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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück ehrt Kritikerin Asli Erdogan
 
„Ganz nah an Remarque″
Zwischenüberschrift:
Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis geht an die türkische Autorin Asli Erdogan
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 geht an die türkische Autorin und Essayistin Asli Erdogan. Die Stadt Osnabrück ehrt mit der 2016 inhaftierten und derzeit mit einem Ausreiseverbot belegten Autorin eine Stimme für den Schmerz der Opfer″ von Gewalt und Verfolgung. Der Preis soll am 22. September verliehen werden. Da Erdogan die Türkei nicht verlassen darf, wird derzeit auch daran gedacht, sie notfalls per Liveschaltung präsent sein zu lassen.

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück geht 2017 an die türkische Schriftstellerin und Essayistin Asli Erdogan.

Osnabrück. Damit werde die bedeutende Autorin″ und Kämpferin für die Menschenrechte ausgezeichnet″, sagten Jury-Präsident Wolfgang Lücke und Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) gestern bei der Bekanntgabe. Die Jury würdigt zugleich Erdogans Berichte über die Auswirkungen der politischen Verhältnisse in der Türkei auf die Menschen und ihren Alltag″, wie es in der Begründung heißt.

Regula Venske, Präsidentin des deutschen PEN-Clubs, reagierte auf Anfrage hocherfreut auf die Entscheidung für Erdogan. Ich freue mich sehr darüber, dass die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan mit dem Erich-Maria-Remarque-Preis ausgezeichnet wird. Eine zarte und doch so mutige Frau, eine wichtige Symbolfigur für die Hoffnung der Menschen auf ein Leben in Frieden und Würde in der Türkei, aber auch anderswo″, sagte Venske und lobte Erdogan als Autorin, die in schmerzlich-schönen Texten die Grenzen des Sagbaren″ auslote.

Es ist ihr gelungen, die Schrecken, die Gewalt und Krieg insbesondere auf Frauen ausüben, transparent zu machen″, betonte Lücke, Präsident der Universität Osnabrück . „ Noch nie war ein Träger des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises so nah an Remarque selbst dran″, hob Griesert die enge Verwandtschaft zwischen Erdogan und dem in Osnabrück geborenen Autor des Antikriegsklassikers Im Westen nichts Neues″ hervor.

Die Juroren bezogen sich mit ihrer Entscheidung ausdrücklich auf Erdogans Essaysammlung Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch″, die 2017 im Knaus-Verlag erschienen ist. Dessen Verlagsleiterin Britta Egetemeier kommentierte die Zuerkennung des Preises an Erdogan auf Anfrage so: Ihre beeindruckende Stimme, ebenso wie ihr großer Mut und ihre Haltung im Kampf um die freie Meinungsäußerung machen sie zu einer würdigen Preisträgerin.″ Erdogan geißelt in ihren Texten die politischen Zustände in der Türkei unter dem autokratisch regierenden Präsidenten Recep Erdogan.

Die Autorin, die als Kolumnistin der Tageszeitung Özgür Gündem″ zur publizistischen Stimme avancierte, wurde nach der Schließung der Zeitung am 16. August 2016 festgenommen und vier Monate lang inhaftiert. Seitdem ist die Autorin mit einem Ausreiseverbot belegt. Ob sie zur Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises am 22. September nach Osnabrück kommen könne, sei deshalb offen, hieß es aus der Jury. Bei einer Veranstaltung der Leipziger Buchmesse war sie im März nur per Liveschaltung aus der Türkei präsent. Bei den Juroren des Remarque-Preises gilt das auch als ein mögliches Szenario für die Verleihung in Osnabrück.

Die 1967 in Istanbul geborene Asli Erdogan studierte zunächst Physik und arbeitete in einem Kernforschungszentrum. Ihr erster Roman Der wundersame Mandarin″ erschien 1996. Mit ihrem Buch Die Stadt mit der roten Pelerine″ gelang ihr der Durchbruch als Schriftstellerin. Sie schrieb Kolumnen , in denen sie über Repression, Folter und Gewalt gegen Frauen berichtete. Bei ihrer Verhaftung 2016 wurden der Autorin Volksverhetzung″ und Propaganda für eine illegale Organisation″ vorgeworfen. Asli Erdogan ist für ihre Arbeit oft ausgezeichnet worden. Zuletzt wurden ihr die Theodor-Heuss-Medaille und der Bruno-Kreisky-Preis für die Verdienste um Menschenrechte zuerkannt.

Neben dem mit 25 000 Euro dotierten Hauptpreis wird auch der mit 5000 Euro dotierte Sonderpreis vergeben. Die Jury erkennt diesen Preis der Initiative Puls of Europe″ zu, die 2016 in Frankfurt am Main als Bürgerinitiative als Reaktion auf den zunehmenden Erfolg populistischer und nationalistischer Bewegungen in Europa gegründet wurde.

Bildtexte:
Kurz nach ihrer Freilassung: Asli Erdogan 2016.

Ein mögliches Szenario für die Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises in Osnabrück? Bei der Leipziger Buchmesse war Asli Erdogan, die die Türkei nicht verlassen darf, im März nur per Videokonferenz präsent.

Fotos:
dpa
Autor:


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