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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eine Lösung für unsere Tage?
Zwischenüberschrift:
Die Römereschbrücke war schon einmal langzeitgesperrt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Otto, hol rüber!″, hieß es zwischen 1949 und 1952, als nach dem Einsturz einer Behelfsbrücke über den Stichkanal im Zuge der Römereschstraße die Firma Otto May einen Fährdienst eingerichtet hatte. Der bot zumindest Fußgängern, Rad- und Mopedfahrern eine direkte Verbindung zwischen Eversburg und Haste.

Osnabrück. Derzeit sorgt die Sperrung der Kanalbrücke und der Römereschstraße wieder für viel Verdruss. Seit Mai 2016 kommt kein Auto mehr durch, weil Kanäle und Versorgungsleitungen erneuert werden, der östliche Straßenabschnitt vier Spuren erhält und die Elbestraße über eine neue Nettebrücke angeschlossen wird. Firmen wie Kaffee-Partner, Coffee Perfect, Bergschneider oder Wolf Düngemittel klagen, weil sie nur noch auf teils abenteuerlichen Umwegen erreicht werden können. Pendler fahren seit fast einem Jahr beträchtliche Umwege wenn sie denn tatsächlich fahren und nicht im Stau stehen.

Eine Lösung wie weiland 1949 steht allerdings nicht im Ernst zur Debatte, denn Fußgänger und Radfahrer, denen die Fähre damals Erleichterung verschaffte, sind heutzutage gar nicht betroffen. Sie dürfen die Brücke passieren, nur eben keine Kraftfahrzeuge. Und der Kfz-Verkehr musste auch 1949 weit ausholen. Britische Militärfahrzeuge, die zwischen den Kasernen am Limberg, an der Netter Heide, an der Sedan- und an der Landwehrstraße pendelten, verstopften die Bramscher und die Natruper Straße, weil es die vierspurigen Entlastungsstraßen Hansa- und Pagenstecherstraße noch nicht gab.

Alles fing damit an, dass der deutsche Kampfkommandant am 3. April 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der Engländer, den Befehl zur Sprengung der Kanalbrücken gab. Der Akt war militärisch völlig sinnlos, da er die Besetzung allenfalls um einige wenige Stunden verzögerte aber der deutschen Zivilbevölkerung in der Nachkriegszeit das ohnehin schwere Leben noch einmal schwerer machte.

Im Regierungsbezirk Osnabrück gab es 80 Kanalbrücken. 47 davon waren bei Kriegsende zerstört und 13 weitere schwer beschädigt. Zu den vordringlichen Reparaturaufgaben gehörte die Wiederherstellung der Römereschbrücke bei der Papierfabrik Kämmerer. Das Widerlager auf der Haster Seite war trotz der herrschenden Knappheit an Baustoffen fertiggestellt. Man glaubte, die Gitterkonstruktion der gesprengten Brücke wiederverwenden zu können. Zur Hälfte hatte man sie wieder über den Kanal ausgebracht, gestützt von einem behelfsmäßigen Pfeiler in der Mitte des Fahrwassers. Da geschah es, dass im Mai 1949 ein Schleppkahn die Stützkonstruktion rammte. Die Brückenhälfte krachte auf den Kahn. Vorbei war es mit der erhofften baldigen Wiederinbetriebnahme der direkten Verbindung zwischen Haste und Eversburg.

Jetzt war der Zeitpunkt für die Eröffnung des Fährbetriebs gekommen, denn wenigstens Fußgänger und Radfahrer sollten nicht noch länger auf die Fertigstellung der Brücke warten müssen. Die Stadt folgte dem Rat von Fachleuten und verabschiedete sich vom Konzept der Wiederverwendung der alten Bogenbrücke. Die neue Planung sah eine geschweißte Stahlträgerbrücke mit sieben Meter breiter Fahrbahn und zwei Fußsteigen von je 1, 50 Meter Breite vor, die dann auch so ausgeführt wurde.

Zuvor verlangte jedoch die Hasebrücke bei Kämmerer nach einem Ersatz. Über die baufällige Holzbrücke rollte der Verkehr aus Eversburg zur Papierfabrik und in die Rheinstraße mehr schlecht als recht. Die Kosten der neuen Stahlbetonbrücke von 50 000 DM streckte die Firma Kämmerer der Stadt leihweise vor.

Oberbürgermeister Heinrich Herlitzius (SPD) durchschnitt am 27. Januar 1951 das weiße Band der Hasebrücke und wies mit Stolz darauf hin, dass die sieben Meter breite Fahrbahn demnächst Bestandteil des äußeren Stadtrings werde, der den Fernverkehr aus Oldenburg ab der Haster Mühle nordwestlich an der Innenstadt vorbeilenken werde. Auf welche Schwierigkeiten die Westumgehung später einmal stoßen würde, konnte er noch nicht erahnen.

Ein gutes Jahr später, am 6. März 1952, war auch die neue Kanalbrücke fertig, und Fährmann Otto May konnte mit seiner Pontonfähre zum nächsten Einsatzort weiterziehen. Die zur Einweihung mit grünen Girlanden geschmückte neue Römereschbrücke wurde gelobt, weil die Fahrbahn drei Meter breiter ausgefallen war als bei der alten. Und überhaupt füge sich die moderne Stahlträgerkonstruktion besser in das Stadtbild ein als die alte Bogenbrücke. Bausenator Dr. Dettmer H. Zopfs erinnerte an die vielen Hindernisse, die die Dortmunder Firma Jucho insbesondere bei der Stahlbeschaffung zu überwinden hatte und die die Fertigstellung so lange hinausgezögert hatten.

Serie Zeitreise

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtext:
Die neue Römereschbrücke wurde bei ihrer Einweihung 1952 hochgelobt wegen ihrer sieben Meter breiten Fahrbahn. Heute steht sie dem durchgehenden vierspurigen Ausbau der Römereschstraße im Wege.

Zwischen 1949 und 1952 setzte eine Pontonfähre Fußgänger und Radfahrer neben der zerstörten Römereschbrücke über den Kanal. Das Foto von A. Wiechmann ist dem Band Osnabrück 1945–1955″ von Wido Spratte entnommen (Wenner-Verlag, 2005).

Fotos:
A. Wiechmann, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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