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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rasen-Professor an der Hochschule
 
Die Herren der Halme
Zwischenüberschrift:
Hochschule Osnabrück setzt auf Rasenmanagement
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Zum Wintersemester soll Deutschlands erster Rasen-Professor an der Hochschule Osnabrück seine Arbeit aufnehmen. Kollegen vom Institut für Landschaftsbau rollen dem Graskenner den grünen Teppich aus.

Der Rasen hat etwas geschafft: Kleingärtner und Wissenschaftler fallen für ihn auf die Knie. Zum Wintersemester soll Deutschlands erster Rasenprofessor an der Hochschule Osnabrück starten. Kollegen vom Institut für Landschaftsbau haben ihm den grünen Teppich ausgerollt.

Osnabrück. Mit jedem Halm wächst die Erkenntnis: Grün ist nicht gleich grün, Rasen nicht gleich Rasen. Es wäre auch zu einfach gewesen. Dr. Patrick Lawson, Mitarbeiter am Institut für Landschaftsbau, Sportfreianlagen und Grünflächen, kniet sich bei den Versuchsflächen der Hochschule Osnabrück in den Sand, rupft einen Halm aus dem Boden und analysiert: Schmales Blatt, intensiv grün, hinten matt, vorne glänzend.″ Sanft im Abgang? Nein. Ins Gras gebissen wird hier nicht. Schließlich geht es darum, einen besonders strapazierfähigen Rasen zu entwickeln.

Die Pflege des Rasens ist eine Wissenschaft für sich. Golfrasen, Gebrauchsrasen, Parkplatzrasen, Sportrasen – „ am Rasen kommen wir in unserem Alltag nicht vorbei″, sagt Landschaftsbau-Professor Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück. Über die Frage nach der Zahl der verschiedenen Arten und Sorten kann er nur lachen und auf seine gefüllte Bücherwand und etliche wilde Rasengräser verweisen. Unzählige. In Deutschland gibt es bisher kaum Professoren, die sich an den Grashalm klammern. Für die einen ist es Hobby, für die anderen ein Forschungszweig neben anderen. Wie zum Beispiel für Thieme-Hack.

Während in den USA vor allem zu Golfrasen geforscht werde und der Greenkeeper ein akademisch gelernter Job ist, werde das Forschungsgebiet Grünlandpflege in Deutschland vernachlässigt, so Thieme-Hack. Die Deutsche Rasengesellschaft (DRG) sieht das genauso und stiftet deshalb die neue Professur. Rasen ist ein riesiger Industriezweig, im Profifußball läuft da ein Milliardengeschäft″, sagt Harald Nonn, Vorsitzender der DRG. Das Berufungsverfahren für die Stiftungsprofessur Nachhaltiges Rasenmanagement″ läuft derzeit. Bis die Berufung des Rasenpapstes durch ist, hält Thieme-Hack zumindest schon die Harke für den Sportrasen hoch.

Ein Unterfangen, das auf 32 Test-Parzellen in Osnabrück auf Nährboden fällt. Na ja, oder auf sandigen. Hier wollen die Wissenschaftler den optimalen Hybridrasen eine Mischung aus Naturrasen und künstlichen Fasern züchten. Dem reinen Kunststoffrasen machen wir eine Kampfansage″, sagt Thieme-Hack und fährt mit den Fingern über vereinzelte Kunsthalme, die biologisch abbaubar sind. Muss auch mal wieder gekämmt werden″, stellt er beim Blick auf die grüne Matte fest. An anderer Stelle ist der Hybridrasen schon richtig eingewachsen, sodass sich zwischen den echten Halmen kaum noch künstliche finden lassen. Mit einer Stollenwalze wird der Spielbetrieb simuliert und die Strapazierfähigkeit des Rasens getestet. Gerade beim Fußball muss der Rasen richtig was abkönnen. Robustheit und Belastbarkeit sind das A und O″, sagt Thieme-Hack. Mehr Stresstest geht nicht.

Doch auch für die weniger strapazierten Rasen in heimischen Gärten gilt: Man kann sehr viel für den Rasen machen″, betont Mitarbeiter Patrick Lawson mit Blick aufs Düngen, Wässern, Vertikutieren und Mähen. Aller Aktivität voran gilt: Augen auf bei der Saatgutwahl. Es gibt Rasengräser, die toleranter und besser gewappnet sind als andere.″ Schließlich gibt es neben dem satten Grün auch reichlich fiese Krankheiten, denen der Rasen trotzen muss: Hexenringe aus Pilzkörpern etwa, dicke Schichten Rasenfilz oder die Nassfäule Schneeschimmel. Es geht alles wieder weg″, gibt Thieme-Hack Entwarnung. Die Frage ist nur, wann.

Jeder Rasen braucht Pflege. Nicht nur der im Profisport. Die Industrie hat das längst erkannt und schickt beim Streben nach der perfekten Vegetationsdecke mehr als nur einen Mähroboter ins Rennen: Mit der ausstehenden Professur geht es vor allem um die umweltfreundliche und nachhaltige Pflege des Rasens″, betont Thieme-Hack. Ein Halm, der bei den Forschungsarbeiten in den USA schon mal übergangen wird.

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Bildtext:
Halm für Halm: Martin Thieme-Hack, Landschaftsbau-Professor (links), und Dr. Patrick Lawson, Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung am Institut für Landschaftsbau, Sportfreianlagen und Grünflächen, untersuchen den Hybridrasen auf den Versuchsflächen der Hochschule Osnabrück.

Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
asp


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