in der Menge. Hier im Februar 1994.

Überraschungsgäste: Helmut und Hannelore Kohl 1982 beim Presseball.

Auf Wahlkampftour Anfang der 80er-Jahre: Helmut Kohl mit Fritz Brickwedde (links) und Karl-Heinz-Hornhues (rechts) in der Johannisstraße.

Sein letzter Auftritt in der Region: Altkanzler Helmut Kohl mit seinen Parteifreunden in Oesede.

Fotos:
Michael Hehmann, Marco Arndt
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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