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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Radschnellweg Osnabrück–Belm
 
Grünes Licht für den Radschnellweg
 
Belm fordert konkretere Zahlen
Zwischenüberschrift:
Stadt und Landkreis votieren einstimmig für Weg zwischen Osnabrück und Belm
 
Beim Schnellweg auf der Bremse
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Pendler aus Belm und Umgebung sollen mit dem Radschnellweg entlang der Bahnstrecke eine Alternative zum Auto bekommen. Die Stadt und der Landkreis haben grünes Licht für die nächsten Planungsschritte gegeben, die Gemeinde Belm will noch Finanzierungsfragen klären.

Für den geplanten Radschnellweg zwischen Osnabrück und Belm gibt es grünes Licht von Stadt und Landkreis, die Belmer hadern noch mit Finanzierungsfragen. Ende des Jahres soll mit dem Bau begonnen werden. 7, 5 Millionen Euro veranschlagen die Planer für die sechs Kilometer lange Strecke.

Osnabrück. Die schnelle Verbindung aus glattem Asphalt soll ein Angebot für Pendler sein, die sich dank guter Kondition oder elektrischen Zusatzantriebs mit 30 Stundenkilometern vorwärtsbewegen und das Auto stehen lassen. Bei 1700 Nutzern und 4000 Kilometern pro Tag würden nach den Berechnungen der Planer jährlich 190 Tonnen CO2 eingespart. Deshalb wollen die Stadt, der Landkreis und die Gemeinde Belm den Radschnellweg zu einem Leuchtturmprojekt für den Masterplan 100 Prozent Klimaschutz″ machen. Damit besteht die Aussicht, den weitaus größten Teil der Kosten über Bundes- und Landeszuschüsse zu finanzieren.

Vier Meter Breite

Anders als in den ersten Entwürfen vorgesehen, soll der Radschnellweg fast auf der ganzen Länge entlang der Bahntrasse verlaufen. Damit bleiben den Radlern größere Steigungen erspart. In Belm soll das Zentrum über mehrere Querspangen angeschlossen werden. Nach den Richtlinien muss das Asphaltband vier Meter breit sein, und die Kurvenradien sind für höhere Geschwindigkeiten auszulegen. Vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Osnabrück machte der Verkehrsplaner Thomas Richter jedoch deutlich, dass im Interesse der Bäume an der Schlachthofstraße vereinzelt auch schmalere Querschnitte ins Auge gefasst würden.

Richter, der im Ingenieurbüro SHP in Hannover arbeitet, zählte weitere Standards auf, die Radler auf der Schnelltrasse zu privilegierten Verkehrsteilnehmern machen sollen. Eine durchgehende Beleuchtung sei ebenso unerlässlich wie ein konsequenter Winterdienst, an Kreuzungspunkten mit dem Autoverkehr dürften den Pedalisten nicht mehr als 30 Sekunden Wartezeit zugemutet werden.

Damit stellen sich Herausforderungen, denen die Planer mit großem technischen Aufwand begegnen wollen. Am Haster Weg, wo der Radschnellweg die Eisenbahnlinie nach Bremen unterquert, sollen Detektoren eine Ampel schalten, die den Autofahrern Rot″ und den schnellen Radlern Grün″ beschert. Kompliziert wird es am Bahnübergang Ickerweg, wo die vorrangige Behandlung der Velos auf keinen Fall dazu führen darf, dass wartende Autos auf den Schienen stehen bleiben. Eine sehr aufwendige und zugleich teure Schaltung soll das verhindern.

Im Ausschuss wurde diskutiert, ob ein so hoher Aufwand überhaupt gerechtfertigt ist und bei den Radlern auf die nötige Akzeptanz stößt. Ungeachtet dieser Zweifel gab es aus der Stadt Osnabrück ein klares Votum. Einstimmig sprach sich der Ausschuss für die weiteren Planungsschritte aus.

75 Prozent Förderung

Auch der Landkreis-Bauausschuss votierte Donnerstag einstimmig dafür, die Planungen auf der Grundlage der vorgestellten Vorplanung fortzusetzen. Richter hatte deutlich gemacht, dass es wichtig ist, die Vorplanung abzuschließen, um eine bis zu 75-prozentige Förderung für das Modellprojekt beantragen zu können. Er betonte: Aktuell ist noch viel Geld im Topf. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Deshalb ist es wichtig, die Entwurfs- und Ausführungsplanungen so schnell wie möglich zum Abschluss zu bringen, denn erst dann können die Fördermittel beantragt werden.″ Die Kreistagspolitiker zeigten sich von der aktuell sehr positiven Förderkulisse für den Bau von Radschnellwegen begeistert. Positiv wurde zudem die neue, ebenerdige Variante entlang der Bahn bewertet. Mit ihrer fraktionsübergreifenden Unterstützung für das Projekt wollten sie die Planungen schnellstmöglich vorantreiben. Die weiteren Planungskosten für den 1, 6 Kilometer langen Belmer Abschnitt des Radschnellwegs bezifferte der Landkreis auf rund 50 000 Euro. Der Landkreis und die Gemeinde Belm würden sich die Kosten teilen, wenn auch der Belmer Gemeinderat und der Kreistag zustimmen.

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Belm/ Osnabrück.. Der Belmer Bauausschuss zierte sich in seiner Sitzung am Donnerstagabend noch ein bisschen, der Fortführung der Planungen für einen Radschnellweg Osnabrück–Belm zuzustimmen, und vertagte die Entscheidung deshalb in die Sitzung des Verwaltungsausschusses. Zunächst wünschen sich die Fraktionen noch konkretere Angaben zu der Kostenteilung.

Bürgermeister Viktor Hermeler betonte, dass er einen Radschnellweg für zukunftsfähig hält und dieser die gute Verkehrsanbindung nach Osnabrück sowohl mit Auto als auch Bus ergänzen würde. Grundsätzlich sei ein Radschnellweg wünschenswert, betonte auch Rolf Villmer (CDU) in der Sitzung. Dem stimmten alle Ausschussmitglieder zu. Doch bei der angespannten Haushaltslage Belms müsse man genau auf die Kosten achten, so Villmer. Deshalb forderten sowohl CDU als auch SPD eine differenzierte Kostenaufstellung, mögliche Förderquoten und die Aufteilung zwischen Stadt, Landkreis und Gemeinde.

Die Beschlussvorlage hatte vorgesehen, die Planungen aufgrund des in der Sitzung vorgestellten Konzeptes für einen Radschnellweg fortzuführen. Die Verwaltung sollte beauftragt werden, in Abstimmung mit Landkreis und Stadt Fördermittel einzuwerben. Für die Planungen sollten laut Vorlage 25 000 Euro bereitgestellt werden. Der Landkreis hat die Kosten für die Konkretisierung des Entwurfs ausschließlich auf dem Gebiet des Landkreises beziehungsweise der Gemeinde auf 50 000 Euro geschätzt. Er schlägt vor, dass Belm die eine Hälfte und der Landkreis die andere zahlt.

Ausschussmitglied Berthold Uphoff (CDU) sah das kritisch. In einer früheren Sitzung, als es um eine erste Vorplanung für den Radschnellweg ging, habe man sich geeinigt, die Kosten nicht nach der Länge des Teilstückes auf Belmer Gebiet aufzuteilen, sondern nach einer Potenzialanalyse, so Uphoff also wie viele Belmer davon profitieren würden. Die Verwaltung soll entsprechend nachverhandeln, findet Uphoff.

Auch mit der Kostenteilung, die Planer Thomas Richter vom Büro SHP Ingenieure, vorgestellt hatte, waren Uphoff und die anderen Ausschussmitglieder nicht einverstanden. Von den insgesamt 7, 5 Millionen Euro Baukosten, soll Belm 2, 3 Millionen tragen. Auch wenn aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium eine Förderquote von bis zu 75 Prozent, also 1, 725 Millionen Euro, in Aussicht gestellt wurde, wie Bauamtsleiter Uwe Harbig mitteilte, wollte die CDU eine konkretere Aufstellung darüber, wie die Kosten zustande kommen. Wir wollen nicht den Ausbau der Schlachthofstraße in Osnabrück mitfinanzieren″, betonte Uphoff. Der Bauausschuss vertagte die Entscheidung und gab sie an den Verwaltungsausschuss weiter. Dieser tagt am 21. Juni. Bis dahin soll die Verwaltung den Fraktionen Zahlen vorlegen.

Kommentar;

Ein Spaß, der kostet

7, 5 Millionen Euro für einen sechs Kilometer langen Radweg? Das ist eine Menge Holz. So ein Vorhaben hat wohl nur eine Chance, weil die Beteiligten ein Leuchtturmprojekt an den Start bringen wollen und das Geld aus überregionalen Quellen fließt. So erfreulich der breite politische Konsens für den Radschnellweg auch ist es stellt sich die Frage, ob hier nicht mit deutscher Gründlichkeit über das Ziel hinausgeschossen wird.

Mit 30 Sachen über die Piste brettern, ohne störendes Autoblech, ohne rote Ampeln und ohne am Schinkelberg zu verzweifeln, das muss Spaß machen! Und genau darauf kommt es an, wenn mehr Menschen der Umstieg aufs Rad schmackhaft gemacht werden soll. Um den Vorrang der Pedalisten mit der Straßenverkehrsordnung in Einklang zu bringen, favorisieren die Planer in Osnabrück teure technische Lösungen. Besser wäre es, auf Wachsamkeit und Vernunft zu setzen.

In Belm muss wohl noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, um das Misstrauen beim kleineren Partner zu überwinden. Hoffentlich gelingt das. Denn der Radschnellweg wird nur dann zum Erfolgsmodell, wenn alle an einem Strang ziehen
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Jean Charles Fays, nst


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