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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Triumph der Fiktion über die Realität
Zwischenüberschrift:
Annette Pullen inszeniert Rebekka Kricheldorfs „Don Quijote″-Version im Theater Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In die Herzen der Zuschauer haben sich Ronald Funke als Don Quijote und Oliver Meskendahl als Sancho Panza im Osnabrücker Theater gespielt. Es wurde Don Quijote″, eine Bearbeitung des Cervantes-Stoffes durch Rebekka Kricheldorf, uraufgeführt.

Osnabrück. Ein kleiner, aber gut sichtbarer Bauchansatz quillt aus dem hautengen, gelben Trikot, das der frühere Postbote Sancho Panza trägt. Schließlich verkörpert er, das offenbaren auch seine staubtrockenen Geschichten, das Realitätsprinzip. Im Gegensatz zu seinem Herrn Don Quijote, der gänzlich der Welt der Einbildung verfallen ist. Doch der Knappe lernt schnell: So hat ihm sein Traumjob als Gouverneur einer Insel mit den Buntstiften der Vorstellung gekritzelt″ weitaus besser gefallen als die ermüdende Wirklichkeit.

Die Rolle der Fiktion

Rebekka Kricheldorfs Bearbeitung von Miguel de Cervantes′ Barockroman Don Quijote″ feiert scheinbar den Eskapismus aus unserer derzeit von hammerharten Fakten umzingelten Realität. Sie fragt aber zwischen den Zeilen, ob ohne das Große, Ehrenvolle, Zauberhafte, Wagemutige, Romantische″, das in Fiktion und Selbstinszenierung beheimatet ist, die Menschen noch genügend Lebensenergie besitzen, um diese Realität zu bewältigen.

Doch solche großen Fragen stellt man besser mit einem Augenzwinkern, setzt ihnen eine närrische Suppenschüssel auf den Kopf. Schon Cervantes hat das mit Erfolg getan. Mit der Dramatikerin Kricheldorf und der Regisseurin Annette Pullen haben sich zwei getroffen, die dafür die gleiche Sprache sprechen: Kricheldorf mit Straffung und Verdichtung des Mammutwerks und intelligentem Wortwitz, Pullen mit feinem, liebenswertem szenischen Humor, mit dem sie, dem Applaus nach zu urteilen, am Premierenabend die Herzen der Zuschauer im Osnabrücker Theater am Domhof gewann.

Oliver Meskendahl trappelt in herrlich beiläufiger Komik wie sein Esel, den er hin und wieder mit einem saftigen Schlag auf sein eigenes Hinterteil antreibt, und lässt die Metufern″ und Redewendungen verunglücken, in denen er die gehobene Sprache seines Herrn und Meisters nachahmt. Ronald Funke schleppt sich als hinfällig-grauer Herr Alfons durchs Leben, bis ihm sein Sprung in die Fiktion, den Ritterroman Don Quijote″, neue Spannkraft verleiht, bis die Augen sprühen.

Macht nichts, dass ganz wie bei Cervantes mal die Chronik abbricht, erst weitergeschrieben und übersetzt werden muss und auch noch schnöde Bühnentechnik jegliche Illusion bricht. Denn Dulcinea ist längst da, strahlt und winkt in Gestalt von Monika Vivell in allerschönster Robe und straft Sanchos vermaledeiten Realitätssinn Lügen, der sie für pure Erfindung hält.

Im Netz der Fantasie

Auch Valentin Klos als schwuler Barbier und Andreas Möckel als scheinheiliger Pfarrer ein köstliches Gespann sowie Maria Goldmann als unterdrückte Nichte oder Cornelia Kempers als Haushälterin verfangen sich selbst immer mehr im Netz von blühender Fantasie, das sie doch ausmerzen wollten.

Doch schöne, überraschende Regieideen und das im doppelten Wortsinn zauberhafte Bühnenbild von Gregor Sturm verhindern nicht ganz, dass sich zwischendurch mal ein wenig Langeweile einschleicht in der der knapp zweieinhalbstündigen Aufführung. Rebekka Kricheldorfs witzige Don Quijote″-Version, die ihre Vorlage beim Wort nimmt, dürfte dennoch viel nachgespielt werden.

Weitere Aufführungen: 20. und 21. Mai, 16. und 20. Juni. Kartentel. 05 41/ 7 60 00 76

Mehr über Rebekka Kricheldorf und ihre Dramen sowie mehr Bilder finden Sie unter noz.de/ theater

Bildtext:
Haben ein neues Abenteuer im Blick: Oliver Meskendahl als Sancho Panza und Ronald Funke als Don Quijote im Osnabrücker Theater am Domhof.

Foto:
Jörg Landsberg
Autor:
Christine Adam


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