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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Geeinte Gemeinde, geteiltes Land
Zwischenüberschrift:
Koreanische Hana-Gemeinde gibt heute Konzert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die koreanisch-evangelische Hana-Gemeinde gibt es seit 19 Jahren in Osnabrück. Mit einem Benefizkonzert wollen die Christen aus Südkorea jetzt Spenden für Flüchtlinge aus Nordkorea sammeln. Eine geeinte Gemeinde über ihr geteiltes Land.

Osnabrück. Hana″ ist koreanisch und bedeutet eins″ und zusammen″. Gleich zwei Bedeutungen, die man mit vielem verbindet, aber nicht mit Korea, dem gespaltenen Land mit Diktatur im Norden und Demokratie im Süden. Einen besseren Namen hätten wir für unsere Gemeinde gar nicht finden können″, sagt Ji-Seong Yoo, Gründungsmitglied der Hana-Gemeinde, und erklärt es: Wir glauben alle zusammen an einen Gott.″

Vor 19 Jahren, als einige Südkoreaner für die Arbeit bei Karmann oder das Studium nach Osnabrück kamen, gründeten sie hier ihre eigene Gemeinde um Gottesdienst in koreanischer Sprache und mit viel Instrumentalmusik zu feiern und sich so im fremden Europa heimisch zu fühlen. Nach dem Gottesdienst wird gequatscht und gegessen″, sagt Yoo über die inzwischen 30-köpfige Gruppe. Auch Heimat geht durch den Magen.

Vor der Gründung der eigenen Gemeinde hätten sie sich jede Woche zusammen ins Auto gequetscht und seien zur koreanischen Gemeinde nach Münster gefahren, erinnert sich der 49-jährige Yoo. Irgendwann dachten wir: Warum müssen eigentlich so viele Leute nach Münster fahren? Kann nicht besser ein Pastor nach Osnabrück kommen?

Und tatsächlich. Ein koreanischer Theologiestudent erklärte sich bereit, mit der Runde einmal die Woche Gottesdienst zu feiern. Was im heimischen Wohnzimmer des Kirchenvorstands begann, landete wenig später durch die Unterstützung von Pastor Werner Normann in der Melanchthonkirche.

Nach der Entwidmung der Kirche 2015 zog die Hana-Gemeinde ins Gemeindehaus um. Es ist sehr ergreifend, wenn sie musizieren und Gottesdienst feiern″, weiß Pastorin Julia Telscher-Bultmann aus ihrer Zeit in der Melanchthonkirche, in der sie oft gelauscht hat. Einmal im Jahr feiern sie gemeinsam Gottesdienst. Ein Glaube, zwei Welten?

In Westeuropa hat Nordkorea oft nur ein Gesicht. Das von Machthaber Kim Jong Un, der nach außen mit der Atomrakete droht und im Inneren seine Bevölkerung unterdrückt. ,, Die Menschen in Nordkorea haben sehr schwierige Lebensbedingungen″, sagt Yoo und meint Armut, Hunger und Versklavung. Er selbst kommt wie alle Mitglieder der Osnabrücker Hana-Gemeinde aus Südkorea. Wir wollen unterdrückten Menschen aus Nordkorea helfen″, betont er. Die Flucht sei gefährlich, das anschließende Leben, zum Beispiel in China, oft nicht leichter. Statt der neuen Freiheit warte auf Flüchtlinge oft Menschenhandel.

So scharf Korea auch getrennt ist, in den Köpfen bleiben Verbindungen von Süd nach Nord und umgekehrt. Wer auf die Frage nach der eigenen Herkunft mit Korea″ antwortet, hat die Hoffnung auf Wiedervereinigung noch nicht aufgegeben.

Seun Hoom Oh, Pastor der Hana-Gemeinde, ist vor zwei Jahren von der Shinbanbo-Centre-Gemeinde aus Seoul nach Osnabrück gekommen. Aus Südkorea. Sein Vater ist in Nordkorea geboren. 1953, im Jahr des Waffenstillstands nach dem Koreanischen Krieg, dem Jahr, als die Teilung besiegelt wurde, floh er mit seiner Frau in den Süden, wo später Seun Hoom Oh geboren wurde. Cousinen meines Vaters leben noch in Nordkorea″, berichtet der Pastor. Meinen Vater beschäftigt das sein Leben lang.″ Ein Wiedersehen ist derzeit unmöglich. Endstation: Sehnsucht.

Die Hana-Gemeinde hat überlegt, wie sie die Menschen im Norden unterstützen kann. Das Benefizkonzert für Liberty in North Korea″ ist ihre Antwort. 80 Prozent der Mitglieder der koreanischen Gemeinde sind Musiker. Während die einen noch einmal im Kirchenschiff der Lutherkirche ihre Notenblätter durchgehen, sitzen die anderen schon am Flügel. Es ist keine Garagenband, sondern studierte Profis. Jae Seung Lee steht normalerweise als Opernsänger beim Theater Osnabrück auf der Bühne, Yoo selbst ist Bariton, Jihun Lim studiert Jazzgitarre an der Hochschule Osnabrück und will nach dem Klassik-Part beim Konzert mit seinem Jihun Standards Quartett aufmischen. Es ist der klangvolle Versuch, ihrer Solidarität Gehör zu verschaffen.

Das Benefizkonzert der koreanisch-evangelischen Hana-Gemeinde beginnt heute um 19 Uhr in der Lutherkirche an der Iburger Straße 71.

Weitere Fotos auf www.noz.de

Bildtext:
Hilfe für nordkoreanische Flüchtlingskinder: Mitglieder der koreanisch-evangelischen Hana-Gemeinde geben heute in der Lutherkirche ein Benefizkonzert.

Foto:
Michael Gründel
Autor:
Anne Spielmeyer


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