User Online: 1 | Timeout: 15:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gefunden und angeschleppt
Zwischenüberschrift:
Wildtierhilfe Osnabrück päppelt Vögel, Igel und Kaninchen auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sie füttert und pflegt die Tiere doch wenn sie ihre Arbeit richtig macht, bauen diese trotzdem keine Bindung zum Menschen auf, sagt Melissa Tomanek von der Wildtierhilfe Osnabrück.

Osnabrück. Singvögel, Wiesel und Wildkaninchen gehören zu den Tieren, die momentan von der Wildtierhilfe Osnabrück betreut werden. Außerdem pflegen die Ehrenamtlichen gerade Igel, Eichhörnchen und Tauben. Gefunden werden die Tiere zum Beispiel bei Bau- und Gartenarbeiten oder weil ein Haustier sie anschleppt. Insgesamt 20 Tiere sind auf unterschiedliche Stationen verteilt, sagt Gründerin Melissa Tomanek. Die Wildtierhilfe Osnabrück hat sich auf kleine Tiere spezialisiert, größere Wildtiere oder Greifvögel würden weitervermittelt. Das bedeute, dass im Frühjahr hauptsächlich Wildkaninchen und Feldhasen betreut würden, ab April kämen viele Vögel hinzu. Ab Herbst beginne für die Helfer die Igelsaison. In den Wintermonaten seien es hauptsächlich ausgewachsene verletzte Tiere, die in die Pflegestation kämen.

Tierrettung im See

Für Tomanek und ihre Mitstreiter bedeutet das jede Menge Arbeit. Junge Kaninchen brauchen in der ersten Zeit alle vier oder sogar alle zwei Stunden Milch. Außer den Fütterungen fallen Putzarbeiten und teilweise ungewöhnliche Einsätze an. Manchmal müssen wir auch Tiere einfangen. Bei verlassenen Entenküken musste ich dafür schon mal in einen See springen″, berichtet Tomanek.

Zeit nimmt auch die Dokumentation in Anspruch. Derzeit gebe es eine Studie, mit der Wildtierretter erheben wollten, welche Ursachen dazu führten, dass die Tiere zu ihnen kämen. Damit wollten sie unter anderem herausfinden, wie viele Tiere jedes Jahr Opfer von Hunden und Katzen würden, erklärt die Osnabrückerin. Die Arbeit der Ehrenamtlichen beschränke sich nicht nur auf die Pflege der Tiere: Öffentlichkeitsarbeit ist für uns sehr wichtig, dazu gehört Aufklärung auch in Schulklassen″, sagt Tomanek.

Falsche Fütterung

Die Tierretter wollen so dazu beitragen, dass die Zahl der Tiere, die eingesammelt werden, sinkt. Der Großteil der Funde seien Jungtiere, von denen einige in der Natur bleiben könnten, sagt Tomanek. Teilweise seien direkte Rückführungen möglich, beispielsweise bei kleinen Kaninchen und Vögeln. Verhindert werden müsse auch eine falsche Fütterung der Fundtiere, die häufig zum Tod führe.

Gegründet hat Tomanek die Wildtierhilfe 2013, nachdem sie eine Taube gefunden hatte und Informationen suchte. Seitdem hat sie verschiedene Fortbildungen besucht und steht in ständigem Kontakt mit Tierärzten, anderen lokalen Stationen wie den Frettchenfreunden Osnabrück und dem Tierschutzverein Herford und überregionalen Organisationen. Wildtierrettung funktioniert nur über Lernen durch Austausch″, sagt die Osnabrückerin.

Sie habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass die Aufzucht der meisten Tiere am besten in Gesellschaft funktioniere. So könne auch der Kontakt zwischen Mensch und Tier so gering wie möglich gehalten werden. Bisher haben wir es noch nicht erlebt, dass wir ein Tier nicht auswildern konnten, weil es zu sehr an uns gewöhnt war″, sagt Tomanek. Der Instinkt der Tiere sei stark. Besonders interessant sei die Entwicklung bei Tauben, die als Küken sehr verschmust seien, doch den Menschen meiden würden, sobald sie fliegen könnten. Es falle ihr inzwischen nicht mehr schwer, emotionalen Abstand zu den Tieren zu halten. Auch wenn man manchen Tod erst verarbeiten muss″, gibt sie zu.

Was die Arbeit der Ehrenamtlichen erschwere, seien finanzielle Engpässe. Die Wildtierhilfe Osnabrück ist auf Sach- und Geldspenden angewiesen. Die größten Kosten verursache das Futter, aber auch Operationen seien häufig teuer. Im vergangenen Jahr habe allein die Behandlung eines Vogels mit gebrochenem Schnabel 600 Euro gekostet. Vor allem bei seltenen Vögeln würden die Tierretter alles versuchen, um sie wieder in die Wildbahn zu entlassen. Die Gefahr ist natürlich groß. Was dann mit den Tieren passiert, wissen wir nicht″, sagt Tomanek, vielleicht werden sie am nächsten Tag überfahren.″

Was tun bei einem Wildtierfund? Tipps von der Expertin lesen Sie im Internet auf noz.de/ os

Bildtext:
Besonders im Herbst werden viele Igel bei der Wildtierhilfe abgegeben.

Foto:
Tomanek
Autor:
Johanna Lügermann


Anfang der Liste Ende der Liste