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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eines der Letzten seiner Art
 
Texte und Gedanken zum Kreuzweg Haste-Rulle
Zwischenüberschrift:
In Haste erinnert ein Wegekreuz an Karl den Großen
 
Begleitbroschüre neu aufgelegt – Erläuterungen zu den Werken der Künstlerin Ruth Landmann
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Wegekreuze, einst Ausdruck tiefer Volksfrömmigkeit, sind selten geworden. Eines der letzten im Osnabrücker Stadtgebiet steht in Haste.

Osnabrück. Das kleine Waldstück zwischen der Oldenburger Landstraße und der Bundesstraße 68 in Haste ist ein eigentlich unscheinbarer Ort. Das dort gegenwärtige, etwa zwei Meter hohe Wegekreuz aus Sandstein, gelegen im Hone am Stadtrand Osnabrücks, ist für die vorbeifahrenden Autofahrer beider anliegenden Straßen kaum zu erblicken. Tatsächlich erinnert das Kreuz jedoch an Karl den Großen, der dort um das Jahr 783 die erste christliche Messe im Osnabrücker Land gehalten haben soll.

Weil es als Monument für eine Legende diene, sei das Sandsteingebilde im Hone aber eher atypisch für ein Wegekreuz, wie Dr. Hermann Queckenstedt, der Leiter des Osnabrücker Diözesanmuseums, erklärt. Das Gros der existierenden Wegekreuze stamme aus dem 19. Jahrhundert, wo das Errichten von Kreuzen ein zeitgeschichtliches Phänomen gewesen sei.

Kulturhistorisch betrachtet, hätten Wegekreuze eine Relevanz über schlichte Volksfrömmigkeit hinaus: Man muss zwischen Sühnekreuzen, die errichtet worden sind, um Wiedergutmachung zu betreiben, und Kreuzen zum Ausdruck von Frömmigkeit unterscheiden.″ Außerdem stellten Wegekreuze in der Vergangenheit häufig auch Orte des Erinnerns an Tragödien dar. Mittlerweile seien jedoch andere Formen des Gedenkens, welche einen ähnlichen Zweck wie Gedenkkreuze erfüllten, verbreiteter. So gestalte man nach Autounfällen kleine Denkmäler am Straßenrand, ähnlich den weißen Ghostbikes″ in der Innenstadt, die im Straßenverkehr umgekommener Fahrradfahrer gedenken sollen.

Seit nunmehr einigen Jahrzehnten sind Wegekreuze vom Verschwinden bedroht. Ihnen drohe der Zerfall, oder sie fielen Vandalismus zum Opfer, wie Hermann Queckenstedt konstatiert. Nur noch ganz vereinzelt″ erlebe er, dass Menschen sich auch heutzutage zur Errichtung eines solchen Kreuzes an ihn wendeten. Die fortschreitend säkularere Gesellschaft macht er als Ursache dafür aus, dass der Bestand der Wegekreuze stetig zurückgeht. Anders als in vergangenen Zeiten sei das Aufstellen eines Kreuzes, beispielsweise an Hofeinfahrten oder ländlichen Weggabelungen, heute umso mehr ein deutliches Bekenntnis zum christlichen Glauben. Deswegen hält Queckenstedt es für sinnvoll, Wegekreuze, die besonders in ländlichen Gegenden einen Teil der Kulturlandschaft″ bildeten, abzusichern und als historische Denkmäler zu dokumentieren. Im Osnabrücker Stadtgebiet ist das Wegekreuz im Hone eines der wenigen Exemplare.

Dass Denkmalpflege auch eine politische Dimension annehmen kann, zeigt das Beispiel des Sandsteinkreuzes aus Haste. Zwar stammt die moderne Anlage aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch die Nationalsozialisten zerstörten das Monument im Jahr 1938, erst vier Jahre nach Kriegsende wurde es wieder aufgestellt. Über ihre antichristliche Gesinnung hinaus war die Verwüstung des Denkmals wohl auch dem zunehmend negativen Karlsbild der Nationalsozialisten geschuldet. Nach der erfolgreichen Schlacht an der Hase″ hatte Karl es nämlich vor allem darauf abgesehen, die germanisch-sächsischen Kultstätten in seinem Reich auszulöschen.

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Bildtext:
Zwischen B 68 und Oldenburger Landstraße steht das Haster Wegekreuz, das an Karl den Großen erinnert.
Foto:
Leon Walter

Osnabrück/ Wallenhorst. Eines der letzten Werke, das der eng mit Haste verbundene Hochschulprofessor und gläubige Katholik Johannes Niemann vor seinem Tod 2005 herausgegeben hat, war die Begleitbroschüre zum Kreuzweg von Osnabrück-Haste nach Rulle. Lange war sie vergriffen, jetzt ist sie neu aufgelegt worden.

Darin werden auf 32 Seiten die 14 künstlerisch gestalteten Stationen in Bild und Text vorgestellt. Gerade jüngere Menschen, denen die biblische Ikonografie vielleicht nicht so vertraut ist wie altgedienten Gläubigen, finden hierin erläuternde Hinweise zu den dargestellten Szenen auf dem Leidensweg Christi. Symbole wie das Lamm mit den sieben Siegeln, die Taube, die Traube oder der Pelikan werden erklärt. Niemanns Kollegen aus dem Naturwissenschaftlichen Verein, Horst Klassen, Rainer und Sylve Ehrnsberger, steuerten Texte, die hervorragend ausgeleuchteten Fotos und das Layout bei. Für Klassen ist es wichtig, die Bedeutung der Stationen für den gläubigen Christen und ihren künstlerischen Wert wieder mehr ins Bewusstsein zu holen: Viele spazieren oder radeln da achtlos entlang und wissen überhaupt nicht, was das Ganze soll.″

Leider nur recht knapp wird auf die Künstlerin eingegangen, die die Keramikplatten für die Kreuzwegstelen entworfen und geschaffen hat: Ruth Landmann (1912–2008). Die aus Brilon stammende und in Aachen und Höhr-Grenzhausen ausgebildete Keramikerin lebte und arbeitete ab 1939 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Glasmaler Theo Landmann, in Osnabrück. Wohnung und Atelier befanden sich bis 1956 in der Johann-Sebastian-Bach-Straße, danach am Wetterskamp in Osnabrück. Dort wohnt heute Tochter Pia Landmann, die das Ruth-und-Theo-M.-Landmann-Archiv verwaltet.

Ruth Landmann befasste sich zunächst mit Gefäßkeramik und Kachelbildern. Ab etwa 1950 rückte das freie künstlerische Gestalten auf dem Gebiet der Baukeramik in den Mittelpunkt. Unter den 406 im Online-Archiv dokumentierten keramischen Arbeiten befinden sich Taufsteine, Leuchten, Kreuzwegstationen, Altarwände, Lesepulte, Bildstöcke und Mahnmale aller Art, aber auch Objekte für weltliche Auftraggeber. Hinzu kamen großflächige Arbeiten in Mosaik, Emaille und Entwürfe für Bleiglasfenster und Betonglasfenster. Ihre Werke finden sich im norddeutschen Raum und im Rheinland, einige auch in den Niederlanden und in Italien.

Den Auftrag zur Neugestaltung des Kreuzwegs Haste–Rulle bekam Landmann 1960 von Bischof Wittler. Den Wallfahrtsweg zum Ruller Blutwunder″ zierten bereits seit 1929 Kreuzweg-Stelen aus Sandstein, die von der Domgemeinde und St. Johann gestiftet worden waren. Die Darstellungen darauf hatten über die Jahrzehnte stark gelitten, waren kaum noch erkennbar und insgesamt in einem unwürdigen Zustand″. Landmann verkleidete die vorhandenen Stelen mit glasierten Keramiktafeln unterschiedlicher Größe, darauf bildliche Darstellungen und eingeritzte Schrift. Die Bildmotive wirken auch heute, 56 Jahre nach ihrer Entstehung, erstaunlich modern.

Die Kreuzweg-Broschüre ist am Schriftenstand der Ruller Johanneskirche und im Ruller Pfarramt zu den Öffnungszeiten gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro erhältlich.
Autor:
Leon Walter, Joachim Dierks


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