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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt will alle Liebesschlösser knacken
Zwischenüberschrift:
Symbole der Treue verursachen teure Rostschäden an Brücken
Artikel:
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Originaltext:
Von wegen alte Liebe rostet nicht: Die Stadt Osnabrück will alle Vorhängeschlösser entfernen, die Paare zum Beweis ihrer Zuneigung an Brücken befestigt haben. Angeblich richten die eisernen Treueschwüre zu großen Schaden an.

Osnabrück. Vier Drahtbrücken hat die Verwaltung im Auge: die Angersbrücke an der Hasestraße, die Brücke am Conrad-Bäumer-Weg (Nähe Carolinum) und die Brücke Öwer de Hase im Bereich Galeria Kaufhof, außerdem der Steg am Haseuferweg zwischen Wittekindstraße (Sparkasse/ Hasehaus) und Heinrich-Heine-Straße (Alando). Dort haben Verliebte in den vergangenen Jahren stellenweise wohl über 1000 Metallschlösser, graviert mit Namen, Jahrestag oder süßer Botschaft, an die Geländer gehängt mit schwerwiegenden Folgen für die Bauwerke.

Denn nicht nur die zusätzliche Last von einigen Hundert Kilogramm macht den Brücken auf Dauer zu schaffen. Vor allem der von Liebesschlössern verursachte Rost ist es, der an ihnen nagt.

So komme es an den aus (eigentlich rostfreiem) Edelstahl bestehenden Stäben, Gittern und Netzen im Brückengeländer immer häufiger zu Schäden durch Kontaktkorrosion, berichtet Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau. Gemeint ist damit jene elektrochemische Reaktion, bei der ein metallischer Werkstoff den anderen zersetzt, wenn beide sich lange genug berühren. Weiterhin würden Liebesschlösser die Zinkbeschichtung der Brüstung zerstören, indem sie immer wieder daran schlagen. Müssen Edelstahlseile oder Gitter deshalb ausgetauscht werden, koste dies die Stadt pro Stück zwischen 250 und 300 Euro.

Als besonders aufwendig erweisen sich Reparaturen am City-Steg des Haseuferwegs. Dort besteht die Geländerfüllung aus feinen Edelstahlmaschen, die durch mechanischen Einfluss″ sprich Liebesschlösser verbiegen und sogar reißen können. Jedes Loch muss von Hand geflickt werden″, erklärt Schmidt. Kosten pro Fehlstelle: rund 45 Euro.

Um alle genannten Brücken von romantisch verklärten Vorhängeschlössern zu befreien und die schadhaften Stellen auszubessern, würden schätzungsweise 20 000 Euro fällig. Am Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt darüber entscheiden, ob das wirklich notwendig ist. Auch weitere Fragen werden dann zu klären sein: Zum Beispiel, wann die Liebesschlösser geknackt werden, was anschließend mit dem Schrott passiert und wie man der Sache in Zukunft Herr werden will.

Denkbar sei, in Osnabrück alternative Plätze für Liebesschlösser zu schaffen, so Schmidt. Andere Städte machen das vor: In Kassel beispielsweise wurden schon vor Jahren an den Enden einer Drahtbrücke Gitter aufgestellt, wo Paare ihre Liebesschlösser stattdessen anbringen können. Wenngleich auch diese Ersatzwände unter großer Last zusammenbrechen können und bei Gefahr abmontiert werden müssen, wie erst vor wenigen Wochen geschehen.

Kunstwerk aus Bäumen

Nachhaltiger scheint da eine Idee aus Moskau: Dort taugen die Liebesschlösser gar zum Kunstwerk, seit sie an stählernen Bäumen befestigt werden können, die leer zunächst eine Fußgängerbrücke zieren und später bunt behängt das Ufer der Moskwa säumen.

Erst Paris, dann Osnabrück: Warum auch die Stadt der Liebe Vorhängeschlösser an Brücken hasst, lesen Sie im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Unromantisch: Liebesschlösser rosten und beschädigen so die Brücken in Osnabrück. 20 000 Euro würde nach Schätzung der Stadtverwaltung ihre Beseitigung kosten, einschließlich der notwendigen Reparaturen.

In Moskau taugen die Liebesschlösser zum Kunstwerk, indem sie an stählernen Bäumen gesammelt und anschließend am Flussufer ausgestellt werden.

Foto:
Jörn Martens, Rainer Lahmann-Lammert

Kommentar:

Ballast

Die meisten Paare, die ihr Glück im Überschwang der Gefühle mit einem Eisenschloss für alle Ewigkeit festhalten wollten, sind längst wieder entzweit. Aber ihre einstigen Liebesschlösser rosten vor sich hin, greifen Stahlseile an und lassen verzinkte Brückengeländer korrodieren. Da ist es gut, dass die städtischen Sachwalter kühlen Kopf behalten und ganz unromantisch zum Bolzenschneider greifen, bevor daraus ein Problem wird.

Osnabrück betrachtet sich ja immer noch als Hauptstadt des Glücks, und da ist der Umgang mit dem ganz privaten Glücksgefühl von Liebenden ein besonders sensibles Thema. Darf die Stadt mit brachialer Gewalt durchgreifen und die Schlösser, an denen so viele Emotionen hängen, einfach knacken? Sie muss es tun, weil sonst immer größere Schäden drohen.

Zum guten Schluss noch ein Rat an alle, die füreinander entflammt sind: Sie sollten ihre Liebe auf originellere Weise bekunden als mit einem abschließbaren Stück Stahl. Wie wäre es mit handgeschriebenen Liebesbriefen? Die können auch eingescannt und in einer Cloud gespeichert werden. Ein Symbol für alle Ewigkeit!
Autor:
Sebastian Stricker


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