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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spielen, stöbern, Fährten lesen
Zwischenüberschrift:
Zu Besuch beim Jagdgebrauchshundverein Osnabrück und Umgebung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wie erziehen Waidmänner und - frauen ihre Hunde? Nachgesagt werden ihnen einerseits harte, umstrittene Methoden, andererseits ein Wandel zu vertrauensbasierter Mensch-Hund-Teambildung. Beim Jagdgebrauchshundverein (JGV) Osnabrück und Umgebung blickten wir hinter die Kulissen.

Osnabrück. Jagdausbildung soll Jagdhunderassen wie dem Deutsch Drahthaar, Weimaraner oder Teckel artgerechte Auslastung bieten und sie zu zuverlässigen Partnern des Jägers machen. Vielfältige Aufgaben werden, so sagen es die Jäger, von den Hunden aufgrund ihrer Anlagen mit Freude ausgeführt.

Eigentlich sieht es aus wie bei vielen Hundeschule-Welpenkursen. Zusammen mit ihren Besitzern üben 16 noch etwas tollpatschige Hunde auf der Wiese des Hofs Meyer zum Alten Borgloh in Hilter-Borgloh Sitz, Platz und Herankommen auf Zuruf. Wir sind beim Welpenlehrgang des Osnabrücker Jagdgebrauchshundvereins, und Helmut Heuer, ehrenamtlicher Leiter des Kurses, erklärt: Im Vordergrund steht Bindungsaufbau zwischen Mensch und Hund. Spielerisch, ohne Druck und Bestrafung, aber mit Konsequenz üben wir, wie bei anderen Hundeausbildungen auch, Grundgehorsam.″

Später packt Kursleiter Heuer eine Angel aus, an dessen Ende eine Wildattrappe hängt. Erst jetzt wird deutlich: Hier gibt es Lektionen für die Jagd. Neugierig verfolgen die jungen Hunde den mit der Angel bewegten Fuchsschwanz. Jagdliche Anlagen, die Otto Normalverbraucher″ versucht, seinem Familienhund abzugewöhnen, sollen hier geweckt werden.

Spezialisten auf Pfoten

Vor der Anschaffung eines Jagdhundes müssen Jäger darauf achten, welche Jagdgelegenheit sie ihm in ihrem Revier bieten können, für welche Art des Jagens er später eingesetzt werden soll. So gibt es unter den Jagdhunden Vorsteh-, Stöber-, Apportier-, Schweiß-, Lauf- oder Erdhunde. Um einen Hund so zu erziehen, dass er bei der Jagd kooperiert, sollte man im Welpenalter mit der Ausbildung beginnen. Einen älteren Hund dahin zu bringen ist nicht ausgeschlossen, aber wesentlich schwieriger″, meint Friedrich Gleissner, Vorsitzender des JGV. So wird bei den Welpen schon Nasen- und Spurarbeit, Vorstehen und Schussfestigkeit trainiert, Spielzeug kann auch mal ein Kaninchenfell sein. Bereits in der Prägungsphase werden die Junghunde an den Geruch des Wilds gewöhnt, das sie später dem Jäger unversehrt bringen sollen. Schwer fällt vielen Hunden das Aufnehmen eines Fuchsbalgs. Dessen Fell greifen sie ungern, da der Fuchs auch zu den Hundeartigen, also aus biologischer Sicht zu ihrer Familie gehört″, weiß Friedrich Gleissner.

Wir verlassen die niedlichen Welpen und besuchen einen anderen Kurs des JGV, treffen auf die fortgeschrittenen Vierbeiner. Jagdhundeausbilder Dieter Eickhorst hat im Wald eine Schweißfährte für sie gelegt. Schweiß″ bedeutet aus der Jägersprache übersetzt Blut. Für die Ausbildung nutzt er Schafs- oder Rinderblut. Später im realen Jagdgeschehen sollen Hunde möglichst schnell der Fährte eines durch Schuss verletzten Tieres folgen können. Münsterländer Onko aus Kloster Oesede ist dran. Er rennt und schnüffelt, darf sich jetzt nicht von anderen Tierspuren im Wald ablenken lassen. Gut gemacht!″, hört man Besitzer Dirk Heuer zwischen den Bäumen rufen. Der Münsterländer hat die Wildschweinschwarte, die beim Training das verletzte Tier darstellt, am Ende der Fährte gefunden und wird nun mit besonderem Leckerchen belohnt.

Und was passiert, wenn beim Hund doch mal Jagdtrieb über Gehorsam siegt, er nicht mehr der Fährte, sondern lebendigem Wild folgt, es gar reißt? Hat ein frei laufender Hund einmal Wild verletzt, ist es schwierig diesen starken Trieb zukünftig im Griff zu haben″, sagt Friedrich Gleissner.

Positive Verstärkung

Um dieses unerwünschte Verhalten zu unterdrücken, setzen manche Jäger tatsächlich noch tierschutzwidrige Reizstromgeräte ein. Die zeitgemäße Jagdhundausbildung hingegen arbeite mit positiver Verstärkung, sprich Belohnung. Möchte man den Hund ganz ohne Zwang ausbilden, sind einige Anforderungen der Jagdprüfung nur schwer zu erreichen″, weiß Friedrich Gleissner, der seinen Deutsch-Langhaar-Rüden komplett ohne Zwang erzog. So haben wir bei der letzten Prüfung auch nicht die volle Punktzahl erreicht, aber das macht nichts. Man muss den Hunden etwas mehr Spielraum zugestehen.″

Um letztendlich Jagdtauglichkeit des Hundes nachzuweisen und ihn für den Jagdgebrauch versichern zu können, müssen rassespezifische Übungen bestanden werden. Zu den Prüfungsaufgaben gehören Finden und Bringen von verletztem oder erlegtem Wild an Land und im Wasser, das Anzeigen von Wildtieren durch Vorstehen oder Spurlaut oder auch das Stöbern im Bau.

Die Frage, ob es Sinn macht, als nicht jagdlich aktiver Jagdhundhalter mit dem Vierbeiner an der Jagdgebrauchshundausbildung teilzunehmen, beantwortet Friedrich Gleissner mit einem klaren Nein. Was nutze es, beim Hund Freude am jagdlichen Arbeiten derart zu verstärken, wenn er sie nach dem Kurs so nicht ausleben kann. Andersherum gingen beim JGV auch Anfragen von Nicht-Jägern nach Antijagdseminaren ein, bei denen den Hunden das Verfolgen von Wild abgelernt werden soll. Diese bietet der JGV Osnabrück nicht an. Gestartet ist nun aber eine Kooperation des JGV mit den Georgsmarienhütter Hundefreunden. Gemeinsam werden zukünftig Angebote für Jagdhundehalter erarbeitet, die selbst keine Jäger sind, und außerdem für Jäger, die ihre Hunde auch mit anderen nicht jagdlichen Rassen spielen und üben lassen möchten.

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Bildtext:
Belohnung für gute Arbeit am Ende der Schweißfährte: Dirk Heuer aus Kloster Oesede mit seinem Kleinem Münsterländer Onko beim Jagdtraining des JGV.

Foto:
Carolin Hlawatsch
Autor:
Carolin Hlawatsch


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