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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Querbeet″: Garten von Versailles
 
Blumenbeet und Sonnenkönig
Zwischenüberschrift:
Frankreichs Barockgärten vereinigen Natur und Geometrie zu purer Schönheit
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Paris. Heute flanieren die Touristen zu Tausenden an Blumenbeeten und Lustwäldchen vorbei, posieren vor Wasserspielen für ein Selfie oder bummeln am Großen Kanal entlang. Der Garten von Versailles leuchtet als Hotspot des Kulturtourismus. Dabei bleibt vielen Besuchern verborgen, dass die Gärten von Schlössern meist geheimen Bedeutungsprogrammen folgen. Für Versailles gilt das ohnehin.

Die Gärten mögen eine Fläche von 800 Hektar bedecken und ein splendides Vergnügen für Augen und Sinne bieten. Gleichwohl funktionieren sie bis in den letzten Winkel als Bildprogramm des Sonnenkönigs. Das ganze Areal gruppiert sich um die Mittelachse des Großen Kanals, auf dem zu Zeiten des Königs aller Könige venezianische Gondeln verkehrten. Wasserbecken wie das Apollon-Bassin, aus dessen Wasserspiegel der Gott mit seinem Sonnenwagen emporsteigt, feiern in antiken Göttergleichnissen jenen König, der von sich sagte: L′État, c′est moi″, der Staat bin ich.

Versailles liefert das Vorbild für den französischen Barockgarten. Abgezirkelte Beete und schnurgerade Baumreihen feiern nicht die Pflanzen, sondern den Menschen, der sich die Natur untertan gemacht hat. Der Garten funktioniert als Zeichnung auf Blumen und Büschen. Die Freude des Betrachters gilt nicht allein den Gewächsen, sie gilt auch der Ordnung, die André Le Nôtre, der größte aller Gartenarchitekten, zwischen 1662 und 1689 so genial wie stilbildend entworfen hat.

Schlossgärten inszenieren die Natur, um das System der absoluten Herrschaft zu feiern. Dafür funktionieren sie oft als Erweiterung des Schlosses in den Außenraum. Gartenmotive nehmen Formen der Architektur auf, Alleen, Wege und Kanäle bilden Sichtachsen, die das Schloss ebenso wie das auf den Monarchen zugeschnittene Herrschaftssystem bestens in Szene setzen.

Wem so viel getrimmte Perfektion zu viel ist, der sollte sich an kleinere Schlossgärten halten. Eine Million Menschen pro Jahr besuchen das Schloss Chenonceau im Loire-Tal. Zu dem Schloss, das wie eine Brücke über den kleinen Fluss Cher gebaut ist, gehören zwei herrliche Parterregärten, die nach Diane de Poitiers und Katharina von Medici benannt sind. Diese royalen Damen der Renaissance lieferten sich einen herrlichen Zickenkrieg. Wer heute an Blumenrabatten und Rosenbüschen entlangflaniert, spürt davon natürlich nichts mehr.

Wer die Freuden virtuoser Gartenordnung genießen und doch vom großen Hofstaat nichts spüren möchte, ist im Loire-Schloss Villandry bestens aufgehoben. Blumenbeete symbolisieren die Spielarten der Liebe. Der Hit: Gärtner haben Gemüsepflanzen zu farbigen Mustern komponiert. Mehr Virtuosität geht kaum im französischen Barockgarten.

Serie Querbeet

Die große Gartenserie

Weitere Teile der Serie finden Sie auf noz.de/ querbeet

Bildtext:
Gärten für zwei adlige Damen und Gartenkarrees mit Gemüsepflanzen: Die Gärten der Loire-Schlösser Chenonceau (links) und Villandry verzaubern mit ausgefeilten Konzepten.

Blumengeometrie feiert den Sonnenkönig: das Schloss Versailles und seine pompösen Gärten.

Foto:
imago/ imagebroker/ imago/ BE& W
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