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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Warum sterben so viele Bienen?
Zwischenüberschrift:
Imker besorgt und ratlos
Artikel:
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Originaltext:
Etwa 20 Prozent aller Honigbienen haben den vergangenen Winter in und um Osnabrück nicht überlebt allen Bemühungen des Bienenbündnisses zum Trotz. Was ist das los?

Osnabrück. Das Summen und Brummen in der Frühlingsluft hat nachgelassen. Die Verluste sind hoch″, sagt Frank Bludau vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz, vor allem bei der Honigbiene.″ Er ist selbst Imker. Vor dem Winter hatte ich acht Völker, jetzt nur noch eines″, sagt er. Manche Imker haben einen Totalverlust zu beklagen, andere haben all ihre Völker sicher durch den Winter gebracht. Ernst Liening-Ewerts Bienen, die seit 20 Jahren die Obstbäume auf dem Gelände der Hochschule in Haste bestäuben, sind wegen der kühlen Temperaturen Anfang Mai zwar noch nicht so emsig unterwegs wie üblich aber sie leben. Bei sich zu Hause in Wallenhorst hingegen hat der Imker vier seiner sechs Reinzuchtvölker eingebüßt. So hohe Verluste hatte ich noch nie″, sagt er. Seit 1980 ist er Imker, seit 20 Jahren stehen seine Völker in Haste.

20 Prozent Verluste

Sichere Zahlen über die Verluste in und um Osnabrück liegen nicht vor, aber Frank Bludau schätzt, dass es sich um 20 Prozent handelt. 20 Prozent ist auch die Zahl, die das Bieneninstitut in Celle auf Basis eines Monitorings für Niedersachsen angibt. Im Vorjahr waren es nur sechs Prozent.

Woran liegt es? Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nennt in einem Ende April veröffentlichten Aktionsplan als Hauptschuldigen die industrielle Landwirtschaft, die immer mehr Wiesen- und Heckenflächen beseitigt, Pestizide einsetzt und so Honig- und Wildbienen gleichermaßen schwächt. Aber so einfach ist es nicht. Wer mit Imkern spricht oder mit Experten wie Werner von der Ohe, Leiter des Bieneninstituts Celle, bekommt einen anderen Schuldigen präsentiert: die Varroamilbe. Ihr lateinischer Name Varroa destructor″ spricht für sich: Dieses achtbeinige Tierchen zerstört. Es beißt sich an den Bienen fest und überträgt dabei ein Virus, das ihre Muskeln schwächt. Die Flügel der Honigbienen verkümmern. Sie fallen vom Flugloch und kommen nicht mehr hoch″, sagt Liening-Ewert.

Varroa destructor vermehrt sich in den Waben, in denen die Brut heranwächst. Nach dem Honigschleudern Mitte, Ende Juli und wenn keine Brut mehr in den Zellen sitzt, behandeln Imker ihre Bienenstöcke mit Ameisensäure oder Oxalsäure, um die Milbe zu beseitigen. Doch der Oktober 2016 war ungewöhnlich warm: Die Bienen flogen nach der Behandlung wieder aus, die Königin legte erneut Eier und die Milbe konnte sich wieder vermehren. Auch Hobby-Imker, die keine Schulung mitmachen, seien ein Problem, sagt Liening-Ewert, der selbst Kurse anbietet. Wenn Amateure ihre Völker nicht behandeln, gelangen Milben über Drohnen oder Bienen, die ihr eigenes Volk aufgeben, in andere Völker.

Städte sind Oasen

Ist die Landwirtschaft also unschuldig? Nicht ganz vor allem wenn es um die Wildbienen geht, zu denen unter anderem die Hummeln zählen. Ihnen macht die Varroamilbe nichts aus, und ihre Bestände gehen immer mehr zurück. Das Hauptproblem sind laut von der Ohe nicht Pestizide, sondern das Verschwinden von Blühflächen und Nistmöglichkeiten in der Landschaft. Über mehrere Jahre untersuchte das Celler Bieneninstitut Bienenvölker in der Innenstadt von Hannover und im Freiland. Ergebnis: In der Stadt ging es ihnen besser. Als Grund nennt von der Ohe aber nicht den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zwar waren Rückstände im Polleneintrag zu finden, aber in so geringer Dosis, dass sie den Honigbienen nicht schadeten. Woran liegt es dann? Es blüht mehr″, sagt von der Ohe. In den Städten gibt es Parks und Gärten, außerdem Waldstücke mit Totholz, in dem die Insekten nisten können in der freien Landschaft dominieren Monokulturen. Janina Voskuhl, die an der Hochschule Osnabrück zu Wildbienen forscht, sagt sogar: Städte sind Oasen in der Landschaft.″ Sie weiß wiederum auch von Studien, die gezeigt haben, dass manche Pestizide Bienen schwächen. Klar ist also nur: Die Ursachen für das Bienensterben sind komplex.

Bildtext:
Die Bienen von Imker Ernst Liening-Ewert bestäuben die Obstbäume der Hochschule in Haste. Sie sind durch den Winter gekommen aber jedes fünfte Volk hat es in Niedersachsen nicht geschafft.

Foto:
David Ebener

Osnabrücker Bienenbündnis

2013 beschloss der Osnabrücker Rat einen Aktionsplan gegen das Bienensterben. Resultat war die Gründung des Bienenbündnisses. Ihm gehören neben Stadt und Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) die Hochschule an, der Umweltbeauftragte der Gemeinde Wallenhorst, der BUND, der Imkerverein Osnabrück und Umgebung, aber auch die Landwirtschaftskammer Osnabrück. Sie legen Blühflächen an, damit die Bienen von März bis November durchgängig Nahrung finden, richten Insektenhotels ein und führen Exkursionen durch, um die Bevölkerung zu sensibilisieren.

Während Osnabrück schon aktiv geworden ist, hinkt die Gemeinde Wallenhorst, in der Imker Ernst Liening-Ewert lebt, noch hinterher. Er hat sich schriftlich an die Wallenhorster Ratsleute gewandt. Wallenhorsts Umweltbeauftragter Udo Stangier will nun geeignete Flächen identifizieren, auf denen 2018 Blühpflanzen ausgesät werden könnten. Was der eine Unkraut nennt, ist für die Bienen eine Nektar führende Pflanze″, so Stangier.
Autor:
Sandra Dorn


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