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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Unser Leben hat mit dem Libanon zu tun″
Zwischenüberschrift:
Michael Dreyer spricht über den Schwerpunkt des diesjährigen Morgenland Festivals Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Diesen Freitag beginnt das diesjährige Morgenland Festival Osnabrück. Im Vorfeld spricht Festivalleiter Michael Dreyer über den Schwerpunkt Libanon, über den politischen Anspruch eines unpolitischen Festivals und über den anschließenden Libanon-Trip.

Herr Dreyer, der Libanon steht dieses Jahr im Fokus des Morgenland Festivals. Warum?

Auf dem Weg von Berlin nach Osnabrück habe ich im Zug-Bistro einer Diskussion über Flüchtlinge zugehört. Da ging es darum, Deutschland sei jetzt wirklich voll und könne keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. In der weiten Landschaft von Brandenburg hatte das was Skurriles, und ich habe mich gefragt, wie wohl ein Land wie der Libanon mit Flüchtlingen umgeht. Ein Land, das fünf Millionen Einwohner hat und genauso viele syrische Flüchtlinge aufgenommen hat wie Deutschland. Außerdem traf ich bei meinem letzten Besuch in Beirut viele Musiker aus Syrien, die zwar immerhin die gleiche Sprache sprechen, aber eben doch nicht mehr in ihrem Heimatland leben können. Die sind natürlich alle kulturell aktiv, und da stellt sich die nächste Frage: Was macht das mit einem Land, was macht das mit einer Gesellschaft, was macht das mit der Kulturszene dort? Ein Hauptthema unserer Zeit ist, dass Millionen von Menschen auf der Flucht sind. Der Libanon kennt das von beiden Seiten es leben dort bereits in der dritten Generation Zigtausende palästinensische Flüchtlinge, jetzt kommen die syrischen Flüchtlinge dazu. Gleichzeitig haben viele Menschen das Land während des Bürgerkrieges verlassen (müssen). Es leben mehr Libanesen außerhalb des Libanon als im eigenen Land.

Das klingt sehr politisch. Dabei legen Sie immer Wert darauf, kein politisches, sondern ein Musikfestival zu veranstalten. Was macht die libanesische Kultur aus?

Die gesamte Levante, also der östliche Mittelmeerraum, ist ein Kulturraum, in dem recht willkürliche Ländergrenzen gezogen wurden. Deshalb denke ich mit dem Libanon automatisch Syrien, Palästina die gesamte Region mit. Wenn wir also über traditionelle libanesische Musik reden, reden wir über traditionelle arabische Musik, natürlich mit lokalen Koloriten. Das Morgenland Festival ist nicht politisch, wir machen keine politischen Statements. Aber was seit einigen Jahren in der Welt passiert, insbesondere seit dem nicht enden wollenden, katastrophalen Krieg in Syrien mit allen komplizierten Folgen, all das prägt ja auch europäische Gesellschaften. Was aber ist eine Kultur, die sich nicht auf gesellschaftliche Realitäten bezieht? Ich finde Kultur spannend, die mit den Menschen heute zu tun hat. Und heute hat unser Leben eng mit dieser Region zu tun. Das war immer schon so, aber jetzt noch weit mehr als beim ersten Morgenland Festival 2005.

Welche Festivalprojekte sind originär libanesisch?

Einer meiner Favoriten ist das Konzert Mkhammas Von goldenen Zeiten″ mit Layale Chaker. Ein Projekt über die Musik des Libanon zwischen dem Ende der französischen Besatzung 1943 und dem Beginn der Libanonkrise 1958. Es war die Zeit des Aufbruchs, verbunden mit unglaublicher Energie. Das hat auch die Kunst und Musik beeinflusst. Gleichzeitig geht es um die Frage, wie Libanesen mit ihrer Tradition umgehen. Ein zweites, sehr libanesisches Konzert ist der Abend mit Rony Barrak und Elie Khoury: Zwei libanesische Superstars spielen die Musik, mit der sie groß geworden sind. Daneben haben wir natürlich viele weitere libanesische Musiker: Rima Khcheich ist gerade eine sehr bekannte Stimme in der gesamten arabischen Welt. Tarik el Sham Die Straße nach Libanon″ schließlich ist ein Projekt, das aus dem Gedanken heraus entstanden ist, dass ich Libanon gerade nicht ohne Syrien denken kann.

Im Anschluss an das Festival reisen Sie mit dem Osnabrücker Jugendchor in den Libanon. Was ist die Intention dieser Reise?

Wir haben von Anfang an den Kontakt mit den Menschen in der Region gesucht: im Iran, in Syrien, in der Türkei, zuletzt in Erbil im Nordirak. Mir geht es dabei darum, ein anderes Bild dieser Region zu vermitteln: Der Jugendchor ist aus Teheran nach Hause gekommen mit dem Gefühl, das war toll und vor allem anders als das, was wir immer aus dem Iran hören″. Das sind prägende und wichtige Erlebnisse. Im Libanon arbeitet der Chor mit einem sehr professionellen Jugendchor vor Ort zusammen, aber auch mit syrischen Flüchtlingskindern. Das Morgenland Festival steht immer auch für Begegnung mit Musik und mit Menschen, die wir noch nicht kennen. Oft habe ich erlebt, dass es ein Gefühl von Isolation gibt bei Musikern im Irak, im Iran, im Libanon. Das wollen wir aufbrechen, indem wir Menschen von dort zu uns einladen, aber eben auch, indem wir zu ihnen reisen und gemeinsame Projekte erarbeiten.

Morgenland Festival Osnabrück: 16.–25 Juni. Infos und Tickets: www.morgenland-festival.com

Das Interview in voller Länge lesen Sie auf noz.de / kultur-regional
Bildtext:
Kultur muss sich auf gesellschaftliche Realitäten beziehen: Morgenland-Festival-Chef Michael Dreyer.

Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Ralf Döring


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