User Online: 1 | Timeout: 21:03Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Maiwochenbesuch scheitert an Visum
 
Çanakkales Bürgermeister darf nicht kommen
Zwischenüberschrift:
Kein Visum für den Besuch der Maiwoche – Seine Frau vertritt ihn
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Die Partnerschaft zwischen Osnabrück und der türkischen Stadt Canakkale gerät in den Sog der innertürkischen Entwicklung: Bürgermeister Ülgür Gökhan darf nicht zur Maiwoche anreisen.

Osnabrück. Wie Stadtsprecher Sven Jürgensen am Sonntag bestätigte, haben die türkischen Behörden dem als liberal bekannten Bürgermeister Çanakkales die Ausreise nach Deutschland verweigert. Über die Hintergründe ist nichts weiter bekannt. Wie es heißt, dürfen die Bürgermeister von Städten einer bestimmten Größenordnung das Land wegen des Ausnahmezustandes nicht verlassen. Stellvertretend ist die Ehefrau des Bürgermeisters, Hale Gökhan, angereist. Sie vertrat ihren Mann auch am Samstag beim Akyürek-Fest auf dem gleichnamigen Platz an der Iburger Straße.

Eine offizielle Stellungnahme wollte Stadtsprecher Jürgensen am Sonntag nicht abgeben. Die Stadt werde sich Anfang der Woche dazu äußern, sagte er. Ülgür Gökhan ist Mitglied der sozialdemokratischen Partei CHP, die in Opposition zu Erdogans Partei AKP steht. Gökhans Amtszeit endet offiziell im März 2019. Die Stadt Osnabrück hatte Gökhan wie alle Repräsentanten der Partnerstädte zum Auftakt der Maiwoche in die Friedensstadt eingeladen. Es ist Tradition auf der Maiwoche, dass sich die führenden Vertreter der Partner- und Freundschaftsstädte aus Derby, Haarlem, Twer, Angers und Çanakkale im Europadorf auf dem Nikolaiort treffen. In den nächsten Tagen wird jede der Partnerstädte sich in dem Europadorf präsentieren. Der Çanakkale-Tag mit Künstlern aus der Partnerstadt am Mittelmeer ist für kommenden Donnerstag geplant.

Die partnerschaftlichen Beziehungen schienen bislang trotz der Umwälzungen und des politischen Drucks in der Türkei zu funktionieren. Die Osnabrücker Städtebotschafterin in Çanakkale, Esra Sakinmaz, berichtete kurz vor der Volksabstimmung, sie fühle sich in ihrer Arbeit bisher nicht beeinträchtigt. Beim Erdogan-Referendum stimmte in Çanakkale eine Mehrheit von 71, 5 Prozent gegen die Verfassungsreform, die Staatspräsident Erdogan erheblich mehr Macht in die Hand gibt.

Osnabrück. Ülgür Gökhan, Bürgermeister von Osnabrücks Partnerstadt Çanakkale, darf nicht zur Maiwoche anreisen. Türkische Behörden haben dem als liberal bekannten Bürgermeister die Ausreise nach Deutschland verweigert.

Bildtext:
Ülgür Gökhan, Bürgermeister von Çanakkale.

Kommentar:

Nicht entmutigen lassen

Mag sein, dass die Ausreiseverweigerung der türkischen Behörden mit dem Ausnahmezustand zu tun hat und viele andere Stadtoberhäupter in der Türkei betrifft. Dennoch dürfen der Rat der Stadt Osnabrück und ihr höchster Repräsentant, der Oberbürgermeister, zu diesem unfreundlichen Akt nicht schweigen. Wenn der Bürgermeister der Partnerstadt auch in schwierigen Zeiten nicht einmal mehr zu einem unpolitischen Fest der Begegnung anreisen darf, gerät die Grundlage dieser Partnerschaft erheblich ins Wanken.

Vielleicht ist genau das die Absicht von Erdogans Getreuen. Die Freundschaft zu einer deutschen Stadt passt nicht in das neue Denken in der Türkei, wo Erdogan doch das Feindbild Deutschland genüsslich hegt und pflegt. Wer sich also in Çanakkale dem Despoten in Ankara andienen will, tut recht daran, die Beziehungen zu Osnabrück erkalten zu lassen.

Das darf Osnabrück gerade in dieser Phase nicht zulassen. Die Friedensstadt muss die Brücke der Freundschaft stärken, die demokratischen Kräfte in Çanakkale ermutigen und dem Despoten und seinen Lakaien die Meinung sagen. Auch wenn die nicht hinhören wollen.
Autor:
hin


Anfang der Liste Ende der Liste